Sonderschwerpunkte 2022: Förderentscheidungen gefallen

Die Steuerungsgruppe hat am 22. November 2021 Entscheidungen zu den beiden Sonderschwerpunkten des Jugend-Demokratiefonds Berlin im nächsten Jahr getroffen. Sieben Projekte können sich über eine Förderung freuen.

Zwei Jungs lächeln in die Kamera und halten ihren Daumen nach oben. Hinter Ihnen stehen drei weitere Jugendliche.
Foto: Norma Mortenson / Pexels

Es wurden acht Anträge mit einem Gesamt-Volumen von 70.902,40 Euro eingereicht. 60.000 Euro standen zur Verfügung, sodass sieben Anträge bewilligt werden konnten.

Wir beglückwünschen die geförderten Projektanbieter:innen und sind auf die Ergebnisse der Projekte gespannt.

Förderschwerpunkt „Demokratische Bildung und Reflexion“

Antragsteller:in: FEZ Berlin
Titel: Beteiligt EUCH!
Projektzeitraum: 01.02.22-31.12.22
Förderhöhe: 8.486,40 Euro

Jugendbeteiligung und -engagement sind wesentliche Themen u.a. des Gesetzes zur Aufführung des Kinder-und Jugendhilfegesetzes und zur Förderung der Beteiligung und der Demokratiebildung junger Menschen.

Im Rahmen dieses Projektes wollen wir als Jugendorganisation ein gemeinsames Vorgehen entwickeln und umsetzen. Wir Jugendliche sind die Multiplikator:innen für die Auseinandersetzung mit den Themen und gestalten unser Projekt selbst. Schüler:innen sollen lernen, wie aus einer Vielfalt von Ideen ein gemeinsames Projekt entstehen kann. Die 12- bis 18jährigen Schüler:innen (Klassenstufe 7 – 13.) nehmen dabei eine partizipative Rolle als Akteur:innen ein. Sie entwickeln Ideen für Veränderungen, präsentieren sie, beraten und bewerten die unterschiedlichen Vorschläge mit Expert:innen, lernen, andere Argumente zu akzeptieren und eine Entscheidung als Team zu treffen. In einem zweiten Schritt wird der gemeinsam gewählte Vorschlag in der Praxis umgesetzt und ein attraktiver Aufenthaltsort mit Erlebnisqualität für Jugendliche gestaltet. Im Gesamtprozess lernen die Jugendlichen das 1×1 der Projektarbeit von der Ideenentwicklung über die Gewinnung von Partner:innen bis zur praktischen Umsetzung kennen. Sie erleben, dass ihre Meinung zählt und dass sie etwas bewirken können. Dieses wirkungsvolle Demokratieerlebnis stärkt die Selbstwirksamkeit und fördert die Bereitschaft zu mehr gesellschaftlichem Engagement.

Des Weiteren möchten wir uns überlegen, wie unser Engagement strukturell und nachhaltig gestärkt werden könnte. Wir möchten unsere Beteiligung stärker in die inhaltlich eigenverantwortliche Umsetzung von im FEZ-Berlin stattfindenden Events zu integrieren. Daher werden wir mit der Unterstützung von erfahrenen Fachleuten als Multiplikator:innen von Projekten mit Bildungsansatz für Kinder, Jugendliche und Familien inspiriert. Ebenfalls möchten wir uns in der Vorbereitungsphase mit verschiedenen Expert:innen über demokratische Prozesse austauschen.

Als Ergebnis der intensiven Vorbereitungsphase soll ein innovatives Format entstanden sein, um das demokratische Engagement für andere Jugendliche, junge Erwachsende und Erwachsende sichtbar zu machen.  Wir zielen auf die Stärkung der Selbstkompetenz der Teilnehmenden sowie ihrer sozialen und interkulturellen Kompetenzen. Wir möchten damit auch andere Jugendliche in ihrer Reflexions- und Urteilskompetenz fördern. Wir ermutigen sie dazu, sich an demokratischen Prozessen zu beteiligen und wollen zusammen eigene Ideen für die verantwortliche Gestaltung der Zukunft entwickeln und diese vertreten.

