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DOSSIER: DEMOKRATIE UND IDEOLOGIEN DER UNGLEICHHEIT


1. Demokratie und Ihre Gefahren

Demokratische Kultur

Eine lebendige, stabile und vielfältige Demokratie braucht Bürger_innen, die sich für die Gesellschaft, in der sie leben, interessieren und diese aktiv gestalten. Demokratie zu leben, sei es über partizipatorische Strukturen, Kommunikationsformen, Lehrstile oder Engagement im Ehrenamt, im Betrieb oder in einer Partei usw. ist ein aktiver Beitrag zu einer demokratischen Kultur.

Demokratische Kultur kann sich in allen Lebensbereichen etablieren, sollte in ihrer Vielfalt auch überall gefördert und weiter entwickelt werden. Gerade für Kinder und Jugendliche ist es wichtig, Demokratie als etwas zu erleben, von dem sie ein gleichberechtigter Teil sind. Partizipation und Mitsprache schaffen Möglichkeiten, damit Kinder und Jugendliche ernst genommen werden mit ihren Ideen, Interessen, Vorschlägen und Bedürfnissen und diese sich dann auch im Alltag niederschlagen.

Dabei kommt der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen für die Entwicklung demokratischer Kultur(en) und der gesellschaftlichen Entwicklung ein besonderer Stellenwert zu, weil die Teilnahme an demokratischen Prozessen, Dialogen und Verfahren erprobt und reflektiert werden muss. Nicht nur in der Familie, im Freund_innenkreis, der Schule, im Sport oder im Jugendklub u.a. braucht es deshalb Strukturen, Projekte und Gespräche, in denen eine lebendige Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Formen demokratischer Kultur(en) erlebt werden kann.

Aber was bedeuten demokratische Kultur(en) und Partizipation?

Demokratische Kultur(en) umfasst die Spielregeln, Alltagspraktiken, Verfahren, Formen des Dialogs, der Auseinandersetzungskultur(en), der Kommunikation sowie den Umgang mit Konflikten, Interessensunterschieden, Problemen und Hindernissen usw.

Neueste Studien zeigen, dass Demokratie am besten durch aktive Erfahrungen, eine praktische Auseinandersetzung mit Werten und Moral erlernt und verinnerlicht werden kann. Durch die wiederholte Erfahrung wird das Bewusstsein, Teil der demokratischen Kultur(en) zu sein, ein fester Bestandteil des eigenen Lebens und prägt den Umgang mit den Anderen.

Ein demokratisches Selbstverständnis, in dem die Strukturen und Verfahren der Mitbestimmung und Partizipation heterogen sind, in der das Erleben demokratischer Kultur(en) vielfältig, bunt und dynamisch ist, ist Teil eines Weltempfindens, in dem zentrale demokratische Werte, Normen und Verfahren als grundlegend und nicht hintergehbar empfunden und gelebt werden. Demokratisches Denken und Handeln verändert sich ein Leben lang, deshalb ist es jederzeit erlernbar, aber wenn es nicht erlebt und praktiziert wird, kann es sich nur rudimentär entwickeln oder auch verloren gehen. Das aktuelle Schlagwort dafür lautet Politikverdrossenheit oder Demokratiemüdigkeit, gemeint ist damit, dass Menschen sich u.a. nicht als Teil der demokratischen Kultur erleben und sich deshalb ausgeschlossen und nicht verantwortlich fühlen. Dabei kann diesen Tendenzen durch ein mehr an realer (Basis-)Demokratie entgegen getreten werden, um der gefühlten (und zum Teil sehr faktischen, z.B. vertretende Berufsgruppen und Berufe im deutschen Bundestages) Realität eines abgekoppelten Politikbetriebes eine andere Realität entgegenzusetzen.

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Was gehört zu einem demokratischen Selbstverständnis?

Demokratie ist ein fortlaufender Prozess, sowohl in der zwischenmenschlichen Kommunikation, in der Gesetzgebung als auch in der Veränderung von Werten, Normen und Selbstverständlichkeiten. Gemeinsame Grundlage für die immer neue Diskussion dieser Prozesse und Institutionen sollte ein Bewusstsein dafür sein, dass alle Menschen gleichwertig sind und dass ein Miteinander von Menschen unterschiedlichster Lebensformen, Interessen, Fähigkeiten und Bedürfnissen möglich und bereichernd ist, wenn es auch Anstrengung bedeutet, die dazu nötigen Spielregeln immer wieder neu auszuhandeln, zu verändern und weiter zu entwickeln.

Diese müssen immer wieder überprüft und in Aushandlungsprozessen neu definiert werden können.
Einige der zentralen demokratischen Werte, Normen und Verfahren, die ein demokratisches Miteinander erst möglichen, sind u.a. Gleichheit, Schutz von Minderheiten und Meinungsfreiheit, aber eben auch Respekt, Akzeptanz von Unterschiedlichkeit, Solidarität und Gerechtigkeit. Demokratielernen ist deshalb eng verbunden mit anderen Konzepten, die philosophische und gesellschaftliche Grundwerte und Rechte vermitteln, z.B. der Menschenrechtsbildung.

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Warum das Thema "Gefahren für die Demokratie"?

Antisemitismus, Rassismen oder andere Ideologien der Ungleichheit sind tief ins Bewusstsein unserer Gesellschaft eingeschrieben. Das heißt, sie finden sich in allen gesellschaftlichen Gruppen, Schichten/Klassen und sind in der Mitte besonders einflussreich und wirkungsmächtig. Deshalb setzt die Arbeit gegen die Gefahren der Demokratie primär in der Mitte der Gesellschaft an. Der rechte/rechtsextreme Rand ist zwar gefährlich und seine Ideologien, Organisationsstrukturen und Handlungen dürfen auf keinen Fall toleriert werden, doch wie groß ihr Einfluss auf die gesamte Gesellschaft und ihre demokratische Grundhaltung ist, steht und fällt mit dem demokratischen Selbstverständnis der Mitte der Gesellschaft. Deshalb braucht es vielfältige Strategien und Aktivitäten mit diversen Zielen und Ansatzpunkten, um effektiv gegen Ideologien der Ungleichheit, Rechtsextremismus und Demokratiefeindlichkeit zu agieren.

Der Prozess hin zu einem Mehr an Demokratie, zu anderen Formen der Partizipation für unterschiedliche Menschen ist deshalb auch mit Blick auf die Gefahrenabwehr zentral. Um eine bessere Gesellschaft und ein Mehr an Demokratie zu realisieren, müssen Ideologien der Ungleichheit bearbeitet werden, damit sie abgebaut und die Sensibilität und Bereitschaft für den Schutz der Rechte der Anderen gestärkt werden. Dazu gehört ebenfalls die Auseinandersetzung mit den Problemen, Defiziten und demokratiefeindlichen Haltungen und Äußerungen. Dabei geht es insbesondere um einen Umgang mit den Ideologien der Ungleichheit, wie sie sich in Antisemitismus, Rassismus, Heterosexismus usw. abbilden und sich als Formen der Diskriminierung und Ausgrenzung und der Ungerechtigkeit formieren. Dazu zählt auch eine Auseinandersetzung mit rechtsextremen Ideologien und Rechtsextremismus.

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Wie zeigen sich die Gefahren für die Demokratie im Alltag?

Es gibt ganz unterschiedliche Facetten von Gefahren für die Demokratie, z.B. rassistische, antisemitische, antidemokratische oder sexistische Haltungen, Äußerungen und Handlungen. Dabei zeigen sich diese in Sprache, Sprüchen, Witzen, Plakaten, Graffiti, Ausgrenzung, Gewalt oder auch in organisierten Formen. An den gesellschaftlichen Rändern, insbesondere in organisierten rechtsextremen Strukturen, sind diese deutlich schärfer akzentuiert als an anderen Stellen. Deshalb gibt es dazu ein eigenes Kapitel, in dem ein Grundverständnis dieser Ideologien der neuen Rechten angerissen wird. Getreu dem Motto: Nur wer weiß, wie eine Gefahr aussieht, kann sie erkennen und sich aktiv dagegen stellen.

Demokratische Kultur und Partizipation zu fördern heißt deshalb auch, Entwicklungen anzustoßen, die ein breites, vielfältiges und gerechtes Maß an Beteiligung für alle ermöglichen. Engagement, Zivilcourage und auch die Beschäftigung und Vermittlung von demokratischen Werten und Normen sind Grundpfeiler demokratischer Kultur. Demokratie und Partizipation fördern ist ein Beitrag zur demokratischen Kultur und zur Stärkung des demokratischen Selbstverständnisses in Berlin.

Dieser Bereich der Homepage möchte sensibilisieren und dazu ermutigen, sich zu informieren, aber auch den Schritt zum aktiven Handeln gegen demokratiefeindliche Sprüche und Verhalten zu wagen. Die folgenden Unterpunkte versuchen diesen Bogen zu schlagen. Dazu wurden zentrale Themen zum Thema Umgang mit Partizipation, Umgang mit Ideologien der Ungleichheit und Rechtsextremismus ausgewählt und einige Debatten stichwortartig dargestellt, um zu vertiefender Lektüre anzuregen.

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2. Zentrale Begriffe

Im Folgenden wird eine Auswahl von Kurzdefinitionen zentraler Begriffe vorgestellt. Diese dienen in erster Linie einem ersten Verständnis bzw. sind eine Zusammenfassung divergierender Diskussionen. Zu jedem der ausgewählten Begriffe lassen sich weitreichende Diskussionen, Einschätzungen und Debatten führen, auf die wir hier allerdings nicht eingehen.

