Viele tolle Ideen: Das sind die geförderten Projekte des Berliner Jugendbudgets

Am 20. Juni 2026 tagte die Jury Berliner Jugendbudget des Jugend-Demokratiefonds Berlin, um die Förderentscheidungen für die zweite Ausschreibung des Berliner Jugendbudgets 2026 zu beschließen. Wie jedes Jahr haben wir einen bunten Blumenstrauß an Projekten - insgesamt 21 werden diese Runde gefördert. Herzlichen Glückwunsch!

©Darris Brooks/Pexels

Wir gratulieren den geförderten Projekten und Teilnehmenden und wünschen viel Freude und Erfolg bei der Umsetzung!

Für alle, die eine Ablehnung erhalten haben, bleiben folgende Hinweise:

  • Nutzt die Antragsberatung vom Projektbüro und probiert es ggf. in der nächsten Förderrunde erneut!
    Die kommende Ausschreibung wird vorbehaltlich der Förderzusage für 2027 im letzten Quartal 2026 ausgeschrieben. Die Projekte können frühestens am 01. März 2027 beginnen und müssen bestenfalls innerhalb des Jahres, spätestens jedoch innerhalb von 12 Monaten nach Beginn abgeschlossen werden.
  • Können kleinere Fördersummen möglicherweise von Jugendgruppen selbst über die Jugendjurys in den Berliner Bezirken beantragt werden? Bei den Ansprechpartner:innen in den Bezirken, in denen ihr aktiv werden wollt, könnt ihr euch über Termine und Fristen der Bezirklichen Jurys informieren.
  • Behaltet die regelmäßig auf www.stark-gemacht.de erscheinenden Ausschreibungen von anderen fördernden Institutionen aus dem Netzwerk im Auge.

Das sind die Projekte, die in der zweiten Förderrunde 2026 im Berliner Jugendbudget durch den Jugend-Demokratiefonds Berlin gefördert werden:

Antragsteller:in: Global Youth Club e.V.
Projektbezirk: Spandau
Projektzeitraum: 01.07.2026 – 30.06.2027
Förderbetrag: 19.747,80 €

Projektbeschreibung:

Safe Space Berlin, Jugend gegen Diskriminierung ist ein partizipatives Projekt für junge Menschen im Alter von 12 bis 21 Jahren in Berlin, insbesondere für Jugendliche, die von Rassismus, Ausgrenzung, Sexismus, Queerfeindlichkeit oder anderen Diskriminierungsformen betroffen sind. Das Projekt schafft einen geschützten Raum für Austausch, Stärkung und Beteiligung. In Empowerment-Workshops, Gesprächsrunden und kreativen Formaten wie Poetry Slam, Collagen, Fotoaktionen und Zines setzen sich die Teilnehmenden mit ihren Erfahrungen, Perspektiven und Lebensrealitäten auseinander. Die Jugendlichen gestalten die Themen und Inhalte des Projekts aktiv mit, setzen eigene Schwerpunkte und bringen ihre Ideen für ein respektvolles, vielfältiges und solidarisches Miteinander ein.

Ziel des Projekts ist es, Selbstwirksamkeit, Ausdrucksfähigkeit und gesellschaftliche Teilhabe zu stärken sowie neue Beteiligungsräume für marginalisierte junge Menschen zu schaffen. Die Jugendlichen machen ihre Perspektiven und Ergebnisse am Ende des Projekts sichtbar.

Aus dieser Problemlage ergibt sich die zentrale Fragestellung des Projekts:
Wie können Jugendliche in Spandau darin gestärkt werden, Diskriminierungserfahrungen zu bearbeiten, ihre Perspektiven sichtbar zu machen und aktiv zu einem respektvollen, vielfältigen und solidarischen Miteinander beizutragen?

Grundlage der Projektidee ist eine partizipative Form der Beteiligung. Die Jugendlichen wirken von Anfang an an der inhaltlichen Gestaltung des Projekts mit. Sie bringen eigene Themen, Erfahrungen und Fragestellungen ein und entscheiden mit über Schwerpunkte, Methoden und Ausdrucksformen. Die Beteiligung erfolgt durch Gesprächsrunden, Empowerment-Workshops, kreative Gruppenprozesse sowie die gemeinsame Entwicklung von Botschaften und Ergebnissen. Damit sind die Teilnehmenden nicht nur Zielgruppe, sondern aktive Mitgestaltende des Projekts.” Zur Zielgruppe: “Die Zielgruppe wird über die Kooperation mit dem Kant-Gymnasium und Narud e.V. konkret erreicht. Das Kant-Gymnasium bietet einen direkten Zugang zu Jugendlichen in ihrem schulischen Alltag, an einem Ort, an dem Fragen von Vielfalt, Zugehörigkeit, Konflikten und Zusammenleben unmittelbar relevant sind. Über die Schule kann das Projekt niedrigschwellig vorgestellt und bekannt gemacht werden, zum Beispiel über persönliche Ansprache, schulische Informationswege und die Unterstützung durch pädagogische Fachkräfte.

Jurybegründung:

In dem Projekt wird ein Safer Space für junge Menschen geschaffen, die Rassismus, Sexismus und/ oder Queerfeindlichkeit erfahren. Die Perspektiven der jungen Menschen sind wichtiger Bestandteil im Projektverlauf. Sie bringen ihre eigenen Erfahrungen aktiv bei der Gestaltung des Projektes ein und die Beteiligung ist daher sehr hoch.

Antragsteller:in: GANGWAY e.V.
Projektbezirk: Mitte
Projektzeitraum: 01.07.2026 – 30.09.2026
Förderbetrag: 4.706,40 €

Projektbeschreibung:

Das Projekt „Urban Voices – Hip Hop & Demokratie im deutschsprachigen Raum“ ist eine internationale Jugendbegegnung zwischen Berlin und Bern, organisiert von Gangway – Straßensozialarbeit in Berlin e.V. und dem TOJ Bern. Im Sommer 2026 reisen 12 Jugendliche aus Berlin (16–24 Jahre) für zehn Tage nach Bern, 2027 folgt die Rückbegegnung in Berlin. Zielgruppe sind junge Menschen aus der Straßensozialarbeit, die häufig von gesellschaftlicher Ausgrenzung betroffen sind und wenig Zugang zu politischer Beteiligung haben. Das Projekt nutzt Hip Hop (Rap, Beatproduktion, Tanz, Video) als niedrigschwellige und lebensweltnahe Ausdrucksform, um politische Bildung, Selbstwirksamkeit und gesellschaftliche Teilhabe zu fördern. Im Zentrum steht die Frage, wie Jugendliche Demokratie erleben und mitgestalten können.

Die Teilnehmenden setzen sich mit unterschiedlichen demokratischen Systemen (Deutschland/Schweiz), urbanen Lebensrealitäten und Formen von Mitbestimmung auseinander. Dabei gestalten sie das Programm aktiv mit, moderieren Einheiten selbst und entwickeln eigene künstlerische Beiträge. Methodisch verbindet das Projekt Peer-to-Peer-Arbeit, künstlerische Praxis und politische Bildung. In Workshops, Diskussionen und gemeinsamen Produktionsphasen entstehen Songs, Performances und mediale Beiträge, die am Ende öffentlich präsentiert werden.

Ziel ist es, demokratische Kompetenzen zu stärken, interkulturelles Lernen im deutschsprachigen Raum zu ermöglichen und nachhaltige Netzwerke zwischen den Jugendlichen aufzubauen. Langfristig soll eine dauerhafte Austauschstruktur zwischen Berlin und Bern entstehen.

Jurybegründung:

Die Reise bietet einen niedrigschwelligen Zugang der politischen Bildung für die Zielgruppe junger Menschen aus der Straßensozialarbeit, die häufig von gesellschaftlicher Ausgrenzung betroffen sind. Durch die Verbindung von Begegnung und Austausch mit künstlerischen und lebensweltrelevanten Themen und Methoden (Hip-Hop) wird sich mit dem politischen System von der Schweiz und Deutschland, urbanen Lebensräumen und Formen von Miteinander auseinandergesetzt und damit demokratische Kompetenz gestärkt.

Antragsteller:in: Kreuzberger Musikalische Aktion e. V.
Projektbezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Projektzeitraum: 01.07.2026 – 30.11.2026
Förderbetrag: 14.576,59 €

Projektbeschreibung:

“Wie wollen wir mit KI leben” ist ein partizipatives Jugendprojekt der Kreuzberger Musikalischen Aktion e. V. in Kooperation mit der Berlinischen Galerie.

Wer:
Das Projekt richtet sich an Jugendliche im Alter von 12 bis 21 Jahren aus Berlin-Kreuzberg, insbesondere an junge Menschen aus sozial und gesellschaftlich benachteiligten Lebenslagen. Im Fokus stehen Jugendliche mit migrantischen oder arabisch-palästinensischen Familiengeschichten, BIPoC-Jugendliche, Mädchen und junge Frauen sowie LGBTQ*-Jugendliche, die in öffentlichen Diskursen und kulturellen Räumen häufig unterrepräsentiert sind. Viele von ihnen erleben Ausgrenzung, Diskriminierung oder fehlenden Zugang zu kultureller und politischer Teilhabe.

Was:
Die Projektidee ist aus der kontinuierlichen pädagogischen Arbeit mit Jugendlichen der Kreuzberger Musikalischen Aktion e. V. entstanden. In Gesprächen über Zukunft, Berufsperspektiven und gesellschaftliche Entwicklungen formulierten sie eigene Fragen zu Künstlicher Intelligenz und ihrem Einfluss auf ihr Leben. Daraus entstand das Projekt. „Wie wollen wir mit KI leben?“. Es eröffnet Jugendlichen einen geschützten Raum, um sich kreativ, kritisch und selbstbestimmt mit Künstlicher Intelligenz und ihren gesellschaftlichen Auswirkungen auseinanderzusetzen.

Ausgangspunkt sind Fragen, die die Jugendlichen selbst formulieren:

  • Wie beeinflusst KI Wahrheit, Sichtbarkeit, Zugehörigkeit und Zukunft?
  • Wer wird gehört – und wer nicht?

In einem partizipativen Prozess entwickeln die Teilnehmenden eigene künstlerische Arbeiten, die sich mit diesen Fragen auseinandersetzen. Die Ergebnisse werden in einer öffentlichen Ausstellung in der Berlinischen Galerie präsentiert – einem Ort, zu dem viele der Teilnehmenden sonst keinen selbstverständlichen Zugang haben.

Wie:
Das Projekt folgt einem konsequent partizipativen Ansatz. Die Jugendlichen entscheiden innerhalb eines klaren pädagogischen Rahmens über Themen, Fragestellungen und künstlerische Ausdrucksformen. Die Projektleitung und Fachkräfte begleiten den Prozess, geben Impulse und stellen Materialien, Technik und Wissen bereit, ohne Inhalte vorzugeben. Die Auseinandersetzung mit KI erfolgt begleitend und reflexiv im Arbeitsprozess. Gesellschaftliche Fragen zu Ethik, Verantwortung, Wahrheit, Desinformation und Diskriminierung in digitalen Räumen werden im gemeinsamen Arbeiten entwickelt, erprobt und reflektiert. Digitale und analoge künstlerische Mittel dienen dabei als Werkzeuge zur Auseinandersetzung, nicht als Selbstzweck.

Wann & wo:
Der Projektzeitraum erstreckt sich von Juli bis November 2026. Der Schwerpunkt der inhaltlichen und kreativen Arbeit liegt in den Sommerferien (Juli/August). Gearbeitet wird in den Räumen der Kreuzberger Musikalischen Aktion e. V. sowie projektbezogen in der Berlinischen Galerie. Den Abschluss bildet eine mehrtägige bis zweiwöchige öffentliche Ausstellung in der Berlinischen Galerie.

Ziele:

  • Jugendliche befähigen, gesellschaftliche Auswirkungen von KI kritisch zu reflektieren
  • Demokratische Beteiligung und Selbstwirksamkeit stärken
  • Kulturelle und digitale Teilhabe für benachteiligte Jugendliche ermöglichen
  • Diskriminierung, Ausgrenzung und Desinformation im digitalen Raum thematisieren
  • Jugendperspektiven in einen öffentlichen, kulturellen Raum tragen

Ergebnisse:

  • 12 Jugendliche arbeiten intensiv über mehrere Monate an eigenen künstlerischen Projekten
  • Weitere ca. 38 Jugendliche werden über offene Angebote und die Ausstellung erreicht– Öffentliche Ausstellung in der Berlinischen Galerie sowie begleitende digitale Dokumentation

Jurybegründung:

Das Vorhaben bietet jungen Menschen, insbesondere aus sozial und gesellschaftlich benachteiligten Lebenslagen, einen guten Rahmen sich selbstbestimmt mit dem komplexen Themenfeld KI in einem geschützten Raum auseinanderzusetzen. Die Idee stammt z. T. von jungen Menschen selbst und ein sehr präsentes Thema wird öffentlich gemacht.