Antragsteller:in: Kulturgut Kiez e.V.
Titel: Ein Dorf rettet
Projektzeitraum: 01.04.-31.12.2022
Förderhöhe: 9.607,00 Euro

Der Verein „Kulturgut Kiez“ möchte mit der Mitmach-Performance „Ein Dorf rettet“ Kindern zwischen sechs und zwölf Jahren aus mehreren Grundschulen Berlins die Möglichkeit anbieten, sich mit den Themen Antisemitismus und Solidarität mit Verfolgten künstlerisch und interaktiv auseinanderzusetzen. Ein Mädchen ist die Protagonistin und Heldin eines von einer wahren Geschichte inspirierten Märchens, das von Mut, Angst, Ungerechtigkeit und Solidarität erzählt. Eine große Geschichte für kleine Zuschauer, die zeigt, wie in einer gefährlichen Situation jeder und jede Einzelne eine wichtige Rolle spielen kann. Das Mädchen hilft zusammen mit seinen Eltern einigen jüdischen Familien dabei, sich in einem Keller zu verstecken. In der Inszenierung dieser Geschichte bekommen einige Kinder die Möglichkeit, diese Familien zu spielen. Und andere Kinder werden die andere Leute aus dem Dorf sein.

Und wie werden diese anderen Dorfbewohner:innen in dieser dramatischen Situation agieren? Wie sie sich in Bezug auf die versteckten Familien verhalten, das werden die Kinder selbst auf der Bühne als aktiv Teilnehmende entscheiden. Auf der Bühne liegen Requisiten und Kostüme, von denen die Freiwilligen aus dem Publikum sich etwas aussuchen dürfen, um die Dorfleute zu spielen. Eine Schauspielerin spielt das Mädchen, die andere Schauspielerin spielt mit den Kindern alle anderen Figuren. Das Spiel wird von den Künstlerinnen geleitet, um den Kindern einen Rahmen zu geben, in dem sie frei sich bewegen und äußern können.

Antragsteller:in: Kulturnetzwerk Neukölln e.V.
Titel: Selbstorganisation als Beteiligung
Projektzeitraum: 01.02.22-31.10.22
Förderhöhe: 9.999,00 Euro

  • Wer: Jugendliche und junge Erwachsene in der Altersspanne von 14 bis 25 Jahren
  • Was: Kulturelle sowie politische Vermittlung (Insbesondere Methoden der Selbstorganisation)
  • Warum: Empowerment und Vermittlung von Selbstständigkeit ihre Zukunftsvisionen zu verwirklichen und in der Konzeption und Produktion eigener Programme
  • Wann: Februar 2022 bis Oktober 2022
  • Wo: Südneukölln/ Buckow, Großsiedlungen: Ringslebenquartier und Hans-Martin Helbig Siedlung
  • Wie: Die Projektphasen sind gesetzt und werden von den Jugendlichen ausgefüllt (inhaltlich und praktisch). Eine Jugendsozialarbeiterin der Kulturnetzwerk Neukölln e.V. unterstützt in der Koordination und Kommunikation.
  • Welche Ziele/Ergebnisse werden angestrebt: Eine formal festes Jugendkollektiv in Buckow entsteht und schafft ein selbstorganisiertes Veranstaltungsprogramm: Beteiligung im Entstehungsprozess, Recherche sowie in der Umsetzung für ein Veranstaltungsprogramm

Für viele junge Menschen in Buckow wirken ‚Demokratie,‘ ‘Beteiligung’ und ‘Partizipation’ wie leere Konzepte bzw. Versprechen. Die Alltagsrealität- und erfahrungen von jüngeren (insbesondere migrantisierten) Anwohner:innen steht im Widerspruch mit den gesellschaftlichen Werten die Ihnen nicht ausreichend vermittelt werden. Sie erleben Mikroaggressionen und Ablehnung von vielen Seiten und auf unterschiedlichen Ebenen (Mehrfachdiskriminierung). Es fällt ihnen schwer zu akzeptieren, dass sie in einer Demokratie leben, wenn gefühlt alles über ihre Köpfe hinweg entschieden wird, als beispiel was Frauen auf dem Kopf tragen dürfen (neutralitätsgesetz) und damit auch die Zukunftswege und Berufsmöglichkeiten von vielen festlegt.