An dieser Stelle sei auf die zahlreiche Literatur und Projekte verwiesen – siehe auch unsere Linksammlung. Aus der großen Anzahl von Angeboten haben wir zwei exemplarisch zur Vertiefung ausgewählt:

Zum einen die Seiten der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) auf www.bpb.de, dabei insbesondere das Dossier über Rechtsextremismus. Die Bundeszentrale bietet zu den wichtigen Begriffen und Themen zum Thema Demokratie, Arbeit gegen Rassismus, Antisemitismus oder Rechtsextremismus eine Fülle von Material und Informationen an.

Die Seite www.netz-gegen-nazis.de wird von einem breiten Netzwerk aus zivilgesellschaftlichen Gruppen und Organisationen unterstützt. Hier findet Ihr sowohl handlungsorientierte Informationen als auch Begriffserklärungen.

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Antimuslimischer Rassismus / Islamfeindlichkeit

Antimuslimischer Rassismus meint die pauschale Abwertung islamischer Kultur sowie von Menschen (vermeintlich oder real) islamischen Glaubens. Die Geschichte des Rassismus ist immer auch mit der Ablehnung der vermeintlich oder real „Anderen“ durch Herkunft, Aussehen oder in diesem Fall Religionszugehörigkeit verknüpft. Der Islam wird in der europäischen Geschichte als besonders kriegerisch und gewalttätig dargestellt. Dies resultiert unter anderen aus den Kriegen des 15 Jahrhunderts, aber auch aus der christlichen Ablehnung anderer Religionen. Aktuell erfuhr der antimuslimische Rassismus in Deutschland und Europa eine besonders breite Akzeptanz nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA.

Vor allem rechtspopulistische Parteien nutzen antimuslimischen Rassismus für ihre politischen Ziele. In dieser stereotypen Wahrnehmung wird ein Gegensatz zwischen der islamischen Kultur/Religion und dem Selbstbild der christlich-europäischen Kultur konstruiert. Dabei wird der Islam mit Müßiggang, zügelloser Leidenschaft, Machtgier, Besitzhunger und Gewalt verknüpft und somit als Gegenpart zur christlichen Welt aufgebaut. Die islamische Kultur galt/gilt dabei als eine einheitliche und unveränderliche Kultur »der Anderen«. Es gibt jedoch keine derart monolithischen Kulturen oder Religionen, und auch der Islam kennt eine Vielzahl von Facetten unterschiedlichster Ausrichtung, von emanzipatorisch über liberal und konservativ bis hin zu Fundamentalismus und Extremismus. Damit unterscheidet er sich nicht vom Christentum. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts sind fünf stereotype Darstellungen über den Islam vorherrschend: die des reichen Ölscheichs, von dem man abhängig ist; die des Terroristen, der gewaltbereit ist; die des Fundamentalisten, der fanatisch ist; die des Migranten, der ungebildet ist; und nicht zuletzt die der muslimischen Frau, die unterdrückt und ungebildet ist.

Antisemitismus

Antisemitismus bezeichnet die pauschale Ablehnung von Jüdinnen/Juden bzw. des Judentums. Das Phänomen Antisemitismus lässt sich etwa 2500 Jahre zurückverfolgen und kennt viele verschiedene Ausprägungen und Motive. Im Laufe der Geschichte zeigt/e sich der Antisemitismus in vielen Staaten in der Verleumdung, Ausgrenzung, Diskriminierung, Verfolgung und Vertreibung bis hin zu Versuchen der Vernichtung/Ermordung von jüdischen Menschen. Im Nationalsozialismus gipfelte der Antisemitismus in der Shoah*. Auch nach der Befreiung vom Nationalsozialismus ist der Antisemitismus keineswegs überwunden, es entstand in der Folge sogar eine neue Form: der sogenannte sekundäre Antisemitismus als psychologisch-moralische Schuldabwehr. Mit der Ausrufung des Staates Israel kommt der israelfeindliche Antisemitismus auf. Andere Formen sind unter anderem: die christliche Judenfeindschaft (entstanden im 1. Jahrhundert), die Judenfeindschaft aus ökonomischen Motiven (entstanden im 14. Jahrhundert; unterstellt Juden einen großen Einfluss auf Wirtschaft und Politik), moderner Antisemitismus (entstanden im 19. Jahrhundert, basiert auf rassistischen Begründungen). Antisemitismus äußert sich auch heute noch u.a. in Witzen, Schimpfwörtern wie „Du Jude“, Gewaltakten gegen Jüdinnen und Juden, gegen Synagogen sowie in Friedhofsschändungen. Aber er kann sich auch in einer pauschalisierten Kritik an Israel äußern.

*Shoah (wörtlich: »Zerstörung«, »große Katastrophe«) ist die hebräische Bezeichnung für den systematischen Massenmord an etwa sechs Millionen Jüdinnen und Juden im Nationalsozialismus. Shoah wird synonym zu dem Begriff Holocaust verwendet, der aus dem Griechischen kommt und »Brandopfer« bedeutet.

Demokratie

Demokratie bezeichnet zum einen ein politisches System basierend auf Mitbestimmung (u.a. durch freie Wahlen), Gewaltenteilung, Pluralismus, Schutz von Grundrechten (z.B. Meinungsfreiheit) und Minderheitenschutz. Zum anderen bezeichnet Demokratie individuelle sowie gesellschaftliche Denk-, Verhaltens- und Lebensweisen, die den Prinzipien von Mitgestaltung, Transparenz und Menschenwürde folgen. Demokratie muss in der Gesellschaft verwirklicht werden, damit die demokratischen Grundsätze in der Realität erfahrbar werden. Sonst bleibt Demokratie ein abstraktes, unübersichtliches System, in dem die/der einzelne das Gefühl hat, keinen Einfluss zu haben. Dabei ist demokratische Kultur kein Automatismus, sie muss im Alltag und in unterschiedlichen Situationen, Einrichtungen und Institutionen immer wieder erneuert, ausgehandelt und erstritten werden können. Demokratisches Handeln muss erlernt werden, dafür gibt es in Bildungsinstitutionen, Vereinen und Einrichtungen zahlreiche Beispiele und Methoden. Demokratie muss gegenüber ihren Feinden verteidigt werden, nicht nur auf der Ebene der staatlichen Institutionen, sondern auch und vor allem von Menschen.

Diskriminierung

Seit dem frühen 20. Jahrhundert bezeichnet Diskriminierung eine Form der Ausgrenzung, Benachteiligung bzw. Herabsetzung von Gruppen oder Individuen. Diese erfolgt u.a. anhand gruppenspezifischer Merkmale wie Herkunft, Hautfarbe, Sprache, politische oder religiöse Überzeugungen, sexuelle Orientierung, Geschlecht oder Behinderung. Diese Merkmale werden ins Zentrum der Be- und Abwertung der jeweiligen Gruppen(-mitglieder) gestellt und sind dann besonders wirkungsmächtig, wenn sie von der Mehrheit gegen Minderheiten benutzt werden. Heute existieren in den unterschiedlichen (Wissenschafts-)Bereichen viele verschiedene Definitionen von Diskriminierung. Diskriminierung kann sich z.B individuell (in Vorurteilen, Stereotypen und diskriminierenden Handlungen), strukturell oder institutionell äußern. Strukturelle Diskriminierung meint die in der Struktur der Gesellschaft enthaltene Benachteiligung gesellschaftlicher Teilgruppen (z.B. in einer patriarchalen Gesellschaft). Strukturelle Diskriminierung resultiert aus einem diskriminierenden organisatorischen Handeln gesellschaftlicher Institutionen (z.B. im Bildungsbereich oder auf dem Ausbildungsmarkt). Auf der politischen und verfassungsrechtlichen Ebene wird Diskriminierung an vielen Stellen bekämpft bzw. geächtet. Als Beispiele können für Deutschland bzw. Europa das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz des Bundes oder das Diskriminierungsverbot in der Europäischen Menschenrechtskonvention (Artikel 14) angeführt werden. An anderen Stellen immer noch staatlich subventioniert bzw. propagiert, z.B. das Adoptionsverbot für homosexuelle Paare in Deutschland.

Faschismus / Neofaschismus

Faschismus bezeichnet ursprünglich die von B. Mussolini 1919 gegründete politische Bewegung, die zunächst aus Kampfverbänden (fasci di combattimento) bestand, sich 1921 als Partei (Partito Nazionale Fascista) formierte und 1922 bis 1945 Italien beherrschte. Der Name Faschismus wird schon seit den 1920er Jahren als Bezeichnung für ähnliche politische Bewegungen und Herrschaftssysteme außerhalb Italiens gebraucht, die sich selbst in der Regel nicht „faschistisch“ nannten oder nennen. Faschismus kann als ein politisches System bzw. eine politische Ideologie definiert werden, die durch antiparlamentarische, oft antisemitische, totalitäre Führerstaatstendenzen gekennzeichnet ist und sich vielfach einer sozialrevolutionären Ausdrucksweise bedient.