Antragsteller:in: Outreach gGmbH
Projektbezirk: Pankow
Projektzeitraum: 01.07.2026 – 31.12.2026
Förderbetrag: 11.772,36 €

Projektbeschreibung:

1. Ausgangslage:
Seit Oktober 2024 steht im Park an der Schäferstege in Berlin‑Blankenburg ein Container als niedrigschwelliger Jugendtreff zur Verfügung. Dieser entwickelte sich 2025 zu einem wichtigen sozialen Ort für Jugendliche im Stadtteil. Ab Frühjahr 2025 kam es jedoch zu einer problematischen Entwicklung: Rechtsextreme Gruppierungen wie DJV (Deutsche Jugend voran), PDJ (Patriotische Deutsche Jugend) und DPV (Deutsche Patrioten voran) nutzten zunehmend den Jugendcontainer, sowie den Park für ihre Treffen, bedrohten Passanten und andere Jugendliche, verdrängten sie vom Gelände oder versuchten sie an ihre Gruppierungen anzubinden. Da Blankenburg über keine Jugendangebote verfügt, geriet die lokale Jugend verstärkt in den Fokus dieser Akteure. Die Gefahr einer nachhaltigen Einflussnahme auf politisch noch nicht gefestigte junge Menschen ist erheblich. Gleichzeitig besteht ein hoher Bedarf an demokratieorientierten, stabilisierenden und sozialraumbezogenen Angeboten. Das Outreach‑Team verfügt bereits über tragfähige Beziehungen zu einer Gruppe von 20 bis 35 rechtsaffinen, bzw. rechtsorientierten Jugendlichen, die offen für niedrigschwellige Freizeit‑ und Bildungsangebote sind. Diese Grundlage ermöglicht ein wirkungsvolles Interventionsprojekt.

2. Zielstellung:
Das Projekt verfolgt das Ziel, das Vertrauen junger Menschen in demokratische Werte, Prozesse und Beteiligungsmöglichkeiten zurückzugewinnen und sie gleichzeitig vor rechtsextremer Einflussnahme zu schützen. Konkret sollen: demokratieorientierte, niedrigschwellige Freizeit‑ und Bildungsangebote geschaffen werden, rechtsaffine Jugendliche in ihrer Persönlichkeitsentwicklung stabilisiert und in demokratische Handlungsräume eingebunden werden um Vertrauen in ihr eigenes Wirken und Selbstbewusstsein zu erhalten, partizipative Prozesse im Alltag und im Stadtteil ermöglicht werden, dazu gehören die eigene Gestaltung des Jugendcontainers und die geplante Zukunftswerkstatt mit dem Argo Team für alle Blankenburger Jugendlichen der Jugendcontainer als sicherer, demokratischer Ort zurückgewonnen werden, positive Beziehungen zwischen Jugendlichen und Fachkräften gestärkt werden.

3. Zielgruppe:
Die Zielgruppe umfasst 20–35 teilweise rechtsaffine, bzw. rechtsorientierte Jugendliche größtenteils aus Blankenburg, Karow und Buch, die: regelmäßig den Jugendcontainer nutzten, seit 2025 verstärkt durch rechtsextreme Gruppen angesprochen, bzw. verdrängt wurden, über geringe politische Bildung und wenig Beteiligungserfahrungen verfügen, aufgrund fehlender Alternativen im Sozialraum besonders gefährdet sind, gleichzeitig offen für alltagsnahe, partizipative Angebote sind.

4. Maßnahmen:

  • Niedrigschwellige Freizeitangebote: Offene Treffzeiten im Container, Gemeinsames Kochen und Essen, Spiel-, Sport- und Bewegungsangebote, Kreative Workshops (Graffiti, Musik, Medienarbeit)
  • Politische Bildung im Alltag: Reflexion über demokratische Werte und gesellschaftliche Vielfalt, Begegnungen mit politischen Akteurinnen und Akteuren (Fragerunden, Austausch)
  • Partizipative Beteiligungsformate: Einbindung in lokale Beteiligungsstrukturen im Stadtteil in Kooperation mit “Netzwerk für Respekt, Toleranz und Vielfalt Blankenburg” und dem Argo Team mit einer Zukunftswerkstatt für junge Menschen in Blankenburg

Jurybegründung:

Die Fachkräfte reagieren hier mit einem hohen partizipativen Anspruch auf sich verändernde Machtverhältnisse und Präsenz von rechtsextremen Jugendgruppen im öffentlichen Raum. Das Vorhaben setzt auf Beziehungsarbeit und die Stärkung positiver und niedrigschwelliger Beteiligungserfahrungen bei der Zielgruppe von teilweise rechtsaffinen/rechtsorientierten Jugendlichen an. Durch partizipative Prozesse im Stadtteil erfahren sie demokratische Teilhabe und Selbstwirksamkeit auf der Grundlage demokratischer Werte und gesellschaftlicher Vielfalt. Diese Erfahrungen können rechtsextreme Orientierungen nachhaltig hinterfragen und zur kritischen Auseinandersetzung mit entsprechenden Positionen anregen.

Antragsteller:in: Nachbarschaftsheim Schöneberg e.V.
Projektbezirk: Tempelhof-Schöneberg
Projektzeitraum: 03.07.2026 – 31.12.2026
Förderbetrag: 3.867,41 €

Projektbeschreibung:

Wer:
Wir als freier Träger der Kinder- und Jugendarbeit stellen den Antrag gemeinsam mit jungen Mädchen* im Alter von 12 bis 21 Jahren, mit einem besonderen Fokus auf geflüchtete Mädchen* aus benachteiligten Lebenslagen. Die Zielgruppe setzt sich zusammen aus Mädchen mit und ohne Fluchtgeschichte. Die Gruppe besteht derzeit aus 10 Mädchen* aus zwei nahegelegenen Gemeinschaftsunterkünften, aus den Willkommensklassen zweier Schulen sowie dem bestehenden Besucherinnen-Netzwerk des Jugendclubs. Sie nutzen den offenen Jugendclub bisher punktuell und sollen nun zu aktiv Gestaltenden werden.

Was:
„Dancing Queens“ ist ein partizipatives Streetdance-Projekt, in dem die teilnehmenden Mädchen* nicht nur Tanztechniken erlernen, sondern das Projekt von Beginn an aktiv mitgestalten. Sie entscheiden gemeinschaftlich über Musik, Choreografien, Auftrittsformate und die Außendarstellung der Gruppe. Geplant sind ein wöchentlicher Kurs (2 Stunden) unter Anleitung eines professionellen Tänzers/Tanzpädagogen, gemeinsam entwickelte Choreografien sowie die Präsentation ihrer Ergebnisse in Form von Auftritten bei lokalen Veranstaltungen wie dem Weltmädchentag und dem Tag der offenen Tür. Ein gemeinsamer Besuch eines Streetdance-Wettbewerbs ist ebenfalls geplant. Die pädagogischen Fachkräfte des Jugendclubs koordinieren Ablauf, Kommunikation mit Kooperationspartnern und Dokumentation.

Warum:
Geflüchtete junge Mädchen* erleben im Alltag vielfältige Ausgrenzungserfahrungen und haben selten Räume, in denen ihre Stimme gehört wird und in denen sie sichtbar sein dürfen. Zudem schafft das Projekt Begegnungsräume zwischen nicht-geflüchteten und geflüchteten Jugendlichen. Tanz als niedrigschwelliges, körperbasiertes Medium überwindet Sprachbarrieren und schafft sofort erlebbare Gemeinschaft.

Das Projekt setzt gezielt auf Empowerment:
Die Teilnehmerinnen bauen Selbstvertrauen auf, erproben Selbstwirksamkeit und erfahren, dass ihre Ideen und Bedürfnisse zählen. Der Jugendclub wird so zu einem Safer Space, den sie eigenverantwortlich mitgestalten und sich entfalten können – jenseits von Schule und familiären Verpflichtungen. Vor dem Hintergrund einer politischen Realität, in der Mittel für Integration und Unterstützung geflüchteter Menschen zunehmend gekürzt werden und demokratiefeindliche Positionen gesellschaftlich an Zustimmung gewinnen, ist es umso dringlicher, Räume wie diesen aktiv zu erhalten und zu stärken. Projekte, die jungen Menschen – besonders denen, die von mehrfacher Marginalisierung betroffen sind – Gemeinschaft, Freude und Gestaltungsfreiraum bieten, sind kein Luxus, sondern eine demokratische Notwendigkeit.

Projektverlauf:
Die Mädchen* treffen sich einmal wöchentlich zum Kurs. Am 04. September 2026 präsentiert die Gruppe erste Ergebnisse in Form eines Auftritts am Tag der offenen Tür. Zudem ist ein öffentlicher Auftritt am Internationalen Weltmädchentag am 11. Oktober 2026 geplant. Das Projekt endet mit einer wertschätzenden Abschlussveranstaltung.

Wie – Methoden der Beteiligung:
Der Kurs startet mit einem Kick-off-Workshop am 03. Juli 2026, in dem die Gruppe gemeinsam Regeln, Ziele und ihre Zusammenarbeit beschließt. Beteiligungselemente sind fest in die Struktur eingebaut: Die Mädchen* wählen zwei Sprecherinnen, die als Ansprechpartnerinnen bei Fragen und in Konfliktsituationen agieren. Die Mädchen* treffen Gruppenentscheidungen zu Choreos und Outfits, geben regelmäßig Feedback an die begleitende Honorarkraft und planen die Auftritte eigenverantwortlich mit. Ältere Teilnehmerinnen übernehmen im Projektverlauf Peer-to-Peer-Verantwortung und leiten jüngere Mädchen* an. Partizipation wird so strukturell gesichert und ermöglicht. Am Ende erhalten alle Teilnehmerinnen eine Teilnahmebestätigung, die ihre erworbenen Skills und ihre Projektverantwortung dokumentiert.

  • Ziele / Ergebnisse:
    1. Förderung des Zugangs marginalisierter Mädchen* zu kreativen Ausdrucksformen.
  • 2. Stärkung von Selbstvertrauen, Körperwahrnehmung und sozialer Zugehörigkeit bei marginalisierten jungen Mädchen*.
  • 3. Langfristige Einbindung der Teilnehmerinnen in die Jugendeinrichtung als Anlaufpunkt und Schutzraum.
  • 4. Aufbau nachhaltiger Beteiligungsstrukturen in der Jugendeinrichtung, die über das Tanzprojekt hinauswirken.
  • 5. Öffentliche Auftritte als Ausdruck von Selbstwirksamkeit und Stolz sowie öffentliche Sichtbarkeit der Gruppe durch Auftritte und Dokumentation (Fotostrecke / kurze Videos).
  • 6. Aufbau neuer Freundschaften und sozialer Netzwerke zwischen Mädchen* aus Gemeinschaftsunterkünften, Willkommensklasse und regulärem Clubbetrieb.

Jurybegründung:

In dem partizipativ angelegten Projekt gestalten Mädchen* mit Fluchterfahrungen das Vorhaben von Beginn an aktiv mit. In einem Safer Space stehen Empowerment, Selbstbestimmung und die Stärkung der eigenen Ressourcen im Mittelpunkt. Tanz und Musik dienen als niedrigschwellige Zugänge, die an den Interessen der Zielgruppe anknüpfen und zur aktiven Teilhabe motivieren.

Antragsteller:in: KARUNA Sozialgenossenschaft eG
Projektbezirk: Berlinweit
Projektzeitraum: 01.07.2026 – 30.06.2027
Förderbetrag: 17.480,00 €

Projektbeschreibung:

Viele Berliner Jugendliche fühlen sich ungehört, gestresst, einsam und ohne Selbstwirksamkeitserfahrung. Deswegen gründet KARUNA e.G. – Die Sozialgenossenschaft mit Familiensinn gemeinsam mit Berliner Jugendlichen “Stadtgefühl – Berliner Jugendforum für Demokratie”: ein Berliner Jugendforum, das junge Menschen zu echten Gestalter:innen demokratischer Prozesse macht. 20–30 Jugendliche zwischen 15 und 21 Jahren aus Berlin kommen viermal jährlich zusammen, analysieren Ergebnisse aus Demokratie-Workshops und entwickeln daraus eigene gesellschaftliche Beiträge – ob Workshop-Konzept, Podcast, Ausstellung, Studie oder Kampagne. Externe Expert:innen helfen bei der professionellen Umsetzung. Die inhaltliche Entscheidung liegt stets bei den Jugendlichen, die selbst bestimmen, was sie bewegt, welche Formate sie wählen und wie sie ihre Botschaften in die Stadt tragen.

