Antragsteller:in: Vuesch gGmbH
Projektbezirk: Spandau
Projektzeitraum: 01.07.2026 – 30.06.2027
Förderbetrag: 19.998,60 €
Projektbeschreibung:
Das Projekt „Ausstellung | 40 Jahre jtw (AT)“ ist eine partizipative und performative Ausstellung zum 40- jährigen Jubiläum der JugendTheaterWerkstatt Spandau e.V. (jtw). Jugendliche entwickeln und realisieren sie eigenständig. Die Eröffnung findet im Juni 2027 im Rahmen den jtw-Jubiläumswochen, einer Art Kunstfestival, statt. Bis zu 15 Teilnehmende im Alter von 16 bis 21 Jahren gestalten den Prozess von der inhaltlichen Recherche über die künstlerische Konzeption bis hin zur öffentlichen Präsentation eigenständig. Dabei übernehmen sie aktiv Rollen als Forschende, Autor:innen, Kurator:innen und Performer:innen und entscheiden gemeinschaftlich über Themen, Formate und Ausdrucksweisen.
Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit der Geschichte der jtw seit ihrer Gründung 1987 sowie ihrer Bedeutung für Jugendliche damals und heute. Ausgangspunkt bilden Interviews mit ehemaligen Jugendlichen aus verschiedenen Jahrzehnten, die von den jugendlichen Teilnehmenden zu ihrer damaligen Lebensrealität befragt werden.
- Welche Themen, Hoffnungen und Ängste prägten sie?
- Welche Rolle spielte die jtw für ihre persönliche Entwicklung, ihre politischen Haltungen, ihre Berufswege und sozialen Beziehungen?
Die Perspektiven werden mit aktuellem Blick der Teilnehmenden, historischem Material und künstlerischen Mitteln verknüpft und reflektiert. Die jtw ist ein besonderer Ort der Jugendkultur, künstlerischen Praxis und politischen Bildung. Vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Veränderungen, etwa durch digitale Transformation, soziale Unsicherheiten und politische Spannungen, setzt sich das Projekt mit der Frage auseinander, wie solche Orte entstanden sind, wie sie sich verändert haben und welche Rolle sie heute und zukünftig für Jugendliche und die Stadtgesellschaft einnehmen können. Eingebettet in das Falkenhagener Feld, einen strukturschwachen Ortsteil am Rand Berlins, der von sozialem Wandel, Migration und einem begrenzten Zugang zu kulturellen und künstlerischen Angeboten geprägt ist, bietet die jtw Jugendlichen einen wichtigen Zugang zu kreativer und gesellschaftlicher Teilhabe.
Das Projekt ermöglicht Jugendlichen, ihre eigene Geschichte und Gegenwart aktiv zu erforschen und sichtbar zu machen, und schafft zugleich einen Dialog zwischen Generationen. Ziel des Projekts ist es, Geschichte aus jugendlicher Perspektive neu zu erzählen und Räume für aktive Mitgestaltung zu schaffen. Der Projektzeitraum erstreckt sich von Juli 2026 bis Juni 2027 und gliedert sich in vier aufeinander aufbauende Phasen. In der Recherchephase erarbeiten die Jugendlichen in angeleiteten und selbstorganisierten Formaten thematische Grundlagen durch Archivarbeit, Literaturrecherche und Ausstellungsbesuche. In der anschließenden Entwicklungsphase führen sie Interviews, werten Materialien aus und entwickeln daraus dramaturgische Konzepte für die Ausstellung.
Die Umsetzungsphase ist geprägt von praktischer künstlerischer Arbeit: Es entstehen Installationen, mediale Inhalte, interaktive Formate und performative Elemente, die prototypisch erprobt und weiterentwickelt werden. Den Abschluss bildet die Präsentationsphase mit einer öffentlichen Ausstellung im Juni 2027 im Rahmen der Jubiläumsaktivitäten der jtw, die von den Jugendlichen eigenständig vermittelt und bespielt wird. Begleitet werden die Jugendlichen von einem interdisziplinären künstlerisch-pädagogischen Team aus den Bereichen Sozial- und Kulturanthropologie, Regie, Philosophie und Medienpädagogik. Ergänzt wird die Arbeit durch Gastdozierende, die gezielte fachliche Impulse etwa in Dramaturgie, Ausstellungsgestaltung, Pädagogik und Stadtsoziologie geben.
Die Arbeitsweise kombiniert angeleitete Gruppenprozesse mit selbstorganisierten Arbeiten in Kleingruppen und gemeinsamen Reflexionsphasen. Kooperationen mit lokalen Partnern wie der Jugendgeschichtswerkstatt Spandau e.V. und Schulen stärken die Verankerung im Sozialraum. Das Ausstellungsformat ist bewusst offen angelegt und wird von den Jugendlichen im Prozess entwickelt. Denkbar sind modulare, performative und digitale Formate, auch im öffentlichen Raum, die verschiedene Medien wie Audio, Video, Projektionen oder interaktive Stationen miteinander verbinden. Dadurch wird ein vielschichtiger Zugang zur Geschichte und Gegenwart der jtw ermöglicht.
Das Projekt vermittelt praxisnah Kompetenzen in Recherche, Medienarbeit und künstlerischer Produktion. Die Jugendlichen lernen, mit Archivmaterial zu arbeiten, Interviews zu führen, Inhalte kritisch einzuordnen, medial aufzubereiten und gestalterisch umzusetzen. Gleichzeitig reflektieren sie Fragen von Perspektive, Repräsentation und Verantwortung: Welche Geschichten sollen erzählt werden – und wie? Die Teilnahme ist kostenfrei und weitgehend barrierefrei zugänglich, Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Neben der Ausstellung entstehen digitale Inhalte sowie nachhaltige Impulse für die Weiterentwicklung der jtw als Ort aktiver Jugendbeteiligung.
Jurybegründung:
In dem stark partizipativ angelegten Projekt gestalten junge Menschen eigenständig eine performative Ausstellung und übernehmen dabei selbstorganisiert alle Aufgabenbereiche mit Unterstützung von Fachkräften. Die historische, politische und künstlerische Reflexion der jtw als Akteurin innerhalb verschiedener Jugendkulturen zu unterschiedlichen Zeiten und unter verschiedenen gesellschaftspolitischen Einflüssen in Berlin erfolgt aus der Perspektive junger Menschen.