Transatlantische Demokratiekonferenz in der gelben Villa

Wie denken junge Menschen über Demokratie, Freiheit und die transatlantischen Beziehungen? Vom 9. bis 12. Juni tagte die "Transatlantische Demokratiekonferenz" im Kreativ- und Bildungszentrum die gelbe Villa.

Die transatlantischen Beziehungen haben vermutlich schon bessere Zeiten erlebt. Seit Donald Trump erneut im Weißen Haus sitzt, hat sich das Verhältnis zwischen Deutschland und den USA spürbar verändert. Gemeinsame Wertevorstellungen, die in den vergangenen Jahrzehnten fast als ungeschriebene Gesetze galten, stehen heute teilweise zur Disposition. Es scheint als würde nur noch das Recht des Stärkeren regieren. Doch besteht trotz dieser Entwicklungen vielleicht noch Hoffnung auf eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit?

Diese angespannte politische Lage bildete den Ausgangspunkt für die diesjährige Wertekonferenz in der Gelben Villa. Vom 9. bis zum 12. Juni nahmen rund 25 Schüler:innen von 14 bis 17 Jahren an der sogenannten „Transatlantischen Demokratiekonferenz“ teil. Das Konzept der Veranstaltung hat sich bereits in den letzten Jahren bewährt. Ziel ist es, jungen Menschen durch die kritische Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftspolitischen Fragestellungen Räume für Reflexion, Empowerment und Demokratiebildung zu eröffnen.

Dabei wurde ein Bogen vom gesellschaftspolitischen Gesamtrahmen – den transatlantischen Beziehungen und ihrer aktuellen Entwicklung – zu den konkreten Lebenswelten der Teilnehmenden in ihrer Alltagspraxis gespannt. Die Jugendlichen sollen die Möglichkeit bekommen, politische Prozesse nicht nur zu verstehen, sondern auch Bezüge zu ihrem eigenen Alltag herzustellen und ihre Perspektiven aktiv einzubringen.

Kreative Workshops zu Freiheit und Demokratie
Nach einer gemeinsamen Begrüßung am ersten Konferenztag starteten die Teilnehmenden in drei verschiedenen Workshop-Gruppen. Die Kreativ- und Medienwerkstätten boten zahlreiche Möglichkeiten, sich vielfältig kreativ ausprobieren und eigene Ideen umzusetzen. Eine Workshopgruppe befasste sich mit Fotografie und der Frage, wie Bilder gesellschaftliche Themen sichtbar machen können. Eine weitere experimentierte mit verschiedenen Drucktechniken und setze ihre Vorstellungen von Grundrechten und Freiheit kreativ um. Der dritte Workshop widmete sich dem Thema Glück und den Bedingungen für ein glückliches und selbstbestimmtes Leben.

Impulse aus Journalismus und Zeitgeschichte
Zwischen den Arbeitsphasen in den Kleingruppen erhielten die Jugendlichen außerdem spannende Einblicke von zwei Expert:innen. Zu Gast waren Rieke Havertz, Auslandskorrespondentin der ZEIT und Podcast-Host bei „OK America“ und Dr. Peter Keupp, Experte für SED-Diktatur und DDR-Zeitzeuge. In den Gesprächen berichteten sie von ihren beruflichen Erfahrungen und persönlichen Erlebnissen, beantworteten Fragen der Teilnehmenden und regten zum Nachdenken und Diskutieren an.

Demokratie praktisch erleben
Am letzten Tag der Konferenz stand schließlich der gemeinsame große Abschluss im Mittelpunkt. Die verschiedenen Workshop-Gruppen präsentierten ihre Ergebnisse und tauschten sich über ihre Erkenntnisse aus. Ein besonderer Höhepunkt war die Verabschiedung einer gemeinsamen Jugend-Freiheits-Charta. Dafür sammelten die Jugendlichen zunächst die Werte, die ihnen besonders wichtig sind, diskutierten diese miteinander und stimmten anschließend demokratisch darüber ab.

Mit diesem Prozess konnten die Teilnehmenden nicht nur ihre eigenen Vorstellungen von Freiheit, Demokratie und gesellschaftlichem Zusammenleben formulieren, sondern auch praktische Erfahrungen mit demokratischen Beteiligungsformen sammeln. Die entstandene Charta soll künftig bei geeigneten Gelegenheiten auch an Politiker:innen übermittelt werden, um den Ideen, Anliegen und Wünschen der jungen Menschen Gehör zu verschaffen.

Die Transatlantische Demokratiekonferenz war eine Veranstaltung des Kreativ- und Bildungszentrum die gelbe Villa. Sie wurde gefördert aus dem Berliner Jugendbudget.