Demokratische Beteiligung wird oft von denselben Jugendlichen gestaltet, die ohnehin gut vernetzt sind. Stadtgefühl soll bewusst andere Berliner Perspektiven einbeziehen – aus Marzahn, Spandau oder Neukölln genauso wie aus Mitte. So entsteht ein Forum, das die Vielfalt der Berliner Jugend abbildet und ihre unterschiedlichen Gefühle und Erfahrungen in den gesellschaftlichen Diskurs einbringt.

  • PHASE 1 – Analyse & Entwicklung (Juli bis Dezember 2026):
    • Treffen 1 – Juli 2026 (Präsenz, Berlin): Kennenlernen, gemeinsame Analyse erster Workshop-Ergebnisse; Einteilung in Arbeitsgruppen nach Thema und Interesse (z. B. Einsamkeit, Demokratieverdrossenheit, Zukunftsängste). Jede Gruppe entwickelt erste eigene Ideen und plant kleine eigenständige Experimente für die digitale Zwischenphase.
    • Digital – August/September 2026: Gruppen erproben erste Formate eigenständig (z. B. kurzer Text, Skizze, Entwurf). Eine gemeinsame digitale Sitzung dient dem Austausch und der gegenseitigen Rückmeldung.
    • Treffen 2 – Oktober 2026 (Präsenz, Berlin): Neue Workshop-Ergebnisse fließen ein. Gruppen präsentieren ihre Experimente. Gemeinsame Reflexion: Welche Themen und Formate wollen wir vertiefen? Die Gruppen können ihre Richtung anpassen oder neu wählen.
    • Digital – November/Dezember 2026: Weiterentwicklung der Ideen, Vorbereitung der Konsolidierungsphase.
  • PHASE 2 – Produktion & Veröffentlichung (Januar bis April 2027):
    • Treffen 3 – Januar 2027 (Präsenz, Berlin): Alle Gruppen bringen ihre Erkenntnisse zusammen. Gemeinsame Entscheidung über ein größeres Abschlussformat, das die verschiedenen Perspektiven vereint (z. B. Ausstellung, Kampagne oder Publikation). Erst jetzt werden externe Expert:innen gezielt beauftragt.
    • Digital – Februar/März 2027: Umsetzung der finalen Ideen in Arbeitsgruppen, begleitet von externen Expert:innen.
    • Treffen 4 – April 2027 (Präsenz, Berlin): Öffentliche Abschlusspräsentation, gemeinsame Evaluation und Planung der Verstetigung.

Jurybegründung:

Jugendliche sind Gestalter:innen und Expert:innen ihrer Themen bei dem neu gegründeten bezirksübergreifenden Berliner Jugendforum. In Demokratie-Workshops bearbeiten die Jugendlichen lebensweltrelevante Themen. Dieser Ansatz zielt stark auf die Förderung von Selbstwirksamkeit ab. Mit den eigenen Produkten (Ausstellung, Kampagne oder Publikation) werden die verschiedenen Ergebnisse des Projekts in einer öffentlichen Veranstaltung sichtbar gemacht.

Antragsteller:in: Grenzkultur gGmbH
Projektbezirk: Tempelhof-Schöneberg
Projektzeitraum: 01.07.2026 – 31.12.2026
Förderbetrag: 18.010,88 €

Projektbeschreibung:

“Freedom of Movement – das Festival der Bewegungsfreiheit | Young Starts Edition“ ist die Weiterentwicklung des Zirkusfestivals, das von 2017 bis 2025 jährlich bei CABUWAZI auf dem Tempelhofer Feld stattgefunden hat und bereits 2024 einmalig durch Stark gemacht gefördert wurde. Das Jahr 2026 nehmen wir zum Anlass für eine inhaltliche und strukturelle Neuausrichtung unseres Festivals. Im Zentrum steht die konsequente Fokussierung auf junge Artist:innen zwischen 13 und 27 Jahren, insbesondere mit Flucht- und Migrationsgeschichte. Unser Ziel ist es, jungen Menschen eine Bühne und eine Stimme zu geben – sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne:

  • Partizipation und Selbstermächtigung: Wir führen momentan ein EU-gefördertes Partizipationsprojekt durch. Daraus ist ein Zirkusrat entstanden, in dem sich junge Artist*innen aktiv im Zirkus CABUWAZI Tempelhof einbringen. Im Projekt hat sich eine Gruppe zusammengefunden, die sich an der Konzeption und Umsetzung des Festivals beteiligen möchten. Sie übernehmen Verantwortung für künstlerische Entscheidungen und organisatorische Aspekte. Die enge Verbindung zwischen beiden Projekten schafft Synergieeffekte, insbesondere im Bereich Begegnung, Selbstorganisation, Ehrenamtliches Engagement und Beteiligungspraxis
  • Künstlerischer Ausdruck als Sprachrohr: In einer Zeit gesellschaftlicher Spaltung, zunehmender Polarisierung und globaler Krisen verstehen wir „Bewegungsfreiheit“ als Thema, das junge Menschen unmittelbar betrifft. Das Festival wird zum Ort der Auseinandersetzung mit Themen wie Demokratie, Toleranz, Mobilität, Macht, Gerechtigkeit und Zugehörigkeit – aus der Perspektive einer jungen Generation.
  • Sozialer Zirkus im Fokus: CABUWAZI verbindet zirkuspädagogische Arbeit mit der Idee von Empowerment und kultureller Teilhabe. Unser Ansatz basiert auf inklusiven, niederschwelligen und gleichzeitig hochqualitativen Methoden.
  • Zielgruppen: Junge Menschen von 13 bis 27 Jahren, besonders mit Flucht-/Migrationsgeschichte (momentan trainieren in unseren Jugendformaten ca. 40 junge Menschen in diesem Alter, sekundäre Zielgruppe sind ca. 600 junge Menschen, die zu den drei Veranstaltungen am Festivaltag als Besucher:innen kommen )
  • Nachwuchsartist:innen aus CABUWAZI und anderen Zirkusschulen in Berlin (Juxzirkus, Zirkusschule der UFA-Fabrik, Zirkus Schatzinsel etc.), die aus den Jugendgruppen herauswachsen und in die Freie Szene der darstellenden Künsten in Berlin hineinwachsen.
  • Junge Zuschauer:innen und Nachbarschaft rund um das Tempelhofer Feld und dem Flughafengebäude – mit Fokus auf junge Menschen in Unterbringungseinrichtungen für geflüchtete Menschen in dieser Nachbarschaft und Community
  • Wirkung (individuell & gesellschaftlich):
    • Gefühl von Zugehörigkeit, Anerkennung, Selbstwirksamkeit
    • Künstlerische und soziale Teilhabe an der Stadtgesellschaft
    • Gesellschaftliche Sensibilisierung von Themen wie Demokratie, Toleranz und Gerechtigkeit durch öffentliche Aufführungen und Diskussion
    • Lokale Verankerung bei gleichzeitiger globaler Perspektive
    •  Förderung des Ehrenamts und der Chancengleichheit

Das Festival findet am 14. November 2026 als eintägiges Zirkusfestival auf dem Gelände von CABUWAZI Tempelhof statt. Es wird begleitet von einem künstlerischen und pädagogischen Prozess mit wöchentlichen Proben, intensiven Ferienmodulen und Generalproben. Die Aufführungen finden im Rahmen von „Zeit für Zirkus! / La Nuit de Cirque“ statt. In allen Bereichen der Durchführung werden junge Menschen ehrenamtlich mitwirken: Konzeption, Organisation, Veranstaltungsmanagement, Gastronomie, PR/ÖA und Bühne.

Formate:

  • 1 Eigenproduktion mit jungen Artistinnen (Alter 13 bis 21 Jahre) aus Berlin, unter professioneller Begleitung von erfahrenen Berliner Artist:innen aus der Freien Szene
  • 1 Open Stage für junge Erwachsene (ab 18 Jahren) aus Berliner Zirkusschulen – Möglichkeit zur ersten Solo-, Duo- oder Gruppennummer (Call mit Bewerbung)
  • 1 Abschlusskonzert + Aftershow-Party mit Live Musik

Das Projekt verbindet auf einzigartige Weise freie darstellende Kunst (Zeitgenössischer Zirkus) mit kultureller Bildung, Teilhabe, Engagement und Empowerment junger Menschen, insbesondere in einem von Ausgrenzung und struktureller Benachteiligung geprägten Kontext. Gleichzeitig fördert das Festival mit seiner Botschaft nachhaltig auf gesellschaftlicher Ebene wichtige Themen wie Freiheit, Demokratie, Vielfalt und Toleranz.

Jurybegründung:

Eine eigene Jugendzirkusinitiative übernimmt Verantwortung für die Planung und Umsetzung eines Festivals. Im Fokus stehen junge Künstler:innen insbesondere mit Flucht- und Migrationsgeschichten. Gemeinsame Aushandlungsprozesse und die Festival-Organisation fördern das Miteinander und Gemeinschaftsgefühl.

Antragsteller:in: ASSITEJ Bundesrepublik Deutschland e.V.
Projektbezirk: Lichtenberg
Projektzeitraum: 01.11.2026 – 31.05.2027
Förderbetrag: 10.695,40 €

Projektbeschreibung:

Wir sind vier junge Menschen, die sich mit Beteiligung junger Menschen im Theater beschäftigen, und haben eine Idee, wie man Jugendliche aktiver in Entstehungsprozessen von Kultur teilhaben lassen kann. Der Rahmen dafür ist das Festival AUGENBLICK MAL! (13. – 18.4.2027), das einzige bundesweite Kinder- und Jugendtheaterfestival, an dessen Gestaltung wir als Jugendbeteiligungsgruppe AUGENtagMAL! bereits seit 2 Jahren mitwirken können.

„Schraubenblick Mal!“ lädt dazu ein, im Voraus des Festivals, begleitet von eine*r Bühnenbildner*in und einer*einem Theaterpädagog*in im Rahmen eines Wochenend-Workshops ein Festival-Möbelstück zu bauen. Der Workshop soll vor dem Festival (ungefähr) Anfang April 2027 in Berlin stattfinden. Dabei treffen interessierte Berliner Jugendliche aufeinander, um gemeinsam an dem Möbelstück zu arbeiten. Dieses wird selber von ihnen kreiert und dabei vollständig aus ausrangiertem “Schrott” von Theatern, dem Straßenrand und Wertstoffhöfen gebaut. Dabei fördern wir nicht nur das kreative Denken der Jugendlichen, bieten das Theater als einen Ort des Ausprobierens an, sondern schaffen gleichzeitig ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Wiederverwendbarkeit insbesondere in Theatern.

Anschließend wird das Möbelstück auf dem Festival nicht nur ein “Eyecatcher” für alle Besucher:innen sein und somit eine geeignete Stelle um aktiv mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen und sich über den Entstehungsprozess des Möbelstücks zu informieren, sondern soll auch ein Platz sein, an dem man sich über Nachhaltigkeit informieren und in den Diskurs darüber kommen kann. Um das zu fördern, möchten wir das Möbelstück ebenso als Ort für Gespräche zu Nachhaltigkeitsthemen, Vorstellung von jungen Nachhaltigkeitsinitiativen (wie z.B. Fridays for Future) und einen Theater-Fundus-Verkauf nutzen, um alten Kleidungsstücken eine zweite Chance zu schenken. Die künstlerische Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeit möchten wir stärker in den Fokus des Festivals rücken, um deren Sichtbarkeit, Umsetzung und Verständnis zu fördern. Das Möbelstück selbst schlägt die Brücke zwischen Kunst, Nachhaltigkeit und Partizipation. Es entsteht aus „Schrott“, handwerklichem Können und Teamwork und schafft ein Neues, das als Anlass dienen kann, genau über die genannten Aspekte aufzuklären. Durch gezielte Informationen, kurze Texte und haptische Ausstellungsstücke sollte es gelingen, das Festivalpublikum davon zu überzeugen, dass Kunst, Nachhaltigkeit und die Partizipation von Kindern und Jugendlichen Hand in Hand gehen SOLLTEN!