Einige der jungen Menschen leben in der zweiten Generation in Deutschland und arbeiten hart als Teil der Gesellschaft, aber können z.B. nicht wählen, weil sie noch keine deutsche Staatsbürgerschaft besitzen. Diese Machtlosigkeit bleibt aber nicht lange in dem Zustand, denn die jungen Leute wollen sich selbstverständlich nicht als Opfer der Mehrheitsgesellschaft wahrnehmen. Sondern sie versuchen den Frust, die Aggression und die Alltagsdiskriminierung von ihren politisierten Identitäten umzuwandeln, und konzentrieren sich auf was sie Einfluss haben können: ihr eigenes Überleben und Weiterleben, und das ihrer Familien.

Daher gibt es oft die Tendenz zur Abkehr von politischer Aktivität und zur Resignation (Frustaufbau und Kriminalisierungsgefahr). Aber gleichzeitig sind einige Jugendlichen in Buckow sehr politisch, und besitzen einen stark ausgeprägten Wunsch auf Selbstorganisation und -bestimmung (Chancenfreiheit). Mit diesem Projekt möchten wir den Expertisen/ Erfahrungen und Potentialen junger Menschen in Buckow Raum geben und (“Cultural Community Wealth”) aufbauen. Die informellen Gruppen motivierter junger Menschen sollen unterstützt und in formelle selbstorganisierte Strukturen überführt werden. Dies soll primär durch die Vermittlung diverser Methoden, Werkzeuge und ihre praktische Anwendbarkeit gewährleistet werden. Zudem sollen in gemeinsamen Recherchen best practise Projekte gesucht, diskutiert und ggf. eingeladen werden.

Das Aktionsfeld ist das eigene Umfeld der Jugendlichen/ ihr eigenes Kiez. Ihre Zielgruppen primär andere Jugendliche in Buckow/ Südneukölln und darüber hinaus zudem auch die gesamte Nachbarschaften. Die Sozialpädagogen/Projektleitung wird verschiedene Räume über Kooperationspartner für die Weiterbildungen sowie Workshops und Veranstaltung organisieren.

Ziele des Projekts sind:

  1. dass die Jugendlichen weitergebildet werden in Bereichen Selbstorganisation, Selbstverwaltung und Projektmanagement
  2. dass sie begleitet werden im Prozess ihr eigenes Kollektiv oder möglicherweise Verein zu bilden
  3. dass im Anschluss an diverse Sensibilisierungs-Trainings und eine Workshopreihe eigenes Veranstaltungsprogramm realisiert wird.

Dadurch erleben sie nicht nur Ermächtigung, indem ihre Vision für ein anderes Miteinander und Zukunft ihrer Nachbarschaft ernst genommen wird, sondern auch tatsächliche Beteiligung und die Anerkennung für das, was sie schon intuitive für ihre Communities machen. Durch gemeinsame Reflexion reflektieren sie welche Handlungsmacht sie besitzen wenn sie sich formeller organisieren und Zeit nehmen ‘anstrengende’ und komplizierte Prozessen wie ein Kollektiv zu gründen oder eine Veranstaltungsgenehmigung zu beantragen.