Neofaschismus wiederum ist eine allgemeine Bezeichnung für rechtsextreme Bewegungen, die an Faschismus bzw. Nationalsozialismus anknüpfen. In Deutschland werden die Aktivitäten solcher Gruppen auch als Neonazismus bezeichnet. Die ideologischen Grundlagen neofaschistischer Gruppen bestehen in Rassismus und Antisemitismus, Autoritarismus/Führerprinzip und Antidemokratismus. Sie vertreten völkische Auffassungen und einen übersteigerten Nationalismus und verbreiten aktiv verschiedene Formen von Geschichtsrevisionismus. Zum Teil nehmen sie offen Anleihen beim historischen deutschen Faschismus, selbst wenn sie scheinbar neue Themen aufgreifen.

Gender in der Neuen Rechten

Geschlechterbilder und daraus resultierendes Rollenverständnis sind in der Neuen Rechten überwiegend traditionell geprägt und beruhen auf einer Ideologie sich ergänzender Unterschiedlichkeit von Frauen und Männern aufgrund von körperlichen/genetischen Merkmalen. Frauen wird dabei die Mutterrolle sowie alle Reproduktionstätigkeiten zugewiesen, Männer sind in der öffentlichen Sphäre für den Schutz von „Arbeit, Familie, Vaterland“ zuständig. Männern werden vermeintlich „männliche“ Eigenschaften zugeschrieben, wie Mut, Stärke sowie Kampf- und Gewaltbereitschaft. Frauen hingegen werden als friedliebend und umsorgend konstruiert. Diese traditionellen Rollenzuschreibungen sind nicht nur in der Neuen Rechten präsent, sondern werden auch in konservativen Kreisen in der Mitte der Gesellschaft vertreten.

Allerdings stellt sich das Geschlechterverhältnis in der Neuen Rechten in der Realität nicht so homogen wie gerade beschrieben dar. Frauen in der Neuen Rechten finden sich nicht nur als Ehefrau und Mutter, sondern auf allen Ebenen der öffentlichen Sphäre. Sie sind als Kader rechter Gruppierungen aktiv, engagieren sich für rechte Parteien in der Kommunalpolitik, treten auf Demonstrationen und als Anti-Antifa-Aktivistinnen auf. Sie sind in rechten Frauengruppen präsent und setzen sich als Mütter in Kindergartenbeiräten für deutsches Liedgut ein. Für Männer bietet das Rollenspektrum in der rechten Szene proletarisch-gewaltbereite und bürgerlich-biedere Männlichkeit.

Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit

Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF) ist sowohl ein sozialwissenschaftliches Konzept als auch ein empirisches Langzeitforschungsprojekt (Buchreihe „Deutsche Zustände“ 2002 - 2011). GMF bezeichnet ein Syndrom von großer Spannweite, unter dem verschiedene individuelle feindselige Einstellungen gegenüber Menschen unterschiedlicher Herkunft bzw. mit verschiedenen Lebensstilen zusammengefasst werden. Dabei treten die einzelnen „Symptome“ oft gleichzeitig auf bzw. stehen in Beziehung zueinander. Gemeinsam ist den einzelnen „Symptomen“ die Ideologie der Ungleichwertigkeit. Gleichwertigkeit und Unversehrtheit bestimmter Gruppen einer Gesellschaft werden dabei in Frage gestellt – entgegen dem Gleichheitsgrundsatz der Demokratie. Der Begriff umfasst folgende Elemente („Symptome“): Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Homophobie, Islamfeindlichkeit, Abwertung von Obdachlosen, Abwertung von Behinderten, Sexismus, Etabliertenvorrechte und Abwertung von Langzeitarbeitslosen. Obwohl Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit vor allem bei Rechtsextremist_innen besonders ausgeprägt ist, treten die einzelnen „Symptome“ auch in der „Mitte der Gesellschaft“ auf.

Heterosexismus / Homophobie

Der Begriff Heterosexismus wird oft synonym zum Begriff Homophobie verwendet. Dabei wird Heterosexualität als überlegene ´Normalität` bzw. Norm konstruiert (= Heteronormativität). Alles, was davon abweicht, gilt als ´nicht normal` oder ´krankhaft`. Der Begriff bezeichnet eine individuelle, gesellschaftliche oder staatliche Abwertung, Ablehnung und Ausgrenzung von homo-, bi-, trans- und intersexuellen Identitäts-, Verhaltens-, Beziehungs- und Lebensmodellen. Heterosexismus kann in Form von Vorurteilen, einer ausgeprägten Ablehnung gegenüber LSBTI*, der Befürwortung von Diskriminierung, manifestem Hass, verbaler bzw. körperlicher Gewalt oder wirtschaftlicher, rechtlicher und sozialer Diskriminierung auftreten. Heterosexismus ist eng mit bestimmten, traditionellen Geschlechterrollen für Frauen und Männer verbunden.

Der Begriff Homophobie dagegen bezeichnet vor allem individuelle, irrationale Ängste gegenüber homosexuellen Menschen verbunden mit Vorurteilen, Hass bzw. Gewalt, die mit diesen Ängsten einhergehen. Gesellschaftliche und staatliche Diskriminierung gegenüber LSBTI* erfasst der Begriff Homophobie nicht. Anfeindungen, Übergriffe und Diskriminierungen gegen LSBTI* gibt es nach wie vor in allen Ländern dieser Welt. Bei vielen Jugendlichen gilt ´schwul` als Schimpfwort. Die privilegierte Stellung der heterosexuellen Ehe ist weiterhin im bundesdeutschen Recht festgeschrieben. Und bis ins Jahr 1992 führte die Weltgesundheitsorganisation Homosexualität als Krankheit.

LSBTI* = Lesbisch, Schwul, Bisexuelle, Transgender, Intersexuelle. Transgender ist ein Oberbegriff für Menschen, die sichtbar aus den klassischen sozialen Geschlechtsrollen ausbrechen. Um Transsexualität handelt es sich, wenn ein Mensch körperlich eindeutig dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zugehört, sich jedoch selber als Angehörige/r des anderen Geschlechts sieht und versucht, sich auch körperlich dem gewünschten Geschlecht anzugleichen. Intersexuelle Menschen können genetisch, anatomisch oder hormonell bedingt nicht eindeutig dem weiblichen oder männlichen Geschlecht zugeordnet werden.

Nation / Nationalismus

In politischen und wissenschaftlichen Zusammenhängen gibt es viele verschiedene Definitionen von Nationalismus und Nation. Der Begriff „Nation“, mit dem verschiedene Gruppen von Menschen auf der Basis von Herkunft und/oder Territorium trennend unterschieden werden, setzte sich mit der Französischen Revolution von 1789 durch. Heute stellt „Nation“ in der westlichen Hemisphäre eine der bedeutsamsten politisch-ideologischen Mechanismen dar, um Bevölkerungen fiktiv über eine „gemeinsame“ Herkunft, Sprache, Kultur, etc. zu vereinen. Fiktiv deshalb, weil „Nation“ immer eine mehr oder weniger willkürliche Konstruktion ist. So sind zum Beispiel die Gemeinsamkeiten von Deutschen aus Ostfriesland und Bayern bezogen auf Sprache und Kultur doch eher gering. Bezogen auf den Nationalismus rechter Personen und Gruppen lässt sich feststellen, dass hier „Nation“ als quasi natürliche, homogene Gemeinschaft überhöht wird, deren Angehörige (= das Volk) über dieselbe Herkunft, Kultur und Interessen verfügen. Diese scheinbar homogene Gemeinschaft des Volkes wird wiederum gegenüber Minderheiten innerhalb der Nation (z.B. Juden, Muslime, etc.) sowie gegenüber anderen Nationen überhöht. Die Abwertung bzw. der Ausschluss anderer muss durch verschiedene Gewaltformen aufrecht erhalten werden. Dafür schafft Nationalismus kollektive Identität und wird bei rechten Gruppierungen zum Maßstab allen politischen Denkens und Handelns.

Neue Rechte

Als Neue Rechte wird eine rechtsgerichtete politische Strömung bezeichnet, die sich als Gegenmodell zur linken Studentenbewegung Ende der Sechzigerjahre zuerst in Frankreich bildete. Laut den Theorien der Neuen Rechten ist ein staatlicher Machtwechsel nur durch langfristige ideologische Veränderungen in der Zivilgesellschaft zu erreichen. Ihre Aufgabe sieht die Neue Rechte darin, gesellschaftliche Diskurse zu prägen und so Wahlerfolge extrem rechter Parteien vorzubereiten. Dabei ist die Neue Rechte eine zutiefst antidemokratische Denkschule. Weitere ideologische Themen sind: Antiamerikanismus, Antisemitismus, Antiliberalismus und Rassismus. Konsequent tritt die Neue Rechte gegen „Rassenvermischung“, Einwanderung und Pluralismus an, die sie als Gefahren für den „ethnisch geschlossenen Volkskörper“ ausmacht. Das im Mai 2000 gegründete Institut für Staatspolitik (IfS) gilt als „Denkfabrik“ der Neuen Rechten in Deutschland. Es hat seinen Sitz im südlichen Sachsen-Anhalt.

NSU / Nationalsozialistischer Untergrund

Der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) ist eine im November 2011 öffentlich bekannt gewordene rechtsextreme terroristische Vereinigung, auch bekannt als „Zwickauer Terrorzelle“. Nach bisherigen Erkenntnissen gehörten ihr Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos sowie Beate Zschäpe an. Die genaue Zahl der Unterstützer_innen des Trios ist unbekannt, nach bisherigen Erkenntnissen ist von mehr als 100 Personen auszugehen. Dem NSU wird ein Mordserie zugeordnet, bei der zwischen 2000 und 2006 acht türkisch- und ein griechisch stämmiger Ladenbesitzer in verschiedenen deutschen Städten erschossen wurden. Außerdem soll ein Nagelbombenattentat 2004 in Köln sowie der Mord an einer Polizistin in Heilbronn im Jahr 2007 auf das Konto des NSU gehen.

Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe gehörten in den 90er Jahren der militanten Neonazi-Kameradschaft "Thüringer Heimatschutz" an. 1998 wurde in einer von Zschäpe angemieteten Garage in Jena eine Bombenwerkstatt ausgehoben – doch da waren die drei schon untergetaucht und blieben 13 Jahre verschwunden. In dieser Zeit sollen sie eine ganze Serie von Banküberfällen verübt haben. Bis heute ist unklar, wie dem Trio trotz angeblicher Beobachtung durch den Verfassungsschutz und die Polizei damals die Flucht gelingen konnte. Lange wurde die Mordserie durch Strafverfolgungsbehörden und Medien stark abwertend, offen rassistisch und außerdem tendenziös als „Döner-Morde“ bezeichnet. Untersuchungsausschüsse auf Bundesebene sowie in einzelnen Bundesländern versuchen Antworten für das Versagen der deutschen Sicherheitsbehörden zu finden.

Rassismus

Rassismus bezeichnet die Abwertung von Individuen oder Gruppen aufgrund einer Verknüpfung von vermeintlichen oder tatsächlichen (gruppenspezifischen) Körpermerkmalen mit Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen. Heute wird eher von „Kulturen“ als von „Rassen“ gesprochen, um Trennendes und Abwertendes zwischen Gruppen zu benennen. Dabei wird die abgewertete „Kultur“ statisch und unveränderlich gedacht. Kultur erscheint quasi als biologisch vererbt und nicht als Resultat unserer Handlungen und der unserer Vorfahren unter bestimmten geschichtlichen, sozialen und politischen Bedingungen. So konstruiert Rassismus Gruppen von „Wir“ und „den Anderen“. Privilegien der einen und Ausschluss der anderen werden rassistisch legitimiert (z.B. „Es ist die Kultur der Türken, ihre Frauen zu unterdrücken, deshalb passen sie nicht in unsere deutsche Gesellschaft.“) und auf Dauer gestellt. In Deutschland wird, wenn Rassismus gemeint ist, noch oft von „Ausländerfeindlichkeit“ gesprochen. Allerdings verschleiert dieser Begriff, dass nicht alle „Ausländer“ gleichermaßen diskriminiert werden und nicht alle, die rassistisch diskriminiert werden, „Ausländer“ sind. Um Rassismus sichtbar zu machen, ist es wichtig, Rassismus als solchen zu benennen, wenn rassistisches Denken und Verhalten gemeint ist.

Rechtspopulismus

Der Begriff Populismus geht zurück auf die Populist Party, die Ende des 19. Jahrhunderts in den USA den Protest notleidender Farmer gegen die etablierte Politik in Washington zu vertreten versuchte. Umgangssprachlich werden politische Bewegungen dann als „populistisch“ bezeichnet, wenn sie einfache Lösungen für komplexe Sachverhalte präsentieren. Dabei erzeugen sie den Eindruck als würden sie das aussprechen was andere sich nicht zu sagen trauen und so präsentieren sie ihre rassistischen Ideologien als Bodenständig.

Rechtspopulismus bezeichnet hier eine politische Strategie, die autoritäre Vorstellungen vertritt und verbreitete rassistische Einstellungen nutzt und verstärkt. Dabei machen Rechtspopulisten gerne eine „korrupte Elite“ für die Probleme des „einfachen Volkes“ verantwortlich. Gleichzeitig grenzen sich rechtspopulistische Gruppen nicht nur nach oben ab, sondern auch gegenüber anderen ethnischen oder religiösen Gruppen (in Deutschland vor allem gegenüber hier lebenden (Deutsch-)Türken oder Muslimen). Soziale Missstände erklären Rechtspopulisten mit rassischen, kulturellen oder religiösen unveränderlichen Unterschieden. Dabei sind die Übergänge zu Rechtsextremismus und zu Gewalttaten fließend. Dies lässt sich auch an den politischen Biografien führender deutscher rechtspopulistischer Politiker erkennen. So finden sich bei der rechtspopulistischen „Bürgerbewegung Pro Deutschland“ mit Manfred Rouhs und bei der „Bürgerbewegung Pro Köln“ mit Markus Beisicht zwei ehemalige Funktionäre der extrem rechten Deutschen Liga für Volk und Heimat (DLVH).

Zivilcourage

Der Begriff Zivilcourage setzt sich zusammen aus „zivil“ (lat. „civis“= bürgerlich/anständig, annehmbar) und „courage“ (= Mut). Oft wird von Zivilcourage nur im Zusammenhang mit einem mutigen Eingreifen bzw. Unterlassen von Hilfeleistungen bei Gewaltakten, die sich im öffentlichen Raum abspielen, gesprochen.

Aber der Begriff Zivilcourage ist durchaus breiter gefasst. Er bezeichnet eine bestimmte Form politischen Handelns. Eine Person/eine Gruppe setzt sich ein – orientiert an humanen und/oder demokratischen Prinzipien - für (schutzbedürftige) andere (Gruppen oder Einzelpersonen), für das Gemeinwohl oder gegen Unrecht, Armut und Gewalt. Immer spielt die Würde des Menschen eine entscheidende Rolle. Das Ergebnis zivilcouragierten Handelns ist unbestimmt. Oft nehmen Menschen, die Zivilcourage zeigen, erhebliche Nachteile auf sich.

Situationen, in denen zivilcouragiert gehandelt werden kann, sind gekennzeichnet durch ein Ereignis, dass das subjektive Wert- und Gerechtigkeitsempfinden einer Person verletzt; ein daraus entstehender Konflikt; Handlungsdruck, aber auch -spielraum; Öffentlichkeit sowie ein tatsächliches/subjektiv wahrgenommenes Machtgefälle zuungunsten der Person, die sich einsetzt/ einsetzen möchte. Zivilcourage ist eng verknüpft mit einer lebendigen demokratischen Kultur.

3. Demokratie aktiv gestalten

Ausgrenzung, Diskriminierung & rechtsextreme Ideologien in der Mitte der Gesellschaft

Dass Menschen ausgegrenzt werden, weil sie real oder vermeintlich „anders“ sind, ist vielerorts alltäglich. „Anders sein“ wird zum Beispiel an der Hautfarbe, dem Geschlecht, der kulturellen oder sozialen Herkunft, der Religion, der Nationalität, der körperlichen Fitness, des Bildungsgrads, der sexuellen Orientierung, einer Behinderung o.ä. festgemacht.

Es lassen sich viele weitere solcher Zuschreibungen, Merkmale, Bewertungen finden, die sich aber nicht nur individuell in den Köpfen der Personen widerspiegeln, sondern häufig auch in strukturellen Ausgrenzungsmechanismen ausdrücken. Dabei wird eine Person nicht mehr mit ihren individuellen Besonderheiten, Eigenschaften und Interessen gesehen – also als Individuum, sondern sie wird einer oder mehreren Gruppen zugeordnet, denen bestimmte Merkmale, Eigenschaften und Interessen übergestülpt werden. Egal, ob dies mit vermeintlich positiven oder negativen Zuschreibungen erfolgt, zeigt es die Aufhebung der Idee, dass alle Menschen gleichwertig sind, wenn auch individuell unterschiedlich.

Ausgrenzungen und Diskriminierungen passieren sowohl unbeabsichtigt, unhinterfragt und unbedacht, aber eben auch absichtlich, gezielt und planvoll aus politischen oder ideologischen Beweggründen. Gesellschaftliche und persönliche Vorstellungen darüber, was als „normal,“ als „anerkannt“ und als „das Richtige“ gelten, verändern sich jedoch stetig. Der Umgang mit Unterschieden, Vielfalt/Diversity und auch mit dem Bild, wie der/die andere wahrgenommen wird, unterliegt zeitlichen, politischen und sozialen Wandlungsprozessen. Beispiele aus den letzten Jahrzehnten, die zeigen wie sich gesellschaftliche Narrative positiv verändert haben, sind u.a. das Thema Gleichberechtigung von Frauen und Männern, der Umgang mit der Kategorie Gender insgesamt oder die Auseinandersetzung mit Homosexualität. Die gesellschaftlichen Emanzipationsprozesse wurden nicht zuletzt durch die Neuen Sozialen Bewegungen angestoßen, welche Veränderungen in juristischer, politischer und sozialer Hinsicht bewirkten, die sich z.B. in Gesetzestexten zum Thema Gleichstellung, Antidiskriminierung, gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften usw. niederschlagen.

Antisemitismus, Rassismen oder Hetero-Sexismus u.a. sind Herrschaftsverhältnisse und Ideologien der Ungleichheit, die unterschiedliche geschichtliche, soziale, politische und ökonomische Hintergründe aufweisen. Dabei kommt es auf die jeweilige wissenschaftliche Perspektive oder politische Haltung an, wie sie erklärt und gedeutet werden. Neben den Erklärungsmustern, die auf Vorurteile und Stereotype, also einen Mangel an Wissen und Bewusstsein abheben, stehen Ansätze, die vor allem die sozio-ökonomischen Faktoren betonen, in denen es um eine Absicherung der je eigenen Position in der Gesellschaft geht. 