Jurybegründung: 

Mit einer kreativen Beteiligungsidee wird das Thema Nachhaltigkeit aufgegriffen und lädt zur Teilnahme und aktiven Beschäftigung mit dem weniger greifbaren Thema Nachhaltigkeit ein. Das Festival bietet einen niedrigschwelligen Zugang und motiviert junge Menschen sich aktiv einzubringen.

Antragsteller:in: Moabiter Ratschlag e.V.
Projektbezirk: Mitte
Projektzeitraum: 01.07.2026 – 31.12.2026
Förderbetrag: 19.588,80 €

Projektbeschreibung:

Das Projekt „Cash oder Krise – Wer kann sich das noch leisten?“ adressiert die Themen Armut und soziale Ungleichheit. Grundlage bildet der Bericht „Sichtweisen junger Menschen in Mitte (2024–2028)“. Im Rahmen dieses Prozesses wurden im Jahr 2024 rund 2.000 junge Menschen durch verschiedene Beteiligungsformate sowie eine umfangreiche Befragung erreicht. Die Auswertung zeigt, dass steigende Lebenshaltungskosten von jungen Menschen deutlich wahrgenommen werden und ihre Lebensrealität unmittelbar beeinflussen. In anschließenden Rückkopplungsformaten mit jungen Menschen, sowie Fachkräften der Jugendarbeit wurde das Themenfeld „Kosten, Armut und Inflation“ als Schwerpunktthema für das Jahr 2026 priorisiert. Die hohe Betroffenheit führt zu einer ausgeprägten Motivation der Zielgruppe, sich aktiv und differenziert mit dem Thema auseinanderzusetzen. Zur konzeptionellen und fachlichen Vorbereitung wurde durch das Kinder- und Jugendbüro Mitte eine multiprofessionelle Fokusgruppe eingerichtet, die die Entwicklung und Umsetzung eines praxisorientierten, pädagogischen Projekts kontinuierlich begleitet. Im Zeitraum von Juli bis Dezember 2026 setzen sich junge Menschen im Rahmen von drei aufeinander aufbauenden Projektbausteinen intensiv mit den Themen Armut und sozialer Ungleichheit auseinander. Dabei werden vielfältige, niedrigschwellige und inklusive Methoden eingesetzt, um eine breite Beteiligung zu ermöglichen.

Projektbaustein 1:
Sensibilisierung und Projektvorstellung (Zielgruppe: Fachkräfte als Multiplikator:innen und interessierte junge Menschen) Im Rahmen eines Kick-off-Fachtages werden Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe (insbesondere im Kontext des § 11 SGB VIII) und interessierte junge Menschen für das Themenfeld sensibilisiert und zur aktiven Mitwirkung am Projekt gewonnen. Inhaltliche Schwerpunkte bilden Workshops zu Klassismus sowie zur intersektionalen Betrachtung von Armut. Zudem erfolgt die Vorstellung des Gesamtprojekts mit besonderem Fokus auf die Beteiligungsmöglichkeiten der Einrichtungen in den folgenden Projektbausteinen.

Projektbaustein 2:
„Kochen für alle“ (Zielgruppe: Kinder und Jugendliche) Im Zeitraum von Juli bis Dezember 2026 richtet monatlich jeweils eine Einrichtung eine Kochveranstaltung aus und übernimmt die Rolle als Gastgeberin. Insgesamt finden sechs Kochsessions statt. Die gastgebenden Einrichtungen werden angeregt, Kooperationen im Sozialraum aufzubauen, beispielsweise mit Supermärkten, Initiativen wie foodsharing oder der Berliner Tafel. Diese Kooperationen sollen nachhaltig ausgebaut und über die Projektlaufzeit hinaus fortgeführt werden. Im Rahmen der Kochveranstaltungen setzen sich die jungen Menschen sowohl praktisch als auch inhaltlich mit Fragen von Armut, sozialer Ungleichheit und Inflation auseinander. Die Teilnehmer:innen entwickeln ein gemeinsames Verständnis davon, dass Armut kein individuelles Problem, sondern das Ergebnis struktureller Ungleichheit ist. Ziel ist die Auseinandersetzung mit der eigenen Betroffenheit und Themen wie Stigmatisierung, Scham und dem Erleben von Ausschlüssen.

Die Formate schaffen Räume für Austausch und Empowerment, in denen junge Menschen eigene Perspektiven formulieren und Handlungsmöglichkeiten entwickeln. Die im Prozess erarbeiteten Themen, Bedarfe und Forderungen werden fortlaufend dokumentiert und in geeigneten Formaten an Entscheidungsträger:innen aus Politik und Verwaltung adressiert. Ein zentrales Ergebnis stellt das gemeinsam entwickelte Kochbuch dar, das neben Rezepten auch inhaltliche Beiträge und Handlungsempfehlungen enthält. Darüber hinaus entwickeln die Teilnehmenden Kriterien für ein Prüfsiegel, welches den kooperierenden Einrichtungen, Restaurants, Supermärkten als Anerkennung verliehen wird.

Projektbaustein 3:
Aktionswoche und Vernissage (Zielgruppe: Kinder und Jugendliche sowie Politik und Verwaltung) In den Herbstferien 2026 wird eine Aktionswoche mit anschließender Vernissage durchgeführt. In künstlerischen und kreativen Formaten (u. a. Tanz, Theater, Rap, Upcycling) setzen sich die Teilnehmenden mit dem Projektthema auseinander und entwickeln eigene Ausdrucksformen. Die Ergebnisse der Aktionswoche werden im Rahmen einer abschließenden Präsentation im Citykino Wedding präsentiert. In diesem Kontext erfolgt auch die Übergabe der erarbeiteten Forderungen an Vertreter*innen aus Politik und Verwaltung. Zudem werden erste konkrete Vereinbarungen zur Weiterbearbeitung zentraler Anliegen getroffen. Ziel ist es, gemeinsam mit politischen Entscheidungsträgerinnen tragfähige Anschlussstrukturen zu entwickeln und Verantwortlichkeiten zu klären. Das Projekt ist als Auftakt für eine längerfristige, ressortübergreifende Auseinandersetzung mit dem Schwerpunktthema im Bezirk konzipiert. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem nachhaltigen Transfer der Ergebnisse und Forderungen in bestehende bezirkliche Strukturen sowie auf deren Verankerung über den Kontext der Kinder- und Jugendarbeit hinaus.

Jurybegründung:

Dieses Projekt bearbeitet das Thema Armut in einem umfänglichen Netzwerk. Es greift damit den aktuellen und dringenden Bedarf junger Menschen mit vielfältigen Methoden und Zugängen (u.a. Kochveranstaltungen, Tanz, Theater, Upcycling) im Bezirk Mitte auf. Im Rahmen einer Aktionswoche setzen sich die jungen Menschen mit dem Thema künstlerisch auseinander und entwickeln eigene Ausdrucksformen. Die Ergebnisse werden an Vertreter:innen von Politik und Verwaltung übergeben. Das Thema Klassismus wird dabei niedrigschwellig betrachtet. Der Blick auf strukturelle Armut sowie der Fokus auf die Bedarfe und Anliegen junger Menschen stärken ihre Selbstwirksamkeit.

Antragsteller:in: Jüdische Gemeinde zu Berlin K.d.ö.R
Projektbezirk: Charlottenburg-Wilmersdorf
Projektzeitraum: 01.07.2026 – 30.06.2027
Förderbetrag: 19.996,82 €

Projektbeschreibung:

Jüdische Jugendliche erleben massive antisemitische Angriffe von allen Seiten: in Kommentarspalten, auf TikTok, Instagram, in Klassenchats. Ihre Stimmen werden übertönt, ihre Identität angegriffen, ihre Sicherheit bedroht. Dabei ist die Ausgangslage besonders herausfordernd: Seit dem 7. Oktober 2023 sind viele junge Jüdinnen und Juden in Berlin tief verunsichert, emotional belastet und zurückgezogen. Bevor sie ihre eigene Initiative entfalten können, müssen zunächst Vertrauen aufgebaut, Sicherheit geschaffen und ihre Stimmen aktiv ermutigt werden. Sie brauchen dringend einen geschützten Raum, Zuspruch und Begleitung und erst darauf aufbauend: Werkzeuge, Wissen und Selbstbewusstsein, um sich zu wehren, ihre Identität zu verteidigen und in diesem harten Kampf bestehen zu können.

  • Wann? Juli 2026 – Juni 2027 (12 Monate)
  • Wo? Jugendzentrum der Jüdischen Gemeinde zu Berlin
  • Wie? Das Herzstück des Projekts ist die Einstellung einer qualifizierten, erfahrenen Projektkoordination, die eine zentrale Rolle als Aktivator:in jüdischer Jugendlicher übernimmt. Diese Fachkraft baut gezielt Vertrauen auf, spricht Jugendliche aktiv an und begleitet sie niedrigschwellig in die Teilhabe. In diesem sicheren Rahmen werden intensive Workshops durchgeführt: Antisemitismus im Netz erkennen und kontern, sichere Kommunikationsstrategien entwickeln, digitale Selbstverteidigung erlernen, Faktenwissen stärken, Resilienz aufbauen. Die Methodik setzt dabei konsequent auf Selbstwirksamkeit: Jugendliche entwickeln eigene Ideen und Projekte, bringen sich aktiv ein und gestalten Inhalte selbst unterstützt durch eine technische Ausstattung für Content-Produktion als Empowerment-Tool.

Jurybegründung:

Bei dem stark angestiegenen Antisemitismus mit einem erheblichen Teil von antisemitischen Angriffen im digitalen Raum schafft das Projekt einen niedrigschwelligen Zugang in einem geschützten Raum für jüdische Jugendliche. Die jungen Menschen werden partizipativ darin gestärkt, sichere Kommunikationsstrategien und eigene Inhalte zu entwickeln und erfahren dadurch Selbstwirksamkeit.

Antragsteller:in: Vuesch gGmbH
Projektbezirk: Spandau
Projektzeitraum: 01.07.2026 – 30.06.2027
Förderbetrag: 19.998,60 €

Projektbeschreibung:

Das Projekt „Ausstellung | 40 Jahre jtw (AT)“ ist eine partizipative und performative Ausstellung zum 40- jährigen Jubiläum der JugendTheaterWerkstatt Spandau e.V. (jtw). Jugendliche entwickeln und realisieren sie eigenständig. Die Eröffnung findet im Juni 2027 im Rahmen den jtw-Jubiläumswochen, einer Art Kunstfestival, statt. Bis zu 15 Teilnehmende im Alter von 16 bis 21 Jahren gestalten den Prozess von der inhaltlichen Recherche über die künstlerische Konzeption bis hin zur öffentlichen Präsentation eigenständig. Dabei übernehmen sie aktiv Rollen als Forschende, Autor:innen, Kurator:innen und Performer:innen und entscheiden gemeinschaftlich über Themen, Formate und Ausdrucksweisen.

Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit der Geschichte der jtw seit ihrer Gründung 1987 sowie ihrer Bedeutung für Jugendliche damals und heute. Ausgangspunkt bilden Interviews mit ehemaligen Jugendlichen aus verschiedenen Jahrzehnten, die von den jugendlichen Teilnehmenden zu ihrer damaligen Lebensrealität befragt werden.

  • Welche Themen, Hoffnungen und Ängste prägten sie?
  • Welche Rolle spielte die jtw für ihre persönliche Entwicklung, ihre politischen Haltungen, ihre Berufswege und sozialen Beziehungen?

Die Perspektiven werden mit aktuellem Blick der Teilnehmenden, historischem Material und künstlerischen Mitteln verknüpft und reflektiert. Die jtw ist ein besonderer Ort der Jugendkultur, künstlerischen Praxis und politischen Bildung. Vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Veränderungen, etwa durch digitale Transformation, soziale Unsicherheiten und politische Spannungen, setzt sich das Projekt mit der Frage auseinander, wie solche Orte entstanden sind, wie sie sich verändert haben und welche Rolle sie heute und zukünftig für Jugendliche und die Stadtgesellschaft einnehmen können. Eingebettet in das Falkenhagener Feld, einen strukturschwachen Ortsteil am Rand Berlins, der von sozialem Wandel, Migration und einem begrenzten Zugang zu kulturellen und künstlerischen Angeboten geprägt ist, bietet die jtw Jugendlichen einen wichtigen Zugang zu kreativer und gesellschaftlicher Teilhabe.