Förderschwerpunkt „Peer-Ansätze gegen Verschwörungsideologien“

Antragsteller:in: JugendKulturZentrum Pumpe
Titel: Bau dir deine Wahrheit
Projektzeitraum: 01.04.2022 – 21.10.2022
Förderhöhe: 9.760,00 Euro

Gemeinsam mit zwei unterschiedlichen Schulen (Helene Lange Schule Integrierte Sekundarschule mit sonderpädagogischen Förderbedarf, Ruth Cohn Schule- Oberstufenzentrum für Sozialwesen) erarbeiten wir mit je einer Klasse eine Impro Theater Show zum Thema Verschwörungstheorien. Zum Anfang der Woche bekommen die Schüler:innen einen theoretischen Input und setzen sich mit folgenden Fragen auseinander:

  • Was sind Verschwörungserzählungen?
  • Woran kann ich sie erkennen?
  • Warum glauben so viele Menschen daran?
  • Sind sie gefährlich für unsere Demokratie?
  • Und wie kann ich persönlich darauf reagieren?

Von der Theorie geht es dann in die Praxis. Die Schüler:innen bauen mithilfe von Improvisationstechniken -Theater und Musik- spielerisch ihre eigenen Verschwörungstheorien. Innerhalb der Entwicklung von Szenen erforschen sie Strukturmerkmale von Verschwörungserzählungen. Bis zum Ende der Woche wird eine Impro Show entwickelt, vorgestellt und mit dem Publikum gespielt. Das Publikum sind Mitschüler:innen, Freunde und Familie, sie alle wirken durch Reaktionen und Einwürfe mit. Die Einbeziehung und Mitwirkung des Publikums führt auch zu einer Auseinandersetzeng der Zuschauenden mit dem Thema. Ein Erkenntnisprozess und die Reflexion der eigenen Haltung kann angestoßen werden.

Antragsteller:in: BC Lions Moabit 21 e.V.
Titel: Raumverteidigung gegen Verschwörungen
Projektzeitraum: 01.01.22-31.12.22
Förderhöhe: 6.800,00 Euro

  • Wer: Wir, die BC Lions Moabit 21 e.V. wollen, gemeinsam mit unseren und den Kindern und Jugendlichen der Jugendeinrichtungen in Berlin-Moabit ein Format anbieten, in dem Kinder und Jugendliche mit dem Thema ‘Verschwörungstheorien’ konfrontiert werden und ihnen beigebracht wird, wie man mit diesem doch sehr komplexen Themefeld umgeht.
  • Wie: Offene Frage- und Diskussionsrunden, Workshops und Präsentationsformen für andere Einrichtungen erstellen. Letzteres wird von den Kinder und Jugendlichen entschieden, vorbereitet und umgesetzt.
  • Ziele: Kinder und Jugendliche, die aktiv am Format teilnehmen, für das Thema ‘Verschwörungstheorien’ sensibilisieren und mit den notwendigen Werkzeugen ausstatten diese zu erkennen und zusätzlich darin stärken auch andere Kinder und Jugendliche (aus dem näheren Umfeld) als Vorbild zu dienen.

Antragsteller:in: Servicestelle Jugendbeteiligung
Titel: Das Verschwörungs-Quiz (AT)
Projektzeitraum: 01.03.22-31.10.22
Förderhöhe: 9.097,60 Euro

Die Servicestelle Jugendbeteiligung (SJB) setzt sich seit mehreren Jahren mit dem Thema Verschwörungstheorien auseinander. Mit dem Projekt junge Gegenargumente und dem GegenSlam beispielsweise in den Jahren 2017 und 2018. Oder mit dem Projekt Crowd Countern in 2021.

Aus unserer Arbeit wissen wir, dass es bereits einige Jugendliche gibt, die sich mit den Themen vertieft auseinandersetzen und sich der gesellschaftlichen Probleme bewusst sind. Doch für viele Jugendliche ist das Thema abstrakt und schwer zugänglich. Viele Angebote arbeiten mit einem erhobenen Zeigefinger und einer grundsätzlichen Skepsis gegenüber SocialMedia. Wir haben in den vergangenen Monaten immer wieder innerhalb der Organisation aber auch mit Jugendlichen, die beispielsweise Workshops im Rahmen von CrowdCoutern besucht haben, darüber diskutiert, wie wir dies ändern können. Eine Idee wollen wir mit Hilfe der Förderung umsetzen.