In jedem Fall beinhalten diese Formen der Zuordnung von Menschen in Menschengruppen und damit eine Entindividualisierung der Person, den Einstieg in ein Denken und Handeln, das zur Aufwertung des eigenen Seins und der eigenen Gruppe beiträgt. Prominente Erklärungsmodelle zu diesen Themen finden sich bei Wilhelm Heitmeyer, Robert Miles, Albert Memmi, Nora Räthzel, Birgit Rommelspacher oder auch zum Antisemitismus bei Wolfgang Benz, Juliane Wentzel, Herbert A. Straus. 

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Was tun gegen Rassismus, Antisemitismus und rechtsextreme Ideologien?

Um diskriminierende Praxen zu verändern, braucht es im ersten Schritt ein Bewusstsein über die Existenz und Struktur dieser Herrschaftsverhältnisse und Narrative. Daran knüpft eine Sensibilität für die verschiedenen Mechanismen an, die mit diesen Herrschaftsverhältnissen einhergehen. Dies darf jedoch nicht abstrakt bleiben, sondern wird dann wirkungsmächtig, wenn es sich in der Reflektion des eigenen Denkens, Handelns und Sprechens niederschlägt. Die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Vorannahmen, Stereotypen und Vorurteilen kann helfen, sich anders zu verhalten und aktiv an neuen Narrativen mitzuarbeiten. Dazu zählt, neben den Veränderungen im eigenen Denken und Handeln, auch der Versuch, strukturelle Diskriminierung, Ausgrenzung und Ungleichheit abzubauen. Für beides braucht es Engagement, Zivilcourage und die Bereitschaft sich mit anderen auseinanderzusetzen. Hinzu kommt ein gewisses Maß an Frustrationstoleranz und Beharrlichkeit, da gewachsene Verhältnisse sich nicht schnell grundlegend verändern lassen. In der Linkliste finden sich zahlreiche Projekte, Informationen und Anregungen wie solch ein Engagement aussehen kann.

Die demokratische Kultur(en) und damit die Demokratie als Ganzes muss auf vielen verschiedenen Schultern getragen werden. Dabei kommt der Mitte der Gesellschaft eine besondere Rolle zu, da diese als der Kern des gesellschaftlichen Entwicklungen, der Stabilität und des Entwicklungspotentials angesehen wird. Deshalb ist es für eine Gesellschaft besonders bedrohlich, wenn in dieser Mitte Antisemitismus, Rassismus, (Hetero-)Sexismus, Demokratiefeindlichkeit oder Rechtsextremismus unwidersprochen bleiben oder gar wachsen. Die deutsche Geschichte zeigt wie sich eine Ablehnung von Demokratie, den Idealen der Gleichheit sowie demokratischen Wahlen zu einem menschenverachtenden diktatorischen System wie dem Nationalsozialismus entwickeln kann. Deshalb ist Demokratie als solches kein Schutz gegen Ideologien der Ungleichheit, sondern nur dann, wenn Menschen sich engagieren, Zivilcourage zeigen und sich aktiv an einem Ausbau von Gleichheit und Gerechtigkeit beteiligen.

Demokratiefeindlichkeit hat vielfältige Ursachen und Auswirkungen. Sie wird u.a. als Desinteresse an der Gesellschaft, dem Ruf nach einer starken Führung oder dem aktiven Kampf gegen den Staat erfahrbar. Dabei wird die Demokratie aus unterschiedlichen Motiven abgelehnt und die anvisierten Alternativen sind dementsprechend verschieden. Mit Blick auf rechtsextreme Ideologien kommt der Ablehnung der Demokratie ein besonderer Stellenwert zu, da dies zu den Kernideologien gehört und sich mit anderen Ideologien, wie der Ablehnung des Gleichheitsgedankens oder der Gleichberechtigung einhergeht.

Ein Aktionsfeld rechtsextremer Politik ist die Indoktrination der Mitte der Gesellschaft mit ideologischen Debatten über Ungleichheit, wie im Umgang mit Asylbewerber_innen, Obdachlosen, Sinti und Roma, Juden und Jüdinnen usw. Es existiert wiederholt nachgewiesen eine Wechselwirkung zwischen den Überzeugungen in der Mitte der Gesellschaft und der Präsenz rechtsextremer Ideologien. Neue Studien zeigen, dass ein wachsender Anstieg antisemitischer und antidemokratischer Haltungen und Meinungen in der Gesamtbevölkerung dort besonders hoch ist, wo rechtsextreme Gruppen, Parteien oder Positionen stark vertreten sind. Natürlich funktioniert dies nur, weil oben beschriebene Narrative sowieso vorhanden sind und leicht angesprochen werden können. Umso wichtiger ist es, solchen Ideologien der Ungleichheit in verschiedenen Lebensbereichen aktiv entgegenzutreten, in Gesprächen, mit Projekten, Kunst und Kultur oder politischen Engagement.

Die größte Gefahr für die demokratische Kultur erwächst aus ihrem Inneren heraus, nämlich dann, wenn Menschen sich nicht als Teil der Demokratie begreifen, wenn sie sich nicht mit demokratischen Prozessen und Gestaltungsspielräumen identifizieren oder diese ignorieren. Dann wird die Demokratie angreifbar und zum Spielball von Akteur_innen und deren Macht- und Herrschaftsinteressen. Damit gerät sie auch ins Visier von Personen, die die Demokratie ablehnen und durch andere nicht-demokratische Strukturen ersetzen möchten. 

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4. Die "Neue Rechte" - Rechtsextremismus in Deutschland

Inhalte, Strategie und Ziele der Neuen Rechten

Inhalte, Strategien und Ziele der Neuen Rechten stellen kein homogenes, von allen Rechtsextremen gleichermaßen verfolgtes Programm dar. Die Neue Rechte ist keine geschlossene Gruppe, sondern eher ein loses Netzwerk von Publizist_innen, Akademiker_innen und anderen Personen mit ähnlicher Weltanschauung. Ziel der Neuen Rechten ist es, ihre Inhalte in der sogenannten Mitte der Gesellschaft zu verankern und ideologische Grundlagen und Strategien für rechte Parteien und interessierte Personen zu bieten. Obwohl die rechte Ideologie seit 1945 durch die Neue Rechte modernisiert wurde, ist sie grundsätzlich antimodern und antidemokratisch, da sie sozialen Wandel und demokratische Errungenschaften rückgängig machen möchte. Sie knüpft an traditionelle Elemente rechter Ideologie an, bietet aber durch die inhaltlichen Neuerungen Lösungsvorschläge für die veränderten Sorgen und Probleme der Menschen der modernen Welt.

Im Zentrum rechter Ideologie steht der „völkische Nationalismus“, der sich gleichsam als „brauner“ Faden durch die einzelnen Elemente dieser Ideologie zieht. Die Grundlage des „völkischen Nationalismus“ ist das „Volk“. Dieses wird als homogene Volksgemeinschaft gedacht, deren biologisch-kulturelle Reinhaltung Ziel rechter Politik ist. Damit einher geht ein rassistisches Denken, welches von der Ungleichheit und Ungleichwertigkeit der Menschen(-gruppen) ausgeht. Gruppen, welche als nicht-zugehörig zur Volksgemeinschaft definiert werden, werden abgewertet und ausgeschlossen.

In demokratischen (Denk-)Systemen steht der einzelne Mensch und seine Würde, die jeder Mensch allein durch das Menschsein bedingungslos hat, im Zentrum. Das Primat rechter Ideologie und Politik jedoch ist nicht der einzelne Mensch, sondern die Gemeinschaft. Die Zugehörigkeit zu dieser biologisch-kulturellen Gemeinschaft ist unveränderlich und damit statisch. Demnach können ein Jude oder eine Jüdin, ein_e Schwarze_r oder ein_e Migrant_in niemals Deutsche_r sein oder werden. Dabei ist weder entscheidend, ob die Person in Deutschland geboren ist noch ob sie die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt.

Daran anknüpfend und als Gegenkonzept zur Multikulturalismus-Idee entwickelte die Neue Rechte das Konzept des „Ethnopluralismus“. Ethnopluralisten behaupten, dass es ihnen um den Respekt vor „kultureller Identität“ und Tradition gehe. Um diese zu schützen, müssten die verschiedenen ethnischen Kulturen auf ihren „angestammten“ Territorien strikt voneinander abgegrenzt und getrennt werden. So fungiert diese Ideologie als elegante, pseudo-humanitäre Begründung gegen Migration und Integration. Dahinter verbirgt sich allerdings ein kulturell begründeter Rassismus, der radikale Ausgrenzungshandlungen legitimiert und im Extremfall als erklärende Begründung für Übergriffe auf Migrant_innen oder jüdische Menschen herangezogen werden kann.

Die Neue Rechte stellt sich gegen eine gemeinsame Europapolitik bzw. gegen den Parlamentarismus allgemein. Ihr Antiamerikanismus ist verbunden mit antisemitischen und globalisierungsfeindlichen Aussagen. Die Neue Rechte propagiert dagegen eine nach außen abgeschottete, raumorientierte Volkswirtschaft (Nationaler Sozialismus). Sie nimmt positiv Bezug auf den Nationalsozialismus (NS) und verharmlost beziehungsweise leugnet die Verbrechen des NS. Als Wurzel deutscher Kultur bezieht sich die Neue Rechte u.a. auf das heidnische „Germanentum“.