Das Projekt ermöglicht Jugendlichen, ihre eigene Geschichte und Gegenwart aktiv zu erforschen und sichtbar zu machen, und schafft zugleich einen Dialog zwischen Generationen. Ziel des Projekts ist es, Geschichte aus jugendlicher Perspektive neu zu erzählen und Räume für aktive Mitgestaltung zu schaffen. Der Projektzeitraum erstreckt sich von Juli 2026 bis Juni 2027 und gliedert sich in vier aufeinander aufbauende Phasen. In der Recherchephase erarbeiten die Jugendlichen in angeleiteten und selbstorganisierten Formaten thematische Grundlagen durch Archivarbeit, Literaturrecherche und Ausstellungsbesuche. In der anschließenden Entwicklungsphase führen sie Interviews, werten Materialien aus und entwickeln daraus dramaturgische Konzepte für die Ausstellung.

Die Umsetzungsphase ist geprägt von praktischer künstlerischer Arbeit: Es entstehen Installationen, mediale Inhalte, interaktive Formate und performative Elemente, die prototypisch erprobt und weiterentwickelt werden. Den Abschluss bildet die Präsentationsphase mit einer öffentlichen Ausstellung im Juni 2027 im Rahmen der Jubiläumsaktivitäten der jtw, die von den Jugendlichen eigenständig vermittelt und bespielt wird. Begleitet werden die Jugendlichen von einem interdisziplinären künstlerisch-pädagogischen Team aus den Bereichen Sozial- und Kulturanthropologie, Regie, Philosophie und Medienpädagogik. Ergänzt wird die Arbeit durch Gastdozierende, die gezielte fachliche Impulse etwa in Dramaturgie, Ausstellungsgestaltung, Pädagogik und Stadtsoziologie geben.

Die Arbeitsweise kombiniert angeleitete Gruppenprozesse mit selbstorganisierten Arbeiten in Kleingruppen und gemeinsamen Reflexionsphasen. Kooperationen mit lokalen Partnern wie der Jugendgeschichtswerkstatt Spandau e.V. und Schulen stärken die Verankerung im Sozialraum. Das Ausstellungsformat ist bewusst offen angelegt und wird von den Jugendlichen im Prozess entwickelt. Denkbar sind modulare, performative und digitale Formate, auch im öffentlichen Raum, die verschiedene Medien wie Audio, Video, Projektionen oder interaktive Stationen miteinander verbinden. Dadurch wird ein vielschichtiger Zugang zur Geschichte und Gegenwart der jtw ermöglicht.

Das Projekt vermittelt praxisnah Kompetenzen in Recherche, Medienarbeit und künstlerischer Produktion. Die Jugendlichen lernen, mit Archivmaterial zu arbeiten, Interviews zu führen, Inhalte kritisch einzuordnen, medial aufzubereiten und gestalterisch umzusetzen. Gleichzeitig reflektieren sie Fragen von Perspektive, Repräsentation und Verantwortung: Welche Geschichten sollen erzählt werden – und wie? Die Teilnahme ist kostenfrei und weitgehend barrierefrei zugänglich, Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Neben der Ausstellung entstehen digitale Inhalte sowie nachhaltige Impulse für die Weiterentwicklung der jtw als Ort aktiver Jugendbeteiligung.

Jurybegründung: 

In dem stark partizipativ angelegten Projekt gestalten junge Menschen eigenständig eine performative Ausstellung und übernehmen dabei selbstorganisiert alle Aufgabenbereiche mit Unterstützung von Fachkräften. Die historische, politische und künstlerische Reflexion der jtw als Akteurin innerhalb verschiedener Jugendkulturen zu unterschiedlichen Zeiten und unter verschiedenen gesellschaftspolitischen Einflüssen in Berlin erfolgt aus der Perspektive junger Menschen.

Antragsteller:in: Vuesch e.V.
Projektbezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Projektzeitraum: 01.07.2026 – 02.10.2026
Förderbetrag: 2.069,07 €

Projektbeschreibung:

Der PoliZirkus ist ein innovatives Beteiligungsformat im Vorfeld der Berliner Wahlen im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, das politische Begegnung neu gestaltet und junge Menschen aktiv in demokratische Prozesse einbezieht. Im Zentrum steht ein Organisationsteam aus bis zu 15 Jugendlichen und jungen Erwachsenen ab 14 Jahren, das die Veranstaltung eigenständig plant, inhaltlich entwickelt und moderiert. In mehreren vorbereitenden, vergüteten Treffen erarbeiten die Teilnehmenden kreative und interaktive Formate, die sich an ihren eigenen Fragestellungen, Interessen und Perspektiven orientieren.

Die Veranstaltung findet im September statt und richtet sich an ca. 60–120 Kinder und Jugendliche aus dem Bezirk. Eingeladen werden politische Vertreter:innen aller demokratischen Fraktionen der Bezirksverordnetenversammlung sowie des Jugendhilfeausschusses. Ziel ist es, klassische, oft einseitige Diskussionsformate aufzubrechen und stattdessen Begegnungen auf Augenhöhe zu ermöglichen. Der PoliZirkus basiert auf der Annahme, dass Jugendliche nicht nur eigene, oft differenziertere Fragen an Politik haben, sondern auch Ideen, Lösungsvorschläge und konkrete Erwartungen formulieren können. Durch die Übertragung realer Verantwortung im Rahmen des Orga-Teams werden Selbstwirksamkeit, Verantwortungsübernahme und demokratische Kompetenzen gezielt gestärkt.

Methodisch setzt das Projekt auf niedrigschwellige, kreative und dialogorientierte Formate, die klassische Podiumsdiskussionen ersetzen und eine aktive Beteiligung aller Anwesenden ermöglichen. Die Jugendlichen gestalten dabei sowohl Inhalte als auch Ablauf und Moderation. Das Projekt wurde im Rahmen der AG 78 der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) entwickelt und knüpft an bestehende Netzwerke im Bezirk an. Es leistet einen Beitrag zur Stärkung selbstorganisierter Jugendarbeit, zur Weiterentwicklung jugendgerechter Beteiligungsformate und zur Förderung politischer Teilhabe. Langfristig soll der PoliZirkus als übertragbares Modell für partizipative politische Bildungsformate etabliert werden und neue Impulse für die Zusammenarbeit zwischen Jugend und Politik im Bezirk setzen.

Jurybegründung: 

In dem Projekt planen, entwickeln und moderieren Jugendliche politische Begegnungen anhand ihrer Interessen und Perspektiven im Vorfeld der Berliner Wahlen eigenständig. Das innovative Beteiligungsformat schafft Selbstwirksamkeitserfahrungen junger Menschen mit Bezug zu realer Politik.

Antragsteller:in: Jugendpresse Deutschland e.V.
Projektbezirk: Berlinweit
Projektzeitraum: 01.07.2026 – 31.12.2026
Förderbetrag: 6.524,30 €

Projektbeschreibung:

Mit dem Projekt „politikorange x Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus 2026“ realisiert die Jugendpresse Deutschland e.V. eine viertägige Jugendredaktion in Berlin, in der junge Menschen im Alter von 16 bis 27 Jahren die Wahl journalistisch begleiten. Zielgruppe sind politik- und medieninteressierte junge Berliner:innen – unabhängig von Vorerfahrungen oder sozialem/ökonomischem Status. Das Projekt findet im Zeitraum Juli bis September 2026 statt und kulminiert in einem Redaktionswochenende rund um den Wahltag am 20. September 2026. Vorab werden die Teilnehmenden über ein offenes niedrigschwelliges Bewerbungsverfahren ausgewählt und in digitalen Formaten vorbereitet. Während des Redaktionszeitraums arbeiten sie vor Ort in Berlin sowie dezentral an verschiedenen Schauplätzen des Wahlgeschehens.

Im Rahmen des Projekts setzen sich die neun Teilnehmenden praxisnah mit demokratischen Prozessen auseinander. Sie recherchieren eigenständig, führen Interviews – insbesondere mit jungen Kandidat:innen und politischen Akteur:innen –, besuchen Wahlkampfveranstaltungen und Wahllokale und berichten vom Wahlabend. Die Ergebnisse werden multimedial in Form von Artikeln, Audio- und Social-Media-Beiträgen veröffentlicht und über die Plattform politikorange sowie weitere Kanäle verbreitet.

Das Projekt verfolgt das Ziel, Medienbildung, journalistische Praxis und demokratische Teilhabe miteinander zu verbinden. Junge Menschen sollen befähigt werden, politische Prozesse kritisch zu reflektieren, ihre eigenen Perspektiven sichtbar zu machen und aktiv am gesellschaftlichen Diskurs teilzunehmen. Gleichzeitig trägt das Projekt dazu bei, die politische Meinungsbildung junger Zielgruppen zu stärken und ihnen eine Stimme in der öffentlichen Berichterstattung zu geben. Vor dem Hintergrund sinkender Zufriedenheit mit demokratischen Institutionen und wachsender gesellschaftlicher Herausforderungen setzt das Projekt bewusst auf niedrigschwellige Zugänge zur politischen Bildung. Durch das peer-to-peer-Prinzip arbeiten die Teilnehmenden auf Augenhöhe zusammen und übernehmen eigenverantwortlich redaktionelle Aufgaben. Die Redaktion wird von erfahrenen Nachwuchsjournalist:innen begleitet und unterstützt. Gleichzeitig ist das Angebot für alle Teilnehmenden kostenfrei, Verpflegung, etwaige Fahrtkosten oder Unterkünfte werden bezahlt, sodass junge Menschen unabhängig ihrer sozialen und/oder ökonomischen Situation teilnehmen können. Als Ergebnis entstehen journalistische Beiträge aus einer jungen Perspektive, die eine breite Öffentlichkeit erreichen und insbesondere Gleichaltrige zur Auseinandersetzung mit politischen Themen anregen. Darüber hinaus erwerben die Teilnehmenden nachhaltige Kompetenzen in den Bereichen Journalismus, Medienproduktion und politischer Bildung.

Langfristig soll das Projekt die demokratische Teilhabe junger Menschen stärken, Medienkompetenz fördern und einen Beitrag zur Vielfalt im öffentlichen Diskurs leisten. Ein besonderer Fokus des Projekts liegt auf der Sichtbarmachung vielfältiger Perspektiven innerhalb der jungen Stadtgesellschaft Berlins. Durch die gezielte Ansprache unterschiedlicher Milieus und Lebensrealitäten wird eine heterogene Redaktionsgruppe zusammengestellt, die unterschiedliche Erfahrungen, Themen und Blickwinkel in die Berichterstattung einbringt. Dadurch entsteht ein differenziertes Bild der Wahl, das die Vielfalt junger Stimmen in Berlin abbildet. Zugleich fungieren die Teilnehmenden als Multiplikator:innen in ihren eigenen Netzwerken und tragen die Inhalte in ihre Communities weiter. So wird nicht nur eine direkte Projektwirkung erzielt, sondern auch eine darüber hinausgehende Reichweite und nachhaltige Sensibilisierung für politische Themen angestoßen.

Jurybegründung: 

Junge Menschen setzten sich mit komplexen und vielfältigen Themen zu den Wahlen des Berliner Abgeordnetenhauses auseinander und tragen die Informationen an ihre Peer-Gruppe weiter. Dies regt zum einen Diskussionen an und stärkt zum anderen die Wahlbereitschaft von Erstwählenden. Im Projekt werden Kenntnisse demokratischer Verfahren und politischer Positionen mittels eines partizipativen und niedrigschwelligen Zugangs vermittelt. Die Verbindung zu journalistischen Tätigkeiten stärkt zudem die Medienkompetenz der beteiligten Jugendlichen.

Antragsteller:in: Open Knowledge Foundation Deutschland e.V.
Projektbezirk: Berlinweit
Projektzeitraum: 01.07.2026 – 31.12.2026
Förderbetrag: 19.999,76 €

Projektbeschreibung:

Mit dem Jugend hackt Projekt „Long Term Support – Sommersprint“ planen wir ein 4-tägiges Event mit insgesamt ca. 35 Personen, in einer Jugendbildungsstätte in Berlin. Dabei kommen 25 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 21 Jahren (15 Berliner Jugendliche und fünf bis zehn Teilnehmende aus anderen Bundesländern) sowie 10 ehrenamtlichen Mentor:innen aus IT und Technik zusammen.