Mit Hilfe eines Gamefication-Ansatzes soll die Beschäftigung mit der Thematik Spaß machen und einladend gestaltet sein. Im Rahmen eines Wochenendes entwickeln zehn junge Menschen ein Quiz (oder vergleichbares), welches anschließend in einem Pocket- und einem Groß-Format gestaltet und produziert wird. Das gestaltete Formate soll im Rahmen von Aktionen (mindestens drei) genutzt werden. Diese werden von Jugendlichen und jungen Erwachsenen selbst durchgeführt. Das Groß-Format um aktiv im Rahmen der Veranstaltungen genutzt zu werden und die Pocket-Version um es Personen mitgeben zu können. Durch letzteres wird eine vertiefende Auseinandersetzung auch im Nachgang ermöglicht. QR-Codes bieten Zugang zu weiterführenden Infos. Die Durchführungsorte werden Orte sein, an denen sich Jugendliche und junge Erwachsenen gerne aufhalten (bspw. Festivals).

Auf Bierfilz soll es interessante HardFacts in einem Format geben, welches im Gegensatz zu Flyern einen praktischen Zweck erfüllt und damit eine nochmalige Verwendung wahrscheinlicher macht.  Mit Hilfe eines:einer Expert:in in dem Themenfeld wird die inhaltliche Richtigkeit sichergestellt.
Die Idee beruht auf der Annahme, dass das Thema für Jugendliche und junge Erwachsene andere Zugänge benötigt.

Die SJB steht für wirksame Beteiligung junger Menschen, für vielfältiges Engagement und für eine lebhafte und zukunftsfähige Demokratie. Dabei versteht sie Jugendliche und junge Erwachsene nicht ausschließlich als Zielgruppe, sondern sie sind aktiv gestaltende Personen der Organisation und in den einzelnen Projekten.

Antragsteller:in: Understanding Europe Germany e.V.
Titel: Von der Falschnachricht zum Chaos
Projektzeitraum: 01.01.22-31.12.22
Förderhöhe: 6.250,00 Euro

Die Shell Jugendstudie zeigt eine steigende Empfänglichkeit für populistische Aussagen bei Jugendlichen: Fast jede:r Vierte stimmt ihnen zu. Eine ähnliche Entwicklung gilt für Politikverdrossenheit. Auffällig ist hierbei der Zusammenhang zur Bildungsposition: Je niedriger die soziale Herkunft und Bildung, desto größer die Verdrossenheit. Nonformale Bildungsarbeit, welche mit innovativen Methoden nahe an den Bedürfnissen der Teilnehmenden arbeitet, ist somit dringend notwendig. Gerade die Sensibilisierung für die Begegnung mit Falschnachrichten und Verschwörungserzählungen sollte hierbei im Fokus stehen, um die Lebensrealität von Jugendlichen zu berühren.

Der gemeinnützige Verein Understanding Europe Germany e.V. besteht aus einem Team von ca. 15 proaktiven Bildungsmacher:innen, die sich ehrenamtlich für Medienkompetenzförderung von jungen Erwachsenen einsetzen und hierfür Schulen kostenfreie Workshops anbieten. Im Zentrum des Projektes steht das „Bad-News-Game“, in welchem die Schüler:innen in die Rolle von Fake-News-Verbreiter:innen schlüpfen. Sie werden angehalten, ihre moralischen Einwände fallen zu lassen und Desinformationen in einer fiktionalen Welt zu produzieren. Ziel des Spiels ist es, möglichst viele Follower zu gewinnen, ohne dabei an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Nebst dem spielerischen Charakter wird zwischen den Leveln diskutiert, welche Strategien Menschen bei der Verbreitung von Fake-News nutzen. Bei den Diskussionen sollen die Schüler:innen ihre eigenen Mediengewohnheiten erkennen, reflektieren und die spielerisch erfahrenen Strategien der Fake-News-Verbreitung dekonstruieren, um ihnen aktiv in der realen Welt entgegentreten zu können.