Die Strategie zur Verbreitung der Inhalte der Neuen Rechten lässt sich anschaulich an der von der Nationaldemokratischen Partei Deutschland (NPD) propagierten 3-Säulen-Strategie darstellen: „Kampf um die Straße, Kampf um die Köpfe, Kampf um die Parlamente“. Im „Kampf um die Straße“ geht es darum, im öffentlichen Raum präsent zu sein und diesen gezielt als „eigenes Territorium“ zu markieren. Dies geschieht über Demonstrationen, dem Aufbau rechter Infrastruktur (Szeneläden, Kneipen, Tattoostudios, etc. als Treffpunkte), aber auch über die flächendeckende Verbreitung von Tags (gesprühte Schriftzüge, Symbole und Abkürzungen) und Aufklebern. Diese Besetzung des öffentlichen Raumes wird unterschiedlich wahrgenommen: uninformierte Passant_innen nehmen z.B. Aufkleber mit rechtsextremen Inhalt selten wahr, Gleichgesinnte bemerken sie mit Genugtuung und potenziell Betroffene mit Angst.

Hinter dem „Kampf um die Köpfe“ steckt eine Normalisierungsstrategie, mit der die Akzeptanz der als deutsch definierten Bevölkerung erreicht werden soll. Rechtsextreme treten zum Beispiel in Kindergartenbeiräten, in Sportvereinen, in Freiwilligen Feuerwehren oder in Kleingartenvereinen auf. Sie wollen als hilfsbereite, „gute Deutsche“ wahrgenommen werden. Ihre ideologische Weltsicht wird zu Beginn meist verheimlicht. Vielmehr knüpfen sie an tagespolitische Diskurse an und setzen sich etwa gegen den Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft, für einen neuen Spielplatz in der Nachbarschaft ein oder bieten hilfreiche Informationen für die Empfänger_innen von Arbeitslosengeld. So gelingt es Neuen Rechten über vorbildliches soziales und politisches Engagement akzeptierter Teil der Zivilgesellschaft zu werden. Diese Akzeptanz ist nicht nur wichtig für eine schleichende ideologische Überzeugungsarbeit, sondern auch für die dritte Säule der Strategie, dem „Kampf um die Parlamente“. Kandidat_innen rechtsextremer Parteien, die zuvor bereits als „gute Nachbar_innen“ wahrgenommen werden, werden wählbar und können dann in den kommunalen Gremien ihre Inhalte in den politischen Alltag einbringen.

Diese Modernisierungs- und Normalisierungsstrategie der Neuen Rechten ermöglicht es ihnen, mit ihren Inhalten Teil gesellschaftlicher Debatten zu werden, ohne dass auf den ersten Blick die menschen- und demokratiefeindlichen Grundlagen der Ideologien sichtbar werden. Rechte Vorstellungen werden anschlussfähig, vor allem an wert-konservative Vorstellungen, vor allem bezüglich Migration und Integration. So kann die Neue Rechte ihre Ziele einer Veränderung der allgemeinen Vorstellungen innerhalb der Gesellschaft und schließlich einer Aufweichung des demokratischen Konsenses erreichen. Für demokratisches Engagement bedeutet dies, über die Ideologien der Neuen Rechten zu informieren und für die möglichen Folgen, die sich aus diesen Ideologien ergeben, zu sensibilisieren.

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Erlebniswelten Rechtsextremismus (Lifestyle, Codes, Symbole, Musik)

Rechtsextrem orientierte Erlebniswelten sind mittlerweile sehr breit gefächert. Es gibt viele verschiedene rechtsextrem mitbestimmte Lifestyle-Bewegungen mit eigener, professioneller Kulturindustrie (Bekleidungsmarken, NS-Devotionalien-Versand, Musiknetzwerke, etc.) und eigenem Sprachgebrauch. Kneipen, Szeneläden, Tattoostudios, Ferienlager oder Konzerte sind wichtige Treffpunkte für Gleichgesinnte und Gelegenheiten, interessierte (junge) Menschen in die Szene zu integrieren. Auch die Möglichkeiten des Internets werden von Rechtsextremen genutzt. Sie können sich über rechtsextreme Bands und Organisationen informieren und Musik-CDs, Kleidung und andere NS-Artikel bestellen. Soziale Netzwerke wie Facebook ermöglichen die Erfahrung „virtueller Zugehörigkeit“ und Anerkennung. Interessierte finden problemlos und unverbindlich Kontakt. Wer auf einer Freundesliste erscheint, bekommt laufend neue Freunde, Organisationen und Veranstaltungen angeboten. Der Einstieg in die rechtsextreme Szene wird so ohne große Hürden möglich und ohne dass das Umfeld der/des Betroffenen davon etwas bemerken muss.

Durch ihre Pluralisierung und Professionalisierung und dadurch, dass rechtsextreme Erlebniswelten nicht mehr auf den ersten Blick als solche erkannt werden, werden sie für (junge) Menschen interessanter und damit auch gefährlicher. Je häufiger rechtsextreme Denkweisen im Alltag sichtbar werden (als T-Shirt-Aufdruck, als Aufkleber), desto „normaler“ und damit gesellschaftsfähiger werden sie. Eine schleichende Akzeptanz und Verankerung in der Gesellschaft ist die Folge.

Codes und Symbole

In der rechtsextremen Szene gibt es viele verschiedene Codes und Symbole. Mal wird auf den Nationalsozialismus positiv Bezug genommen, mal auf die germanische Mythologie. Mal sind die verwendeten Erkennungszeichen eindeutig, mal ist der Bezug nicht so klar zu erkennen, weil die verwendeten Zeichen auch von anderen Szenen genutzt werden. Codes und Symbole dienen dazu, sich untereinander als rechtsextrem zu erkennen, und gleichzeitig „unsichtbar“ zu sein für nicht-informierte Außenstehende. So vermitteln Codes und Kleidung den Träger_innen, Teil einer „verschworenen Gemeinschaft“ zu sein. Andererseits können sich die Träger_innen in der Gesellschaft relativ unauffällig bewegen und sind für die/den Uneingeweihte/n auf den ersten Blick nicht als rechtsaffin/rechtsextrem zu erkennen. Für das Engagement und die Arbeit gegen Rechtsextremismus bringt dies die Notwendigkeit mit sich, sich mit den verwendeten Codes und Symbolen auseinanderzusetzen. Dazu gibt es viele verschiedene hilfreiche Materialien und Internetseiten. Verwiesen sei hier exemplarisch auf www.netz-gegen-nazis.de.

Styles

Modisch hat sich die rechtsextreme Szene in den vergangenen Jahren komplett gewandelt. Rechtsextremer Lifestyle will nicht verstaubt und altbacken daherkommen. Neue Nazis/Neue Rechte wollen dynamisch, modern und cool wahrgenommen werden, um vor allem junge Menschen anzusprechen. Mittlerweile werden Symbole oder Zeichen der linken Szene leicht verändert verwendet, etwa Che-Guevara-T-Shirts, moderne Streetart-Motive oder englischsprachige Parolen sind bei rechten Demonstrationen oder Konzerten keine Seltenheit. Auch das Design der Bekleidungs-Marken, die bei Rechtsextremen Anklang finden, hat sich in den letzten Jahren verändert. Die Marke „Thor Steinar“ kommt sportlich mit versteckten Bezügen zur nordischen Mythologie/zum Nationalsozialismus daher. Ansgar Aryan aus Thüringen verbindet moderne Surfer-Designs mit offensiven Bezügen zum historischen Nationalsozialismus. Die Nazi-Marke Dryve By Suizhyde setzt dagegen eher auf das Spiel mit uneindeutigen Motiven, die kaum von denen bekannter Skatemarken oder Band-T-Shirts zu unterscheiden sind.

Musik

Auch rechtsextrem(-orientiert)e Musik ist nicht mehr so einfach als solche zu erkennen, hat aber eine sehr wichtige Bedeutung bei der Verbreitung rechtsextremer Inhalte. So bietet zum Beispiel die „Schulhof-CD“, die von der NPD und den Gruppen der Freien Kameradschaften hunderttausendfach kostenlos an Kinder und Jugendliche verteilt wird, einen bunten musikalischen Mix. Während es früher darauf eher Liedermacherstücke, Hardrock und Rock gab, finden sich jetzt auch Stücke aus dem Hip-Hop oder Hardcore-Bereich. So werden junge Leute mit einer erweiterten musikalischen Bandbreite angesprochen. Der Pluralisierung der Musikstile stehen weitgehend die gleichen Inhalte gegenüber. Die Texte verbreiten rassistische und antisemitische Vorurteile, säen Hass und rufen zur Gewalt gegen Menschen auf, die als „Feinde“ definiert werden. Sie teilen die Welt klar in Gut und Böse, bringen eine Verehrung an Deutschland zum Ausdruck und nehmen positiv Bezug auf eine „germanisch-nordische Geschichte“. Inhalte rechtsextremer Liedtexte bieten so vor allem Jugendlichen Identifikationsangebote zur Bewältigung persönlicher Krisensituationen und betten diese in einen ideologischen rechtsextremen Bezugsrahmen ein.