Gemeinsam arbeiten sie an praktischen und kreativen Ideen, wie Beteiligung technisch und digital realisiert werden kann. Im Zentrum des langen Wochenendes stehen gemeinsames Tüfteln, Austauschen, Lernen und miteinander Zeit verbringen. Die Mentor:innen begleiten die jungen Menschen dabei als sachkundige Ansprechpersonen und Austauschpartner:innen auf Augenhöhe. Das Event ist als eigenständige Maßnahme aus dem Projekt Jugend.Macht.Code entstanden, das im Rahmen von „Demokratie leben!“ gefördert wird. Dort haben sich die Jugendlichen bereits im Februar zusammengefunden, um eigene Projektideen und Lösungsansätze zur Beteiligung junger Menschen an Schule, Gesellschaft und Lebenswelt zu erarbeiten. Dabei entstanden Ideen wie die „All Ears Box“ für niedrigschwelliges und angstfreies digitales Feedback an Schulen oder eine offene Kommunikationssoftware, die jungen Menschen einen sicheren Ort für direkten Austausch ermöglicht, dezentral und unabhängig von großen Tech-Unternehmen. Der Sommersprint ist ihr gemeinsames Bergfest. Die Jugendlichen im Projekt Jugend.Macht.Code haben sich dieses Event gewünscht als Gelegenheit, intensiv miteinander Zeit zu verbringen, Erfahrungen auszutauschen, Motivation zu tanken und zusammen etwas auf die Beine zu stellen.

In ihren Projektgruppen arbeiten die Teilnehmenden beim Sommersprint fokussiert an ihren Prototypen: sie coden, bauen, testen, verwerfen, verbessern, diskutieren und planen die nächsten Schritte, um ihre Projekte zum Erfolg zu führen. Die Jugendlichen entscheiden selbst, wie sie sich organisieren und was sie brauchen, damit ihr Projekt funktioniert. Sie verwalten ihr eigenes Projektbudget und bestimmen selbst, welche Skills sie lernen oder vertiefen wollen. Dazwischen gibt es Austausch zwischen den Teams, gegenseitiges Feedback, Input zu spannenden Themen und viel Gelegenheit, sich voneinander inspirieren zu lassen. Das Rahmenprogramm orientiert sich an den Interessen und Wünschen der Teilnehmenden: Es werden Workshops angeboten, z.B. zu Verschlüsselung und sicherer Kommunikation. Außerdem bieten Jugendliche selbst Lightning Talks an, um ihre Erfahrungen und Kompetenzen zu teilen. Genauso wichtig sind aber auch die lockeren Momente: Spiele, gemeinsames Abhängen, spontane Gespräche, Lachen, neue Freundschaften und das Gefühl, gemeinsam mit Gleichgesinnten etwas bewegen zu können.

Für die Berliner Jugendlichen bietet Jugend hackt auch nach der Veranstaltung einen regelmäßigen Anlaufpunkt in Form des Jugend hackt Labs Berlin im xHain Hack+Makespace. Hier wird im „Long Term Support“ auch nach dem Sommerwochenende an den Projekten weitergearbeitet. Den Jugendlichen stehen technische Infrastruktur, Materialien und Know-how zur Verfügung. Das Jugend hackt Lab ist zudem offen für alle Berliner Jugendlichen und bietet ihnen die Gelegenheit, zu tüfteln, zu coden, miteinander ins Gespräch zu kommen und Teil einer bundesweiten Community zu werden. So bleibt nach dem Sommersprint mehr als nur eine schöne Erinnerung: Es entstehen Verbindungen, Motivation und Strukturen, die im Berliner Jugend hackt Lab weiterleben und zeigen, wie junge Menschen mit ihren Ideen und Perspektiven aktiv Teil und Changemaker der Gesellschaft sind.

Jurybegründung:

Das Projektkonzept kommt von den jungen Beteiligten selbst, was es ihnen ermöglicht, selbstbestimmt ihre eigenen Themen zu behandeln sowie digitale und technische Ansätze von Beteiligungsformaten zu entwickeln. Das gemeinsame Lernen und Ausprobieren stärkt ihre Medienkompetenz.

Antragsteller:in: Transaidency e.V.
Projektbezirk: Berlinweit
Projektzeitraum: 01.08.2026 – 31.12.2026
Förderbetrag: 4.696,86 €

Projektbeschreibung:

Der Jugend-Filmworkshop lädt junge Menschen zwischen 12 und 21 Jahren ein, ihre Perspektiven, Realitäten und Visionen filmisch sichtbar zu machen. Im Workshop entwickeln sie eigene Ideen, schreiben Szenen, drehen und schneiden kurze Filme und präsentieren die Ergebnisse öffentlich. Wir beginnen mit einem Empowerment- und Antidiskriminierungsworkshop. Dort setzen sich die Teilnehmenden mit ihren Erfahrungen auseinander und finden Worte für das, was sie im Alltag erleben. Sie sprechen darüber, wie Rassismus und andere Formen von Diskriminierung wirken und ihren Blick auf sich selbst sowie auf ihre Möglichkeiten prägen. Der Workshop schafft einen Raum, in dem diese Erfahrungen ernst genommen und gemeinsam eingeordnet werden. Darauf aufbauend entwickeln die Jugendlichen ihre eigenen Filmszenen. Sie entscheiden gemeinsam, welche Themen sie bearbeiten, wie sie diese erzählen wollen und welche Form ihre Filme annehmen. So entstehen Geschichten, die an ihre Lebensrealitäten, ihre Welten und Gedanken anknüpfen und von ihnen selbst bestimmt sind. Die Jugendlichen sollen nicht länger von anderen erzählt bekommen, wie ihre Welt aussieht oder aussehen sollte, sondern ihre eigene äußere und innere Welt selbst zeigen können. Sie entscheiden demokratisch über Themen, Inhalte und Formate ihrer Filme.

Im Fokus des gemeinsamen Empowerment-Projekts stehen die Jugendlichen – Erwachsene wie Regisseur und Assistenzkraft begleiten lediglich beratend und unterstützend. Der Workshop verbindet kreative Medienarbeit mit politischer Bildung und trägt dazu bei, Teilhabe sowie demokratische Kompetenzen erlebbar zu machen und nachhaltig zu stärken. Geleitet wird er von einem filmisch erfahrenen und rassismussensiblen Referenten und Regisseur, der seit vielen Jahren erfolgreich mit Jugendlichen arbeitet. Der Regisseur begleitet sie als Mentor, gibt professionelle Impulse, öffnet erste Türen zur Filmwelt und stärkt den empowernden Selbstausdruck. Erwartet wird – je nach Entscheidung der Teilnehmenden – ein gemeinsam produzierter Kurzfilm oder mehrere Kurzfilme, die die Perspektiven der Jugendlichen sichtbar machen.

Teilnehmen werden Jugendliche und junge Erwachsene aus Willkommensklassen sowie aus Jugendgruppen freier Träger der Jugendarbeit und Schulen in Kooperation mit diesen Trägern. Besonders eingeladen sind junge Menschen, die Rassismus erfahren oder sich mit Diskriminierungsthemen auseinandersetzen möchten. Ziel ist es, die unterschiedlichen Realitäten der verschiedenen Gruppen sichtbar zu machen, sie gemeinsam zu begreifen und benennen zu können sowie gemeinsame gesellschaftliche Herausforderungen, aber auch gemeinsame Träume und Hoffnungen zu erkennen. In einer Zeit zunehmender Polarisierung schafft das Projekt Räume für Begegnung, Austausch und differenzierte Auseinandersetzung. Durch die gemeinsame filmische Arbeit werden Perspektivwechsel gefördert, vereinfachenden oder radikalisierenden Erzählungen entgegengewirkt und Kompetenzen im Bereich kritischer Mediennutzung gestärkt. Dazu gehört insbesondere das Erlernen von Fact-Checking, um Informationen einordnen und bewerten zu können, sowie die bewusste Auseinandersetzung mit Mechanismen von Polarisierung und Radikalisierung, um diesen aktiv entgegenzuwirken. Gleichzeitig wird ein verantwortungsvoller Umgang mit Darstellungen und Zuschreibungen gefördert. Wir starten bei Betroffenheiten und enden bei Gemeinsamkeiten.

Jurybegründung:

Das beteiligungsorientierte Projekt verbindet künstlerisches Arbeiten mit politischer Bildung und Empowerment. Es ist divers und inklusiv angelegt, wodurch die Zielgruppe ihre eigenen Erfahrungen, Themen und Perspektiven zu Rassismus und anderen Formen von Diskriminierungen bei der Erstellung des Filmes aktiv einbringen kann. Die Teilnehmenden werden zur Reflexion von Diskriminierungsmechanismen und Vorurteilsmustern eingeladen.

Antragsteller:in: Hejmo e.V.
Projektbezirk: Neukölln
Projektzeitraum: 01.07.2026 – 31.12.2026
Förderbetrag: 15.078,50 €

Projektbeschreibung:

Hejmo ist ein Verein in Berlin-Neukölln, der Menschen durch gemeinsame Aktivitäten zusammenbringt und so Vorurteile und Isolation verringert. In Kooperation mit dem Jungen Tanzhaus Berlin planen wir ein niedrigschwelliges Tanzprojekt in Neukölln für geflüchtete Mädchen und Mädchen aus einkommensschwachen Familien im Alter von 12-17 Jahren.

Warum:
Viele junge Menschen in Neukölln wachsen unter prekären Bedingungen auf, haben nur eingeschränkten Zugang zu kulturellen und sportlichen Angeboten und erleben im Alltag wenig sichere Räume, in denen sie sich frei, kreativ und gemeinsam mit anderen entfalten können. Für Mädchen und junge Frauen kommen häufig zusätzliche Belastungen hinzu, etwa familiäre Verantwortung, eingeschränkte Bewegungsfreiheit, kulturelle Rollenerwartungen sowie finanzielle Hürden. Tanzschulen und kostenpflichtige Freizeitangebote sind für viele Familien nicht zugänglich. Dies kann dazu führen, dass sich die Mädchen isoliert fühlen, sich schämen oder kein Ventil für ihre Gefühle und Kreativität finden.

Was:
Die Idee für den Tanzclub ist direkt aus der Zielgruppe selbst entstanden. Bereits jetzt tanzen die Mädchen gelegentlich spontan zu Musik in den Räumen von Hejmo. Dieses vorhandene Interesse und die positive Resonanz greifen wir auf und entwickeln es in ein regelmäßiges, professionell angeleitetes Angebot weiter. Das Projekt schafft einen geschützten Raum, in dem Mädchen gemeinsam tanzen, sich ausprobieren, ihre Ausdrucksmöglichkeiten erweitern und neue Formen von Selbstvertrauen und Zugehörigkeit entwickeln können. Es geht dabei nicht nur um Tanz als künstlerische Praxis, sondern auch um Empowerment, Teilhabe und soziale Stärkung. Begleitend werden sie in Konfliktmanagement, Kommunikation, etc. geschult, damit sie das Projekt gemeinsam durchführen können. Der Ablauf umfasst gemeinsame Planungsphasen, insgesamt neun Workshops mit den externen Lehrenden, neun begleitende Reflexion und eine abschließende Präsentation der Ergebnisse. Die Abschlusspräsentation soll in einem wertschätzenden, geschützten und nicht-öffentlichen Rahmen stattfinden und die Leistungen der Mädchen sichtbar machen. Dieses Projekt ist das erste Mal, dass wir ein so strukturiertes Tanzprojekt entwickeln können und stellt eine Erweiterung unseres Angebotes dar.

Wo:
Die Umsetzung erfolgt in den Räumen von Hejmo in Neukölln. Hejmo übernimmt die pädagogische Begleitung, die Ansprache der Mädchen, die organisatorische Koordination sowie die Schaffung eines sicheren und diskriminierungssensiblen Rahmens. Das Junge Tanzhaus Berlin bringt qualifizierte Tanzlehrende in die Räume von Hejmo, die die Teilnehmerinnen regelmäßig unterrichten und künstlerisch begleiten. Wie: Die Mädchen werden von Beginn an an allen Aspekten des Projekts beteiligt. Sie bringen ihre Wünsche, Interessen und Ideen in die Planung ein und wirken mit bei der Auswahl von Musik, Themen und tänzerischen Schwerpunkten. Der Tanzclub wird partizipativ und auf Augenhöhe gestaltet. Die Teilnehmerinnen können außerdem schrittweise Verantwortung übernehmen, etwa durch das Anleiten kleiner Workshopteile, das Mitgestalten einzelner Einheiten oder durch Beiträge zur Abschlusspräsentation. Dadurch wird sekundär auch Selbstwirksamkeit, Kommunikation, Konfliktfähigkeit, Toleranz und Verantwortungsbewusstsein gefördert.