Der Verein wendet sich mit seinem Projekt an Schüler:innen ab der 9. Klasse in Berliner Schulen, wobei besonderer Fokus auf sozial und finanziell benachteiligte Schulen verschiedener Schulformen gelegt wird. Das Projekt wird direkt im Klassenzimmer der Lerngruppe durchgeführt und findet über das gesamte Jahr 2022 statt. Ziele des Projektes lassen sich wie folgt verorten:

  • Jugendliche für klassische Strukturen der Fake-News-Verbreitung sensibilisieren, indem sie diese anhand von modellhaften Beispielen selbstständig erarbeiten
  • Jugendlichen das nötige Handwerkszeug für einen reflektierten Umgang mit sozialen Medien bieten, sodass dieses Werkzeug auf den eigenen Mediengebrauch übertragen werden kann
  • Diverse Schulformen mit dem Projektangebot ansprechen, um horizontalen und vertikalen Ungleichheitsfaktoren entgegenzuwirken

Diese Ziele werden durch den intensiven Diskurs umgesetzt, in welchen die Schüler:innen mit den Trainer:innen im Verlauf des 3,5 stündigen Kurses treten. Die Teilnehmenden erarbeiten zentrale Strategien der erfolgreichen Fake-News-Verbreitung in den einzelnen Leveln des Spiels selbstständig, reflektieren ihr digitales/fiktives Tun allerdings immer im angeleiteten Dialog zwischen den Spielrunden. So wird stets die Frage aufgeworfen, welche Tricks sie angewendet haben und inwiefern ihnen diese Entscheidung steigende Follower:innenzahlen gebracht hat. Strategien der Fake-News-Verbreitung zu dekonstruieren, bedeutet auch immer, sich Gedanken über eigene Handlungsweisen zu machen. Denn, um aktiv gegen Fake-News-Verbreitung in sozialen Netzwerken vorgehen zu können und zivilgesellschaftliches und demokratisches Engagement damit zu leben, muss man diese Strategien erst erkennen können. Die Diskussion um verwendete Strategien wird somit überführt in eine “Werkzeugkiste”, welche die Schüler:innen nutzen können, um Desinformationen im Netz aufzudecken. Auch sollen diese Werkzeuge von den Schüler:innen an ihre Peers im sozialen Umfeld weitergegeben werden können. Die Diversität unserer Adressat:innen sehen wir im Erreichen sozial und finanziell benachteiligter Schulen unterschiedlicher Schulformen in Berlin. Zu Beginn des Jahres 2022 sollen somit explizit in dieses Profil passende Schulen angeschrieben und über das kostenfreie Angebot informiert werden.

Die für das Projekt gesetzten Ziele sowie die Durchführungsweise lassen folgende Ergebnisse zu erwarten:

  1. Einer großen Anzahl an Schüler:innen wurde durch die Teilnahme am Kurs näher gebracht, welche Strategien in der Fake-News-Verbreitung angewandt werden.
  2. Die Schüler:innen haben ihre persönlichen Ansichten über Desinformation, Journalismus und demokratische Werte im digitalen Raum reflektiert und dabei ihre eigene Rolle in Meinungsbildungsprozessen in sozialen Netzwerken erkannt.
  3. Mit Hilfe der finanziellen Förderung konnten im Jahr 2022 die Summe von 20 Workshops umgesetzt werden.
  4. Die Mehrheit der durchgeführten Kurse 2022 fand an Schulen mit diverser Schulform statt, die finanzieller oder sozialer Benachteiligung ausgesetzt sind.
  5. Durch die neue Evaluationskultur konnten die Kurse an die Bedürfnisse der Teilnehmenden angepasst werden, um Nachhaltigkeit in Lernerfolgen zu garantieren.