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Organisationsstrukturen

Parteien

Rechtsextreme Organisationen existieren öffentlich wahrnehmbar in formellen parteilichen oder parteiähnlichen Strukturen, z.B. in der NPD oder ihrem Jugendverband der JN. Die NPD ist die älteste und zurzeit bedeutendste extrem rechte Partei Deutschlands, gegründet wurde sie 1964. Seit damals hat sie viele inhaltliche Wandlungen erlebt, doch nach wie vor bezieht sie sich positiv auf den Nationalsozialismus und auf die ihm zugrunde liegenden Ideologeme. Die NPD ist momentan in zwei Landtagen (Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen) und mit rund 500 Mandaten in 14 Bundesländern vertreten. Über die Parteienfinanzierungen gelangen durch die NPD staatliche Gelder in die extrem rechte Szene, über das parteieigene Presseorgan „Deutsche Stimme“ werden die Mitglieder regelmäßig mit den ideologischen Inhalten und Zielen der Partei versorgt. Außer der NPD gibt es im rechten Parteienspektrum noch die Partei „Die Republikaner“ sowie die Pro-Bewegungen. Neben den Parteien und den freien Kräften gibt es in der rechten Szene darüber hinaus noch etliche Vereine, die auf unterschiedlichen Ebenen tätig sind und in die Szene hinein wirken. 

Außerparlamentarische Organisationsstrukturen, sogenannte „Freie Kräfte“

Die Neue Rechte ist besonders stark organisiert in informellen, losen Zusammenhängen, den sogenannten „Freien Kameradschaften“. Obwohl diese losen Verbünde oft auf persönlichen, teils langjährigen Bekanntschaften innerhalb der rechten Szene basieren, kommen häufig nicht-rechte bzw. rechtsaffine Jugendliche über sie in Kontakt mit der Szene. Rechtsextremist_innen benutzen verschiedene Selbst-Bezeichnungen, wie z.B. „Freie Nationalisten“, „Nationaler Widerstand“ oder „Autonome Nationalisten“.

Die Verbünde sind dezentral, regional, weisungsunabhängig, agieren aktionsorientiert und sind häufig extrem gewalttätig. Sie weisen einen geringen Hierarchisierungsgrad auf und werden vor allem durch eine gemeinsame Weltanschauung und gemeinsame Aktionen zusammengehalten. Bei den Aktionen geht es oft um Einschüchterung von als politische Gegner_innen identifizierten Einzelpersonen oder Gruppen durch die sogenannte „Anti-Antifa-Arbeit“ (Ausspionieren und Veröffentlichung von Namen/Adressen, Bedrohungen, Übergriffe). Auch gewalttätige Übergriffe auf Migrant_innen gehen oft auf das Konto der „freien Kräfte“. Es gibt aber auch Kameradschaften, in denen (junge) Neonazis „lediglich“ zusammenkommen, um rechte Musik zu hören und Alkohol zu trinken.

Für gewaltorientiert und aktions-/handlungsorientiert Rechtsextreme sind vor allem die „Autonomen Nationalisten“ ansprechend. Sie beziehen sich auf den Nationalsozialismus, sind antikapitalistisch, geben sich modern und sind extrem gewaltbereit. Äußerlich sind die „Autonomen Nationalisten“ auf den ersten Blick kaum von linken Autonomen zu unterscheiden. Sie kopieren Kleidung, Schriftzüge und Motive der linken Szene, wandeln diese geringfügig um oder fügen rechtsextreme Parolen ein.

Zusammenwirken von NPD und „Freien Kräften“

Zum Teil gibt es enge Beziehungen zwischen den freien Kräften und der NPD. Freie Kräfte unterstützen zum Beispiel Wahlkampfaktivitäten wie Informationsstände oder Plakatieraktionen. Zwischen den freien Kräften und der NPD gibt es zudem etliche personelle Überschneidungen. Die NPD agiert als eine Art „legaler Arm“ des aktionsorientierten Rechtsextremismus bzw. gibt sich in der Öffentlichkeit in einer anwaltlichen Rolle für rechtsextreme Aktivist_innen. Das wichtigste Bindeglied zwischen der NPD und den freien Kräften ist die Jugendorganisation der NPD, die „Jungen Nationaldemokraten“ (JN). Die JN geben sich erlebnisorientiert und politisch extrem in ihren Inhalten und Forderungen. Für die rechte Szene sind die JN wichtig, um junge Rechtsextreme stärker an die Inhalte, Ziele und Strukturen der rechten Szene zu binden.

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Der Terrorismus von Rechts

Rechte und rechtsextreme Strukturen, Aktionsformen und Organisationen sind vielfältig und vielschichtig, sie sind regional, bundesländerübergreifend, aber auch international vernetzt. Die nationale und internationale Zusammenarbeit erfolgt manchmal in organisierten Strukturen oder als dezentrale, klandestine Netze wie ehemals das rechtsextreme Netzwerk „Combat 18“ oder der NSU.

Der rechtsextreme Terrorismus oder die Organisation in terroristischen Gruppen wird aus unterschiedlichen Flügeln der Rechten seit Jahren propagiert und auch praktiziert. Dazu zählt der Anschlag auf das Münchener Oktoberfest 1980, ein vereitelter Anschlag auf den Neubau der Synagoge 09.11.2003 in München oder die Mordserie des NSU. 

In Deutschland sind die rechten und rechtsextremen Gruppen, Organisationen, Parteien und Medien sowie Think Tanks über das gesamte Bundesgebiet verteilt. Inwieweit sie miteinander kooperieren, lässt sich zum Teil im Internet nachvollziehen; ansonsten stammen die Informationen von Aussteiger_innen aus der Szene oder werden von Journalist_innen als Undercover-Reportagen ermittelt.

Die absolute Mehrheit der rechtsextrem organisierten Gruppen und Organisationen will diesen Staat und seine demokratische Grundordnung abschaffen und durch ein anderes System ersetzen. Dazu werden unterschiedliche Strategien diskutiert: Propaganda im Internet, Zeitungen und Zeitschriften über politische Kampagnen, Musik, Demonstrationen, gewalttätige Übergriffe bis hin zu Terrorakten. Was genau als Terrorismus einzustufen ist, dazu gibt es keine einhellige wissenschaftliche Definition. Wann von Terrorismus, wann von terroristischen Vereinigungen und wann von politischem Widerstand gesprochen wird, ist weder politisch noch juristisch oder wissenschaftlich eindeutig definiert. 

Kennzeichnend ist jedoch für alle rechtsextremen terroristisch agierenden Gruppierungen eine gewalttätige Handlungspraxis, um das bestehende Staatssystem anzugreifen bzw. abzuschaffen. Hierfür braucht es Netzwerke, in denen Aktivitäten geplant, finanziert und logistisch vorbereitet werden, in denen Schulungen für Kader stattfinden und die Fähigkeiten zur Aktivität im Untergrund vermittelt werden. Das erfolgt heutzutage nicht nur durch direkte Kontakte, sondern auch über das Internet. 

Aktuell wird die Debatte über den Terror von Rechts, seine Bestandteile, seine Bedeutung und auch sein Gefahrenpotenzial, angesichts der Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds NSU wieder öffentlich geführt. Damit liegt erneut auch eine internationale Aufmerksamkeit auf Deutschland und seinem Umgang mit Rechtsextremismus und rechtsextrem motivierten Gewalttaten. In diesem Zusammenhang werden auch Statistiken zu Kriminalfällen neu aufgerollt und auf ihren rassistischen, antisemitischen oder rechtsextremen Hintergrund überprüft. Hier herrschen bisher große Abweichungen zwischen den Statistiken, die von Zeitungen, Opferberatungsstellen und Stiftungen geführt werden, und denen der Polizei.

In Deutschland und Europa gab es in der Nachkriegszeit eine Reihe von Erfahrungen mit rechtsextremen Terroranschlägen, so u.a. in Frankreich, Italien, Belgien und in der BRD. Dabei wurde je nach gesellschaftlichem Kontext der rechtsextreme Hintergrund herausgestellt oder in den Hintergrund gedrängt. Allein für die Jahre 1976 bis 1982 lassen sich 14 Anschläge in der BRD und Belgien als rechtsextreme Terrorattacken bezeichnen (vgl. Thomas von Heymann; Peter Wensierski: "Im rechten Netz" in Der Spiegel 43/2011). Der bekannteste war der Anschlag auf das Münchener Oktoberfest am 26.9.1980, bei dem 13 Menschen starben und 211 verletzt wurden. In einem juristischen Verfahren, das seit über 30 Jahren in der Kritik steht, wurde der rechtsextreme Hintergrund nur unzureichend beleuchtet (vgl. Wolfgang Görl, Süddeutsche Zeitung 26.09.2000). Verschiedene Anläufe wurden unternommen, das Verfahren neu aufzurollen und auch die Verstrickungen in den rechtsextremen Hintergrund der Täter herauszustellen. Zuletzt erfolgte dies im September 2011, noch vor der Aufdeckung der Terroranschläge durch die NSU.

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Der Nationalsozialistische Untergrund (NSU)

Der aktuellste Fall eines Terrorismus von Rechts

Der so genannte „Nationalsozialistische Untergrund“ (NSU) ist die aktuellste Form einer rechtsextremen terroristischen Gruppe/Vereinigung. Die Morde, Bombenanschläge und Banküberfälle, die durch das sogenannte „Zwickauer Trio“ zwischen 2000 und 2007 verübt wurden, beschäftigen die Gesellschaft und auch die Gerichte. Dabei stehen jedoch nicht nur die Taten dieser Gruppe und ihres Unterstützungsnetzwerks im Fokus, sondern auch der Umgang des Staates – der Polizei, der SOKO, des Verfassungsschutzes, der Politik - und der Medien mit den Verbrechen. Hierbei tritt deutlich zu Tage, wie weitgehend rassistisches Denken, Verharmlosungen und Vertuschungsversuche die Ermittlungen immer wieder blockiert haben. Die Aufdeckung dieser Mordserie ist mehr oder weniger einem Zufall und nicht zielführenden polizeilichen Ermittlungen zu verdanken. Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe und ihre Unterstützer_innen haben über Jahre hinweg zahlreiche Verbrechen begangen: Morde an acht türkisch-stämmigen Personen, einer griechisch-stämmigen Person und einer deutsch-stämmigen Polizistin. Hinzu kommen zwei Bombenanschläge in Köln in den Jahren 2001 und 2004.