Ziele:
In der gemeinsamen Arbeit lernen die Mädchen, miteinander zu kommunizieren, Unterschiede anzuerkennen, Konflikte konstruktiv zu lösen und sich gegenseitig zu unterstützen. Gerade für Mädchen mit Flucht- oder Migrationserfahrung ist dies besonders wichtig, da sie im Alltag häufig mit Ausgrenzung, Unsicherheit oder Isolation konfrontiert sind. Tanz bietet hier einen niederschwelligen Zugang, um Beziehungen aufzubauen, den eigenen Körper positiv zu erleben und Teil einer Gemeinschaft zu werden. Kurzfristig sollen die Mädchen Freude an Bewegung entwickeln, ihre Tanzfähigkeiten erweitern, soziale Kontakte stärken und sich im geschützten Raum sicher und ernst genommen fühlen. Mittelfristig soll ihre Selbstsicherheit wachsen und ihre aktive Teilhabe im Gruppenprozess gestärkt werden. Langfristig trägt das Projekt dazu bei, kulturelle Teilhabe für Mädchen in Neukölln zu verbessern und einen dauerhaften, vertrauensvollen Angebotsraum für sie aufzubauen. Die Kooperation zwischen Hejmo und dem Jungen Tanzhaus Berlin soll, wenn möglich, dabei über das Projekt hinaus fortgeführt und weiterentwickelt werden.

Jurybegründung:

In einem Safer Space wird geflüchteten Mädchen* und Mädchen* aus einkommensschwachen Familien ein niedrigschwelliger Zugang zu Kultur und Sport geschaffen. Die Projektidee kommt von den Mädchen* selbst und sie sind von Beginn an bei allen Aspekten des Vorhabens beteiligt. Durch die künstlerische Praxis von Tanz erlebt die Zielgruppe Empowerment, Teilhabe und soziale Stärkung.

Antragsteller:in: Stadtteilverein Schöneberg e. V.
Projektbezirk: Berlinweit
Projektzeitraum: 01.07.2026 – 30.06.2027
Förderbetrag: 20.000,00 €

Projektbeschreibung:

Wir sind eine selbstorganisierte Gruppe von ca. sieben Jugendlichen zwischen 16 und 21 Jahren aus Berlin und möchten mit unserem Projekt einen Raum schaffen, in dem Jugendliche echte Selbstwirksamkeit erfahren und ihre eigenen Ideen selbstbestimmt umsetzen können. Unser Ziel ist es, einen niedrigschwelligen, von Jugendlichen getragenen Ort zu schaffen, der kreative Entfaltung ermöglicht und Beteiligung aktiv fördert. Zusammen möchten wir einen Anhänger kaufen und ihn zu einem mobilen Jugendzentrum umbauen – dem RAJU (rollendes autonomes Jugendzentrum).

Der Anhänger ist modular gedacht: Er kann je nach den Bedarfen der Jugendlichen, die ihn nutzen, umgebaut werden, z. B. als Aufnahmestudio, Siebdruckstation oder Mini-Kino. So entsteht kein fixer Raum, sondern ein wandelbarer Ort, der flexibel auf unterschiedliche Interessen und Projekte reagieren kann. Während das RAJU einen festen Stellplatz (idealerweise in Schöneberg) haben wird, liegt seine besondere Stärke in seiner Mobilität: Es kann berlinweit eingesetzt werden und dorthin gehen, wo Jugendliche sind – auch in Stadtteilen, in denen es weniger Angebote gibt. Dadurch werden Zugänge geschaffen, die über klassische Jugendzentren hinausgehen. Die Mobilität ermöglicht es Jugendlichen außerdem, die Ressourcen des RAJUs mit vergleichsweise geringem Aufwand zu nutzen. So entsteht ein lebendiges, vielseitiges Projekt, das unterschiedliche Jugendliche erreicht, vernetzt und zur aktiven Mitgestaltung einlädt.

Als erstes Modul möchten wir ein Musik- und Aufnahmemodul einrichten, durch das im RAJU selbstständig Musikprojekte realisiert werden können. Die Einrichtung und Nutzung dieses Moduls dient gleichzeitig auch als konkrete Zielsetzung des Projekts: Wir planen, bis zum Ende der Projektlaufzeit das RAJU gekauft, versichert und ausgebaut zu haben sowie nachweislich drei Musikprojekte (Konzerte, Songproduktionen, Workshops) durchgeführt zu haben. Die komplette Umsetzung des Projekts erfolgt vollständig ehrenamtlich und wird von uns selbst organisiert und realisiert. Die beantragten Mittel fließen ausschließlich in notwendige Sachkosten.

Die Projektidee entstand aus eigenen Erfahrungen: Viele von uns haben in den letzten Jahren erlebt, dass es in bestehenden Jugendzentren oft strukturelle Hürden gibt, wenn Jugendliche eigene Projekte initiieren möchten. Unsere Vorhaben sind wiederholt auf Barrieren gestoßen, insbesondere durch starre Abläufe und Entscheidungsstrukturen. Deshalb möchten wir mit dem RAJU bewusst einen Gegenentwurf schaffen: einen Ort, an dem Jugendliche selbstbestimmt handeln, Verantwortung übernehmen und ihre Ideen realisieren können. Gleichzeitig wollen wir andere junge Menschen darin unterstützen, eigene Projekte umzusetzen und sich aktiv einzubringen. Besonders wichtig ist uns dabei, dass das Projekt ausschließlich von Jugendlichen selbst gestaltet wird. Unsere Interessen, Perspektiven und Initiativen sind das Herzstück des Projekts und sind die Grundlage aller Entscheidungen. Wir treffen die Entscheidungen über die Projektentwicklung gemeinschaftlich und kollektiv organisiert.

Zur Umsetzung arbeiten wir mit Initiativen und Jugendzentren zusammen, die unsere Vision teilen. Diese Kooperationen unterstützen uns insbesondere beim Ausbau des Anhängers sowie bei der Standortsuche und Vernetzung im Stadtraum. Gleichzeitig bleibt das RAJU eine eigenständige, offene Jugendinitiative. Gleichzeitig ist es uns wichtig zu betonen, dass wir als eigenständige, offene Jugendgruppe bestehen bleiben.

Jurybegründung: 

Im Peer-to-Peer Konzept wird das sehr zeitgemäße Projektvorhaben von einer selbstorganisierten Jugendinitiative umgesetzt. Selbstwirksamkeit ist im Vordergrund. Mit dem Projekt entsteht eine niedrigschwellige Anlaufstelle in den Lebensräumen der jungen Menschen, die schnell auf die sich verändernden Bedarfe junger Menschen eingehen kann.

Antragsteller:in: Verein für Kinder- und Jugendkultursozialarbeit
Projektbezirk: Mitte
Projektzeitraum: 01.07.2026 – 31.12.2026
Förderbetrag: 19.870,73 €

Projektbeschreibung:

Zirkus Internationale e. V. ist seit 1996 erfolgreich im Stadtteil Berlin-Wedding tätig. Mit dem eigenen Standort ist ein Treff- und Anlaufpunkt und Schutzraum für Kinder, Jugendliche, Familien geschaffen worden. „Kiezcourage“ ist ein partizipatives Präventionsprojekt, welches junge Menschen darin stärkt, demokratische Werte zu leben, Zivilcourage zu zeigen und Verantwortung in ihrem Stadtteil/Kiez zu übernehmen.

Die Projektidee wurde aus einer Initiative heraus des Kinder- und Jugendrates im Rahmen unserer offenen Arbeit entwickelt und setzt auf die aktive Beteiligung durch den begleitenden Jugendrat mit Sprecher:innen und für die Beteiligten der offenen Arbeit mit partizipativen, impressionistischen und haptischen Methoden. Ausgangspunkt war der von Jugendlichen geäußerte Bedarf, sich mit Diskriminierung, Unsicherheiten im Stadtteil, Obdachlosigkeit und konkreten Handlungsmöglichkeiten auseinanderzusetzen – Themen, die im Schulcurriculum häufig zu kurz kommen. Das Projekt reagiert auf diese Bedarfe: Zugang zu anderen Bildungseinrichtungen, Medien, Umgang mit den sozialen Medien, Reflexion zu Themen, wie Drogensucht, Gewalt und Obdachlosigkeit im Kiez. All das stärkt das Selbstkonzept jungen Akteur:innen und befähigt sie, ihren Sozialraum aktiv, solidarisch und demokratisch mitzugestalten.

In der Projektlaufzeit wird im September ein Wahllokal in den Trägerräumen installiert und für die anstehende U16 Wahl unter der Beteiligung der Zielgruppe durchgeführt. Ein Austausch dazu mit dem „Kinder und Jugendbüro Mitte“ besteht. Das Projektvorhaben dient dem Zweck, junge Menschen innerhalb des Stadtteils in ihrem Selbstkonzept zu stärken und ihnen Handlungs-, bzw. Beteiligungsmöglichkeiten aufzuzeigen, um den eigenen Kiez miteinander zu gestalten. In sieben Etappen setzen sich die Teilnehmenden altersgerecht mit Themen wie Diskriminierung, Mobbing, Ausgrenzung, Gewalt, (post-) kolonialen Strukturen im Stadtteil auseinander, lernen diese zu erkennen, benennen und handlungsfähig zu werden. Dies geschieht im Alltag und im öffentlichen Raum.

Zum Abschluss erhalten die Teilnehmenden eine Urkunde, die ihr außerschulisches Engagement anerkennt und zur Stärkung des Selbstkonzeptes beiträgt. Zielgruppe sind Jugendliche im Alter von 12–16 Jahren aus dem Stadtteil Wedding, die die offene Kinder- und Jugendarbeit des Trägers besuchen und unterschiedliche Schultypen besuchen, z. T. in Unterkünften für Geflüchtete wohnen. Das Projekt wird bis Ende des Jahres mehrfach wöchentlich stattfinden. Trägerräume, wie auch Räume von Kooperationspartner:innen im Kiez sind zur Umsetzung des Projekts vorgesehen.

Jurybegründung: 

Die Projektidee kommt zu Teilen aus dem Kinderrat und wird in Begleitung von Fachkräften umgesetzt. Diverse bildungspolitische Angebote, wie auch die bevorstehende U16-Wahl, schaffen eine Themenvielfalt bei der Förderung von demokratischen Werten.

Antragsteller:in: Peter-Weiss-Stiftung für Kunst und Politik e.V.
Projektbezirk: Charlottenburg-Wilmersdorf
Projektzeitraum: 01.09.2026 – 31.12.2026
Förderbetrag: 14.700,08 €

Projektbeschreibung:

“Jugend kuriert” hat das Ziel, Kulturelle Teilhabe als Kinderrecht, durch die frühe Partizipation junger Menschen in Auswahl- und Entscheidungsprozess im Kultursektor, umzusetzen. Durch die Beteiligung von 20 bis 35 Kindern und Jugendlichen an der Programmgestaltung des Jungen Programms des Internationalen Literaturfestivals Berlin (ILB) soll das Interesse für Literatur gefördert und die Kultur als Wirkungsraum vermittelt werden – besonders für Jugendliche aus bildungsbenachteiligten Strukturen. Die Teilnehmenden werden von Rezipient:innen zu aktiven Gestalter:innen kreativer Prozesse. Ihnen soll im Rahmen des Projekts nicht nur Raum für die Auseinandersetzung mit Neuerscheinungen auf dem Kinder- und Jugendbuchmarkt gegeben werden, sondern die Möglichkeit, proaktiv den Inhalt und die Umsetzung mitzugestalten.

Das Junge Programm des ILB erreicht jährlich etwa 7.500 Kinder und Jugendliche und präsentiert seit 2001 internationale Comics, Bilderbücher, Kinderbücher, Jugendromane, Romane sowie Lyrik. Erstmals könnten nun Kinder und Jugendliche selbst bestimmen, welche Autor:innen und Bücher auf dem Festival vorgestellt werden. Somit wird ein Drittel des Programms ausschließlich durch das Zielpublikum bestimmt und anschließend mit betreut.

Die Festivalbücher werden in Anwesenheit ihrer internationalen Autor:innen bzw. Illustrator:innen, die meist erstmalig in Deutschland auftreten, vorgestellt. 15 Autor:innen treten in rund 60 Veranstaltungen auf. Das Projekt besteht aus zwei konsekutiven Abschnitten: Der Kuration und der Umsetzung von Veranstaltungen des Festivals.

Abschnitt 1: Kuration
Im ersten Projektabschnitt erhalten die partizipierenden Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit, die kuratorische Praxis kennenzulernen und durch die inhaltliche Mitbestimmung des Jungen Programms des ILB anzuwenden. Die Kinder und Jugendlichen werden dazu motiviert, ihre eigenen Kriterien für ‚gute Literatur‘ festzulegen (z.B. Sprache, Figurengestaltung, Spannungsbogen), ihre eigenen Interessensschwerpunkte (z.B. Genre, Thematik) zu setzen und auf dieser Grundlage eine Auswahl von Büchern zu treffen. Dabei wird auch thematisiert, dass ein internationales Literaturfestival Gäste von allen Kontinenten einladen kann – gibt es Stimmen aus Ländern und Gesellschaften, die die Jugendlichen besonders gern hören möchten oder sehr wichtig finden? In Kooperation mit zwei Institutionen sollen zwei Arbeitsgruppen unterschiedlicher Altersklassen an der Kuration des Jungen Programms beteiligt werden. Durch die Auswahl zweier verschiedener Institutionen erhoffen wir uns, eine möglichst große Bandbreite an Kindern und Jugendlichen zu erreichen und darüber hinaus von der jeweiligen Expertise für spezifische Altersgruppen zu profitieren. Sie erarbeiten gemeinsam unter Anleitung von je zwei Literaturpädagog:innen eine Shortlist internationaler, ins Deutsche übersetzter Neuerscheinungen. Dabei werden sowohl eigene Vorschläge der Kinder und Jugendlichen als auch gemeinsame, mit den Literaturpädagog:innen erarbeitete Bücherlisten berücksichtigt.

Die zwei ausgewählten Autor:innen werden schließlich zum Festival von den Kindern und Jugendlichen eingeladen. Bei Absage werden weitere Autor:innen in der Reihenfolge der Shortlist eingeladen. Die Gruppen verfassen jeweils eine Begründung, die bei der Lesung im September im Haus der Berliner Festspiele vorgetragen wird.

Abschnitt 2:
Im zweiten Abschnitt, der Umsetzungsphase, erfahren die partizipierenden Kinder und Jugendlichen, welche veranstaltungsorganisatorischen Schritte notwendig sind, um den Besuch des:der Autor:in vorzubereiten und ihre zuvor entwickelten Ideen umzusetzen. Hierfür erhalten sie Input von Mitarbeitenden des Jungen Programms des ILB. Einzelne Teilaufgaben können sie selbst übernehmen, wie etwa die Auswahl von Moderation, Sprecher:in und Dolmetscher:in oder die Planung des Bühnenaufbaus. Auch hier werden die Kinder und Jugendlichen, ohne ihnen Vorgaben zu machen, von den Mitarbeitenden und Literaturpädagog:innen begleitet. Konkret kann das z.B. bedeuten, nicht nur eine Liste mit renommierten Moderator:innen vorzulegen, sondern mit den Kindern und Jugendlichen gemeinsam Kriterien zu erarbeiten und sie im Anschluss in die eigene Recherche nach passenden Moderator:innen zu schicken. In einem weiteren Input bekommen die Jugendlichen von einer Medienpädagog:in Informationen zur Bewerbung und medialen Aufbereitung der Veranstaltung, bei den Älteren insbesondere über Social Media, bei den Jüngeren eher kreative Methoden wie das Erstellen von Plakaten. Hier gilt wie zuvor: Den Teilnehmenden werden Möglichkeiten aufgezeigt, sie werden aber auch motiviert, eigene gestalterische Ideen zu entwickeln.

Jurybegründung:

Das Projekt schafft Literaturförderung in Verbindung mit Kinder- und Beteiligungsrechten und ist selbstwirksamkeitsstärkend. Innovativ ist die Entwicklung der Kriterien von jungen Menschen selber, womit Kinder- und Jugendbücher zeitgemäß von der Zielgruppe bewertet werden.

Antragsteller:in: Fhoch2 Kulturkollektiv e.V.
Projektbezirk: Lichtenberg
Projektzeitraum: 01.07.2026 – 31.12.2026
Förderbetrag: 16.854,00 €

Projektbeschreibung:

„Blutrote Mauern“ ist ein Theaterprojekt von und mit Jugendlichen zwischen 15 und 21 Jahren. Geschrieben von zwei damals 17-jährigen Abiturienten, gewann die erste Fassung auf dem Theaterfestival Marzahn-Hellersdorf 2024 mehrere Preise (Beste Ensembleleistung; Beste Ausstattung; Bester Schauspieler). Aufbauend darauf soll eine Neuinszenierung mit weiterentwickelter Dramaturgie, Bühnen-, Kostüm- und Ausstattungsarbeit entstehen, welche in der ehemaligen Stasi-Zentrale in Berlin aufgeführt werden soll.

Inhaltlich erzählt „Blutrote Mauern“ die Geschichte eines Oberstleutnants der Staatssicherheit im Jahr 1961, der unerwartet mit der Planung des Mauerbaus betraut wird. Aus seiner bisherigen Tätigkeit zur Aufklärung von NS-Verbrechen herausgerissen, gerät er zunehmend in einen inneren Konflikt zwischen ideologischer Überzeugung, persönlicher Moral und staatlicher Pflicht. Sein Weg kreuzt sich mit verschiedenen Figuren, die unterschiedliche gesellschaftliche Perspektiven verkörpern: seiner Tochter, die für demokratische Werte und Veränderung steht, einer Lehrerin, die alternative Denkweisen vermittelt, sowie jungen Stasi-Angehörigen, die zwischen Anpassung und eigenem Zweifel schwanken. Durch diese Konstellationen entfaltet sich ein vielschichtiges Bild von Anpassung, Widerstand und individueller Verantwortung innerhalb eines autoritären Systems.

Das Stück verbindet historische Ereignisse rund um den Mauerbau mit persönlichen Schicksalen und moralischen Grenzsituationen. Dabei wird die ernste Thematik bewusst durch humorvolle und verfremdende Elemente gebrochen, um Distanz zu schaffen und gleichzeitig kritische Reflexion zu ermöglichen. Ziel ist es, zentrale Fragen nach Macht, Wahrheit, Verantwortung und Zivilcourage erfahrbar zu machen, historisch zu verarbeiten und Bezüge zu heutigen gesellschaftlichen Strukturen herzustellen.

Die inhaltliche und künstlerische Entwicklung erfolgt partizipativ: Jugendliche entwickeln Inhalte, Szenen und Inszenierung eigenständig und übernehmen Verantwortung in Bereichen wie Organisation, Bühnenbild, Kostüm und Technik. Die Aufführungen sollen ca. Ende September im Theatersaal der ehemaligen Stasi-Zentrale in Berlin stattfinden. Geplant sind zwei Abendaufführungen sowie zwei zusätzliche Schulvorstellungen am Tag, jeweils kombiniert mit einer thematischen Führung durch den historischen Ort. Ergänzend wird das Stück live gestreamt, um eine überregionale Zugänglichkeit zu ermöglichen.

Im Anschluss an die Aufführungen finden moderierte Nachgespräche zur inhaltlichen Einordnung statt. Zusätzlich werden pädagogische Begleitmaterialien (Arbeitsblätter) kostenlos zur Verfügung gestellt, die eine nachhaltige Weiterarbeit im schulischen Kontext ermöglichen. Das Projekt verbindet künstlerische Praxis mit politisch-historischer Bildung und schafft einen Raum, in dem Jugendliche gesellschaftliche Themen reflektieren, öffentlich verhandeln und aktiv mitgestalten.

Jurybegründung: 

Bei diesem Projekt wird ein bedeutendes politisch-historisches Thema in Form eines von jungen Menschen selbst umgesetzten Theaterstücks vermittelt. Junge Menschen arbeiten in hoher Eigenverantwortung und schaffen Bezüge und Ableitungen zu aktuellen politischen Themen. Die Teilnehmenden wirken als Multiplikator:innen. Die Entwicklung von Arbeitsmaterialien für pädagogische Einrichtungen kann ein nachhaltiges Format zur Bearbeitung des Themas mit jungen Menschen sein.

Antragsteller:in: Kreativkraftwerk e.V.
Projektbezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Projektzeitraum: 01.07.2026 – 31.12.2026
Förderbetrag: 17.080,00 €

Projektbeschreibung:

Durch das Projekt „Gestalten“ im Mellowpark in Berlin-Köpenick aus dem Jahr 2023, in dessen Rahmen wir die Bezirksjury genutzt haben, haben wir von der Förderung „Stark gemacht! – Jugend nimmt Einfluss“ erfahren und möchten nun mit dem Förderbudget ein größeres Beteiligungsprojekt zum Thema Queerness umsetzen. Wir sind ein interdisziplinäres FLINTA*-Kollektiv aus jungen Erwachsenen, das sich durch partizipative Ausstellungsprojekte sowie einen breiten Wissensfundus auszeichnet. Das Kollektiv wurde Anfang 2023 als „Raum für Kunst“ gegründet. Die ursprüngliche Intention war es, Kunst als etwas Inklusives und Partizipatives zu verstehen.

Für das geplante Projekt „Voices – Queere Kunst im Dialog“ ist ein Ausstellungsprojekt mit Beteiligungsformat für queere Jugendliche und junge Erwachsene vorgesehen. Unser Kollektiv versteht Demokratie als einen Raum, der Minderheiten schützt. Queerness und eine freie Auslebung von Identität und Sexualität sind Grundpfeiler unserer Demokratie, und der Schutz dieser Prinzipien beginnt bei Lern- und Beteiligungsformaten für und mit queeren Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Ziel ist es, einen Raum zu schaffen, in dem sich queere Jugendliche und junge Erwachsene wohlfühlen, Gehör finden und ihren queeren künstlerischen Positionen Ausdruck verleihen können. Gleichzeitig soll ein Zugang zu queeren Lebensrealitäten geschaffen werden. Das Ergebnis ist eine Ausstellung, in der Positionen von queeren Jugendlichen und jungen Erwachsenen neben Arbeiten von etablierten queeren Künstler:innen gezeigt werden. Während der Ausstellung finden zudem Performances und informative Talks zum Thema Queerness statt. Die kunstschaffenden queeren Jugendlichen und jungen Erwachsenen werden durch Open Calls, Schulen und Social Media auf das Projekt aufmerksam gemacht. Bei entsprechender Förderung ist eine Kooperation mit dem Beteiligungsbüro Neukölln geplant.

Die Ausstellung wird im Rahmen eines Beteiligungsprozesses durch Workshops gemeinsam kuratiert. Die jüngere Generation entwickelt die Ausstellung zusammen mit etablierten queeren Künstler:innen. Moderiert wird dieser partizipative Prozess von KreativKraftwerk e.V. mit pädagogischer Unterstützung. Die Vorbereitungsphase ist für September bis Oktober geplant, die Ausstellung für November. In der Vorbereitungsphase werden die künstlerischen Positionen der queeren Jugendlichen entwickelt und gefestigt. Etablierte queere Künstler:innen übernehmen im Rahmen eines Patenprinzips die Begleitung einzelner Teilnehmender und unterstützen diese in regelmäßigen Feedbackgesprächen. Regelmäßige Treffen fördern Austausch, Inspiration und ein Zugehörigkeitsgefühl zur queeren Community. Es soll Vertrauen und ein Safe Space für die queeren Jugendlichen innerhalb der Ausstellungsgruppe entstehen. Jugendliche haben zudem die Möglichkeit, ohne bestehende Position oder Idee zu starten, und können in der Vorbereitungsphase Performances mit einer Patin entwickeln, die bei der Finissage der Ausstellung präsentiert werden. Die Vernissage wird durch professionelle queere Performances ergänzt.

Die Ausstellungsdauer soll drei Wochen betragen. Begleitend finden Workshops statt, deren Ergebnisse als Performances Teil der Ausstellung werden. Fest geplant sind ein Gesangsworkshop durch den D-Dur Dykes Chor, ein Drag-Make-up-Workshop sowie ein Fashion-Nähkurs. Zusätzlich sind Informationstalks zum Thema Queerness geplant, die Austausch ermöglichen und eine Sensibilität für queere Lebensrealitäten fördern. Die genaue Ausgestaltung der Ausstellung, Workshops und Performances ergibt sich im Beteiligungsprozess. Als Ausstellungsort ist eine Kirche vorgesehen, die bewusst als Raum der Aneignung, Sichtbarkeit und Selbstermächtigung für queere Perspektiven neu geöffnet wird. Durch das Projekt erhalten queere Jugendliche und junge Erwachsene einen Lichtblick in der Kunstwelt. Denn nur wenn queere Stimmen sichtbar werden und sich für Minderheiten eingesetzt wird, werden demokratische Werte nachhaltig gestärkt.

Jurybegründung: 

In Anbetracht der LSBTIQ*-Feindlichkeit sind Räume, in denen sich queere Jugendliche wohl und sicher fühlen notwendig. In dem Vorhaben wird ein Safer Space für queere Jugendliche geschaffen und somit niedrigschwellige und individuelle Beteiligungserfahrungen, ermöglicht.