Die Mordserie, die Organisationsform des Trios und auch die Verbindung zum Unterstützungsnetzwerk zeigen eine neue gesteigerte Qualität in terroristischen Aktivitäten aus dem rechten Spektrum. Gleichzeitig sind, wie bereits erwähnt, die vom NSU gegangenen Verbrechen nicht die ersten terroristischen Verbrechen des Rechtsextremismus in der BRD.

Mit den NSU-Fällen wird jedoch vor allem deutlich, mit welcher Sicherheit und in welchem quasi juristischen Freiraum sich die Gruppe über zehn Jahre bewegen konnte. Der Verfassungsschutz in den Ländern wie auf Bundesebene und auch die Arbeit der Polizei wurde bereits durch unterschiedliche Untersuchungsausschüsse als Fiasko bewertet.

Der Deutsche Bundestag hat am 26. Januar 2012 auf Antrag aller fünf Fraktionen einen Untersuchungsausschuss zur Aufklärung der Umstände, welche die Neonazi-Mordserie möglich machten, eingerichtet. Die Arbeit dieses Ausschusses lässt sich auf der Homepage des Deutschen Bundestages verfolgen. Dort wurde die Öffentlichkeit über verschiedene Tätigkeiten und Aufgaben des Ausschuss informiert (Arbeitsauftrag, Mitglieder, Beschlüsse, Tagesordnungen und Stellungnahmen etc.). Diese Seite ist sehr interessant für die Frage nach den demokratischen Konsequenzen, die aus der Aufdeckung des NSU erwachsen und gibt gleichzeitig einen Einblick in die Funktionsweise eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses.

Hier zeigt sich ein weiteres gesellschaftliches Problem, nämlich die Frage nach der Kontrolle des Verfassungsschutzes und die Frage, inwieweit eine starke Demokratie enge Verbindungen in rechtsextreme Kreise braucht, um sich selbst zu schützen. Expert_innen kommen aktuell zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen in dieser Frage. Es wird sicher noch eine längere gesellschaftliche Diskussion benötigen, um zu klären, inwieweit solche Organe kontrollierbar sind und damit auch wirklich zum Schutz der Verfassung geeignet sind.

Den seit 6. Mai 2013 vor dem Münchener Oberlandesgerichts laufenden Prozess Beate Tzschäpes beobachtet das Projekt NSU-Watch.

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5. Handlungsstrategien für ein Mehr an Demokratie und Partizipation

Die Förderung von Projekten, um selbst aktiv zu werden, sich mit den gesellschaftlichen Verhältnissen auseinandersetzen und gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen neue demokratische Wege zu beschreiten, ist Ziel des Programms „STARK gemacht!“ Dabei sollen verschiedene Handlungsstrategien entwickelt werden, die ein mehr an Mitbestimmung und Partizipation in gesellschaftlichen Prozessen ermöglichen. Wie das aussehen kann, da sind der Phantasie und der Kreativität erst mal keine Grenzen gesetzt. Wichtig erscheint jedoch, die Lebensrealitäten der beteiligten Kinder und Jugendlichen mit einzubeziehen und ihnen Erlebnisräume zu eröffnen, in denen demokratische Kultur(en) praktisch erlebt und mitgestaltet werden können. Dazu gehören Erfolgserlebnisse genauso wie Rückschläge. Pädagogische Untersuchungen zeigen, dass Kinder und Jugendliche besser mit Erfahrungen von Misserfolg umgehen können, wenn sie sich als agierende und selbstständige Akteur_innen erleben. Ihr Interesse an Partizipation und Demokratie wächst proportional zu ihren Gestaltungsmöglichkeiten und den Erfahrungen, dass Partizipation wirklich etwas bewegen kann.

Die Förderung von jugendspezifischen Formen von Partizipation und Mitbestimmung kann nicht ohne eine Beschäftigung mit den Gefahren der Demokratie, also mit Ideologien von Ungleichheit usw. erfolgen. Sie ist ein notwendig, um ein demokratisches Selbstverständnis zu entwickeln und die eigene Rolle in der Gesellschaft zu finden und zu erlernen. Kinder und Jugendliche brauchen Vorstellungen davon, wie sie mit den Werten und Normen demokratischer Kultur(en) umgehen können, wie sie selbst sich und andere aber auch gegen Diskriminierungen und Ausgrenzungen schützen und einen aktiven Beitrag gegen Alltagsrassismen, Antisemitismus, Heterosexismus usw. leisten können.

Ausgangspunkt für solche Aktivitäten können dabei die diversen Erfahrungen der Kinder und Jugendlichen sein. Die Anknüpfung an diese Erfahrungen und deren Kontextualisierung ist ein wichtiger Baustein, um Werte und Normen als Bestandteil des Alltags zu verstehen und nicht als abstrakte Lerninhalte. Wer Werte wie Gleichheit, Anerkennung, Respekt und Solidarität erleben möchte, braucht dafür einen Erlebnis- und Erfahrungshorizont, der u.a. in einem pädagogischen Rahmen vorbereitet und erlernt werden kann.

Die alltäglichen Erfahrungen mit Ungerechtigkeit, Ungleichheit und Gewalt sind für Kinder und Jugendliche in der Regel sehr präsent und sie fürchten sich nicht, anders als viele Erwachsene, diese Themen zu problematisieren und zu agieren. Wenn sie darin unterstützt werden, dann erfahren sie Beteiligung, Partizipation und Mitbestimmung als Erweiterung der eigenen Handlungsmöglichkeiten.

Mehr Beteiligung für Kinder und Jugendliche lässt sich in nahezu allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens verwirklichen. Es gibt viele Erfahrungen mit pädagogischen Konzepten, Methoden und Inhalten. Niemand braucht das Rad neu erfinden. Hilfestellungen und Projektideen finden sich auf vielen Internetseiten, u.a. auf der Seite www.kompetent-fuer-demokratie.de. Hier werden ausgewählte Handreichungen, Methoden und Bücher vorgestellt. Eine Liste mit Fallbeispielen hilft ebenfalls dabei, neue Ideen und Umsetzungsmöglichkeiten für Projekte aus den Bereichen Demokratielernen, Gender, Menschenrechtsbildung oder Arbeit gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus zu finden. Auch in der Linkliste finden sich zahlreiche Projektvorstellungen, Informationsseiten und Vorschläge zur Gestaltung von Aktivitäten.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Projekte, die sich mit Demokratie in ihren unterschiedlichen Facetten beschäftigen, gut damit fahren, wenn sie praktisch an der Lebensrealität von Kindern und Jugendlichen anknüpfen, wenn sie einen Rahmen schaffen, in dem demokratisches Handeln wirklich erlebt und erprobt werden kann. Dazu gehören auch die Reflexion dieser Erfahrungen und die Auseinandersetzung mit Stolpersteinen, Hindernissen und Gefahren für die Demokratie. 

Die Ansatzpunkte sind dabei so vielfältig wie die Bedarfe vor Ort. Mit einem Mix aus Themen und Methoden z.B. aus der nicht-rassistischen oder genderspezifischen Arbeit kann z.B. spielerisch erlernt werden, wie im Alltag mit diskriminierenden Witzen, Sprüchen, Schimpfwörtern umgegangen werden kann.

Anhand konkreter Projekte kann erlernt werden, dass Zivilcourage wichtig ist und in der Regel nicht eine Gefährdung für die eigene Person bedeutet, sondern viel eher eine Erfahrung der Solidarität und der Gemeinschaft erzeugt. Dabei ist die praktische Erfahrung im Alltag entscheidend. So zeigt z.B. die Erfahrung mit Konflikt-- und Streitlotsen, dass Kinder einen wichtigen Beitrag zu einer weniger diskriminierenden Atmosphäre leisten können und dass dies auch noch Spaß macht.

Gute Erfahrungen gibt es auch mit Verfahren, in denen Kommunikations- und Umgangsregeln von den Kindern und Jugendlichen selbst entwickelt und überprüft werden. Dabei ist es wichtig, dies nicht als einmalige Sache anzusehen, sondern als dauerhaften Prozess der Beteiligung zu vermitteln.
Auch Aktivitäten und Projekte, die sich mit dem Thema Rechtsextremismus beschäftigen, können kreativ sein und Spaß machen. Ein wichtiger Faktor ist hierbei, auch die gesellschaftlichen Zusammenhänge zwischen alltäglichen Diskriminierungen und Ausgrenzungen und den rechtsextremen Ideologien für Kinder und Jugendliche verständlich aufzuarbeiten. Dabei wäre es wünschenswert, wenn deutlich würde, dass rechtsextreme Ideologien vor allem deshalb so gefährlich sind, weil sie Anknüpfungspunkte an die Lebenswelt von Anna und Otto Normalverbraucher_in haben.

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6. Über die Autorin

Autorin dieses Dossiers ist Tanja Berg.


Die Texte in diesem Dossier wurden unter der Lizenz CC-BY-SA veröffentlicht. Das heißt, Ihr könnt sie frei nutzen, wenn Ihr den Namen des Autors nennt und Euer Produkt unter der gleichen Lizenz veröffentlicht.

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